Auf der Erlanger Bergkirchweih soll diesmal rücksichtsvoll gefeiert werden: Die Gleichstellungsstelle hat Wirten eine Liste mit zwölf Songs geschickt, die besser nicht laufen sollen, darunter „Layla“, „Joana“ und „Skandal im Sperrbezirk“. Die Spider Murphy Gang spottet: Nicht einmal in der DDR habe man eine Setliste vorlegen müssen. Bier, Bratwurst – und betreutes Mitsingen: Die Erlanger Bergkirchweih gehört zu den bekanntesten Volksfesten Bayerns. Hunderttausende Besucher kommen jedes Jahr. Es wird getrunken, gesungen und natürlich gefeiert. Doch 2026 soll offenbar selbst im Bierzelt auf die richtige Tonlage geachtet werden. Die Gleichstellungsstelle der Stadt Erlangen hat laut Nürnberger Nachrichten ein Schreiben an Wirte und Livekünstler verschickt. Darin geht es um zwölf Lieder, die als sexistisch oder frauenfeindlich empfunden werden könnten. Die Bitte: Diese Titel sollen bei der Veranstaltung möglichst nicht gespielt werden. Es handle sich laut Stadt nicht um ein Verbot, sondern nur um einen Appell. Also gewissermaßen: Niemand muss gehorchen – aber alle wissen jetzt, was erwartet wird. Diese zwölf Songs stehen auf der Liste Die Liste liest sich wie ein Ballermann-Best-of mit Gleichstellungs-Fußnote. Unerwünscht sind demnach: „Nein heißt ja“ von G. G. Anderson, das „Donaulied“ in verschiedenen Varianten, darunter von Mickie Krause, „Olé, wir fahr’n in den Puff nach Barcelona“ von Mickie Krause, „Layla“ von DJ Robin und Schürze, „Deine Freundin“ von SDP, „Baby Bell“ von Breitner, „Joana (du geile Sau)“ von Peter Wackel, „20 Zentimeter“ von Mirja Boes, „Skandal im Sperrbezirk“ von der Spider Murphy Gang, „Die Glöcknerin von Dingolfing“ von den Dorfrockern, „Zehn nackte Friseusen“ von Mickie Krause und „Geh mal Bier holen“ ebenfalls von Mickie Krause. Besonders hart trifft es damit Mickie Krause. Der Ballermann-Star ist gleich mehrfach vertreten. Für ihn dürfte Erlangen 2026 also musikalisch schwieriges Gelände werden. Recherche im Selbstversuch Zur Begründung liefert die Gleichstellungsstelle laut Nürnberger Nachrichten teils sogar Textbeispiele mit. Besonders problematisch sei etwa „Nein heißt ja“. Die Botschaft, ein Nein könne eigentlich Zustimmung bedeuten, verharmlose Grenzüberschreitungen. Auslöser soll unter anderem eine Beschwerde aus dem Vorjahr gewesen sein. Eine Besucherin hatte sich über sexistische Songs beschwert – und zugleich von übergriffigen Männern berichtet. Die Gleichstellungsbeauftragte Réka Lörincz erklärte den Nürnberger Nachrichten, sie habe sich gemeinsam mit ihrer Kollegin Nora Hahn-Hobeck durch die Titel „durchgehört“. Eine angenehme Recherche sei das nicht gewesen. Es war vermutlich nicht der schönste Arbeitstag im Erlanger Rathaus. Sogar „Skandal im Sperrbezirk“ ist betroffen Für besondere Verwunderung sorgt, dass auch „Skandal im Sperrbezirk“ auf der Liste steht. Der Song der Spider Murphy Gang stammt aus dem Jahr 1981. Also aus einer Zeit, in der sich Deutschland noch andere Sorgen machte als die Frage, ob Rosi auf einem Bierfest diskriminierungsfrei besungen werden darf. Der Manager der Band, Jürgen Thürnau, reagierte entsprechend deutlich: „So einen Quatsch habe ich schon lange nicht mehr gehört.“ Und dann setzte er noch nach: Als die Spider Murphy Gang in der DDR gespielt habe, habe sie jedenfalls keine Setliste vorlegen müssen. Kein Verbot, nur bitte gehorchen Die Stadt Erlangen betont: Es gehe um ein respektvolles und sicheres Feiern. Alle Gäste und Mitarbeiter sollen sich auf dem Berg wohlfühlen. Ob das mit einer amtlichen Playlist-Pädagogik gelingt, ist eine andere Frage. Bei den Bergwirten hält sich die Begeisterung offenbar in Grenzen. Till Stürmer, Sprecher der Vereinigung der Bergwirte, sagte, es gebe sicher Menschen, die sich an bestimmten Liedern störten. Es gebe aber auch andere, die genau diese Titel hören wollten. Sein Vorschlag: ein pragmatischer Umgang. Man könne zur Kenntnis nehmen, dass sich Menschen gestört fühlen. Aber daraus müsse nicht gleich ein moralisches Reinheitsprogramm für jedes Festzelt werden. Übersetzt heißt das: Zwischen „alles egal“ und „DJ, bitte erst die Gleichstellungsstelle fragen“ gäbe es vielleicht noch eine Mitte. Die Debatte ist nicht völlig neu. Schon in den vergangenen Jahren gab es immer wieder Streit um Partysongs. „Layla“ wurde vielerorts diskutiert. Das „Donaulied“ steht seit Jahren wegen Andeutungen sexueller Gewalt in der Kritik. Für 2024 wurde in Erlangen zudem vereinbart, „L’Amour Toujours“ zu meiden, nachdem das Lied durch rechte Parolen vereinnahmt worden war. Am Ende entscheidet der DJ