Agenda 2030 auf dem Teller: Der Bund fördert Insekten – und will mit dem Detailhandel unser Essverhalten verändern

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Was hat der Staat damit zu tun, was die Schweizer Bevölkerung isst? Offenbar immer mehr. Mit der neuen Agrarpolitik AP30+ will der Bundesrat nicht nur Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion umbauen. Sein erklärter „Paradigmenwechsel“ reicht über Migros, Coop und andere Detailhändler bis zum Konsumenten – und damit letztlich bis auf unseren Teller.

Die Richtung kommt nicht aus dem Nichts. In der Schweizer Umsetzung der Agenda 2030 gehört die „Transformation hin zu nachhaltigen Ernährungssystemen“ ausdrücklich zu den politischen Zielen. Im Länderbericht 2026 schreibt der Bund selbst, die zukünftige Agrarpolitik ab 2030 solle einen „ganzheitlichen Ernährungssystemansatz“ über die gesamte Lebensmittelwertschöpfungskette verfolgen. Dabei wird ausdrücklich auch der Konsum einbezogen.

Und genau das findet sich nun in AP30+ wieder.

Der Bundesrat will pflanzliche Kulturen für die direkte menschliche Ernährung zusätzlich fördern. Gleichzeitig sollen „Nützlinge und Insekten stärker gefördert“ werden. In AP30+ bezieht sich dieser Punkt konkret auf Insekten im Landwirtschaftsgebiet – etwa durch Nützlings- und Rückzugsstreifen. Doch Insekten als Lebensmittel sind dem Bund keineswegs fremd: Mehlwürmer, Heimchen und Wanderheuschrecken sind in der Schweiz bereits seit 2017 als Lebensmittel zugelassen. Das Bundesamt für Landwirtschaft bezeichnet die Insektenproduktion ausdrücklich als mögliche „Diversifizierungsmöglichkeit für landwirtschaftliche Betriebe“; unter bestimmten Voraussetzungen können dafür sogar Investitionskredite gewährt werden.

Beim Konsumenten wird die Vorlage jedoch tatsächlich politisch brisant. Der Bundesrat plant Zielvereinbarungen mit dem Detailhandel und will gleichzeitig die Konsumentinnen und Konsumenten für eine von ihm als ausgewogen und nachhaltig verstandene Ernährung „sensibilisieren“.

Damit verlässt die Agrarpolitik den Bauernhof.

Der Staat beschränkt sich nicht mehr darauf, dafür zu sorgen, dass genügend sichere Lebensmittel produziert werden. Er nimmt zunehmend das gesamte Ernährungssystem ins Visier – Produktion, Verarbeitung, Handel und Konsum.

Man kann das „Sensibilisierung“ nennen. Man kann es aber auch als staatliche Lenkung des Konsumverhaltens bezeichnen.

Denn wenn der Staat gemeinsam mit den marktbeherrschenden Lebensmittelhändlern Zielvereinbarungen abschließt und gleichzeitig bestimmte Lebensmittel stärker fördert als andere, entsteht zwangsläufig Einfluss darauf, was angeboten, beworben, produziert und letztlich gekauft wird.

Und hier sollte eine liberale Gesellschaft eine einfache Frage stellen: Was geht den Bundesrat eigentlich an, was ein erwachsener Bürger auf seinen Teller legt?

Wer Fleisch essen möchte, soll Fleisch essen. Wer sich vegan ernähren möchte, soll das tun. Wer Milch, Käse, Gemüse oder pflanzliche Proteine bevorzugt, braucht dafür keine staatliche Anleitung.

Der Staat kann über Ernährung informieren. Er darf Gesundheitsrisiken benennen und Lebensmittelstandards festlegen. Aber zwischen Information und politischer Verhaltenslenkung verläuft eine Grenze.

AP30+ zeigt, wie weit sich diese Grenze inzwischen verschiebt. Der Bundesrat spricht selbst von einem „Paradigmenwechsel“. Die Agenda-2030-Politik spricht von der „Transformation“ des Ernährungssystems.

Das sind bemerkenswert deutliche Worte. Denn transformiert werden soll offenbar nicht mehr nur die Landwirtschaft. Am Ende soll sich auch der Konsument verändern.

Und spätestens dort wird aus Agrarpolitik eine gesellschaftspolitische Frage: Mein Teller gehört nicht dem Staat.

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