Westmedien rätseln über Chamenei: Irans Führer bleibt sechs Monate nach Beginn des Kriegs unsichtbar

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Sechs Monate nach Beginn des Iran-Kriegs ist der damals schwer verletzte und später zum Obersten Führer aufgestiegene Modschtaba Chamenei für die Iraner weiterhin weder zu sehen noch zu hören. Im Zentrum der iranischen Führung klafft damit ein ungewöhnliches Machtvakuum, berichtet Reuters am Freitag.

Die Fragen nach seinem Gesundheitszustand und seiner Rolle werden zunehmend dringlicher, hieß es zuletzt in Westmedien. Das Magazin The Atlantic stellt in seiner neuen Ausgabe die Frage, ob Chamenei tatsächlich noch regierungsfähig sei oder ob inzwischen andere Machtzentren – insbesondere der Oberste Nationale Sicherheitsrat und die Revolutionsgarde – die politischen Entscheidungen in Iran treffen. Iran steht vor wichtigen Entscheidungen über einen Krieg, der den Nahen Osten in Brand gesetzt und die ohnehin fragile iranische Wirtschaft weiter schwer belastet hat.

Iranische Regierungsvertreter im Land haben mehrfach erklärt, Chamenei führe das Land. Aus Sicherheitsgründen regiere er aus dem Hintergrund, während er sich von seinen Verletzungen erhole und weitreichende Befugnisse im Tagesgeschäft an einen Kreis hochrangiger Vertreter delegiere.

Doch seit seiner Ernennung eine Woche nach Kriegsbeginn wurden weder Fotos noch Videos oder Audiobotschaften von ihm veröffentlicht. Dadurch wachsen die Zweifel an seiner tatsächlichen Rolle in einer Islamischen Republik, in der das Wort des Obersten Führers eigentlich uneingeschränkte Autorität besitzt, hieß es laut Reuters.

Chameneis einzige Botschaften an die iranische Bevölkerung wurden bislang in Form einiger schriftlicher Erklärungen veröffentlicht, die von Nachrichtensprechern vorgelesen wurden. Selbst bei der aufwendigen einwöchigen Trauerzeremonie für seinen Vater im vergangenen Monat war er nicht zu sehen.

Hochrangige Regierungsvertreter und andere Insider führen Chameneis Abwesenheit auf die Sorge vor einem Attentat zurück. Demnach hält er regelmäßig Treffen mit führenden Vertretern ab, erhält alle wichtigen Berichte und trifft bei zentralen Fragen weiterhin die endgültigen Entscheidungen. Präsident Massud Peseschkian erklärte am 10. August, er habe sich sieben Stunden lang mit Chamenei getroffen.

Iran hat sechs Monate des Krieges mit seinen mächtigsten Feinden überstanden und ist geschwächt, aber weiterhin handlungsfähig. Das politische System hat standgehalten. Das Militär ist nach wie vor in der Lage, die weltweite Energieversorgung zu beeinträchtigen und US-Verbündete am Golf anzugreifen.

Der Staatsapparat der Islamischen Republik hat gezeigt, dass er den Verlust eines Obersten Führers und hochrangiger Kommandeure verkraften kann, ohne zusammenzubrechen. Die politische und militärische Befehlskette blieb intakt und der theokratischen Ideologie verpflichtet.

Die Revolutionsgarde, seit Langem eine mächtige Kraft, gewann mit Beginn des Krieges weiter an Einfluss. Sie spielen eine zentrale Rolle bei den strategischen Entscheidungen an der Spitze des neu geordneten Machtapparats rund um den Obersten Nationalen Sicherheitsrat. Zu diesem Führungskreis gehören neben den Spitzenkommandeuren der Revolutionsgarde auch führende Politiker wie Peseschkian und Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf.

Mehrere hochrangige iranische Quellen, mit denen Reuters im Land sprach, erklärten, Chamenei halte tatsächlich Treffen mit diesen führenden Vertretern ab, sei umfassend in die Beratungen eingebunden und habe bei allen wichtigen Fragen das letzte Wort.

Ein ranghoher iranischer Regierungsvertreter sagte, nur wenige Funktionäre hätten noch direkten persönlichen Kontakt zu Chamenei. Aus Angst, Informationen könnten nach außen gelangen und den USA ermöglichen, ihn gezielt anzugreifen, seien keine Einzelheiten über seinen Aufenthaltsort veröffentlicht worden.

Sein Gesundheitszustand verbessere sich unterdessen deutlich, sagte eine Person aus Chameneis innerem Kreis gegenüber Reuters. Sie beschrieb ihn als geistig wach und aktiv an den politischen Entscheidungen beteiligt. Schon vor dem Krieg hatte Chamenei als wichtigster Berater seines Vaters eine Rolle hinter den Kulissen bevorzugt und die Öffentlichkeit gemieden. Bei den Luftangriffen in den frühen Morgenstunden des 28. Februar, mit denen Israel und die USA den Krieg begannen und bei denen sein Vater ermordet wurde, erlitt er Berichten zufolge Verletzungen im Gesicht.

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