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Larry C. Johnson
Donald Trump sorgte diese Woche kurzzeitig für Schlagzeilen mit dem Vorschlag einer zivilen Nuklearkooperation mit Saudi-Arabien, die die Unterstützung beim Bau von Kernreaktoren unter Verwendung amerikanischer Technologie einschließt. Dies ist freilich keine wirklich neue Entwicklung. Gespräche zwischen den USA und Saudi-Arabien über ein formelles Abkommen zur zivilen Nuklearkooperation (bekannt als „123-Abkommen“ gemäß dem US-Atomgesetz) dauern schon seit Jahren an.
Was Trumps Ankündigung neu (und merkwürdig) erscheinen läßt, ist sein Beharren darauf, daß die Saudis die Abraham-Abkommen unterzeichnen müssen, um den Deal zu besiegeln. Und das wird zum Deal-Killer werden, wenn die Saudis an ihrer Position festhalten, daß es einen palästinensischen Staat geben muß, bevor sie die Abraham-Abkommen akzeptieren.
Doch es gibt noch einen weiteren, gewichtigeren Grund, der den Saudis Anlaß geben sollte, zweimal nachzudenken, bevor sie ihre nukleare Zukunft auf die USA setzen… Die amerikanische Erfahrung im Bau von Kernkraftwerken ist ein einziges Debakel.
In den Kiefernwäldern des östlichen Georgia begannen zwei wuchtige Betonkuppeln schließlich letztes Jahr, Atome zu spalten – zwei Jahrzehnte nachdem sie erstmals geplant worden waren. Die Einheiten 3 und 4 des Kernkraftwerks Vogtle kosteten mehr als 30 Milliarden Dollar, lagen sieben Jahre im Verzug und hätten ihren Erbauer beinahe in den Bankrott getrieben. Gemessen an den technischen Maßstäben sind sie ingenieurtechnische Meisterleistungen. Sie sind aber auch ein Grabstein.
Vogtle ist das erste neue amerikanische Kernkraftprojekt, das seit mehr als dreißig Jahren die Ziellinie überquert hat. In demselben Zeitraum baute China sechzig. Rußland errichtete ein globales Imperium. Und die Vereinigten Staaten – die Nation, die 1957 den ersten kommerziellen Reaktor in Betrieb nahm, die das Leichtwasserdesign perfektionierte, das die Welt noch immer nutzt, die einst das Atom so beherrschte wie den Mikrochip – haben verlernt, wie man Beton gießt, Stahl biegt und die Bücher ausgleicht.
Das Atomzeitalter tritt in ein neues Kapitel ein. Da Klimafristen nahen und Energiesicherheit die westlichen Hauptstädte in Aufruhr versetzt, entdecken jene Länder, die tatsächlich Kernkraftwerke bauen können, daß Atomkraft längst nicht mehr nur Strom bedeutet. Sie ist Hebelmacht. Und im Augenblick sitzt Amerika am Seitenrand, mit einem Stapel brillanter Baupläne, die es sich nicht leisten kann zu verwirklichen.
Der Laborkittel und der Schutzhelm
Wer durch die Flure des Idaho National Laboratory oder die Büros irgendeines von einem Dutzend Nuklear-Startups im Silicon Valley geht, dem ist amerikanische Überlegenheit unmittelbar greifbar. Die USA entwerfen Reaktoren, die schwimmen, Reaktoren, die auf Lastwagen passen, Reaktoren, die mit abgebranntem Kernbrennstoff betrieben werden. Das Energieministerium finanziert fortgeschrittene Demonstrationsprojekte von Wyoming bis Washington State. Die Nuclear Regulatory Commission bleibt der weltweite Goldstandard für Sicherheit – kopiert, respektiert und gefürchtet.
Doch Innovation ohne Bauwerft ist bloß eine Patentanmeldung.
Das Debakel Vogtle veranschaulicht den Verfall. Was eine Wiedergeburt werden sollte – der Westinghouse AP1000, ein sichereres, schlichteres Design der Generation III+ – wurde zur blutenden Wunde. Auftragnehmer versagten. Baupläne kamen unvollständig an. Die Kapazität zur Schwerschmiedung von Reaktorbehältern war Jahrzehnte zuvor ins Ausland abgewandert. Erfahrene Schweißer und Rohrleger waren in Rente gegangen, und niemand hatte ihre Nachfolger ausgebildet. Jedes Problem erzeugte eine Verzögerung; jede Verzögerung blähte das Budget auf. Als der erste neue Watt schließlich flossen, hatte sich der Kostenvoranschlag verdoppelt, Westinghouse hatte Insolvenz angemeldet, und jeder Versorgungsunternehmer, der zugeschaut hatte, hatte das Wort „Kernkraft“ leise aus seinem Wortschatz gestrichen.
Die USA können ein Wunderwerk entwerfen, aber sie können nicht zwei gleiche Dinge bauen, ohne jedes als maßgeschneidertes Wissenschaftsprojekt zu behandeln.
Rußlands Reaktorgeschäft
Während Amerika mit sich selbst stritt, baute Moskau etwas Schlichteres: eine Verkaufsmaschine.
Rosatom, Rußlands staatlicher Nukleargigant, verkauft nicht bloß Reaktoren. Es verkauft eine Beziehung. Brauchen Sie ein Kraftwerk? Rosatom plant es, finanziert es, baut es, beliefert es mit Brennstoff, schult Ihre Operatoren und transportiert den Abfall ab. Das Paket kommt verpackt in zinsgünstigen Krediten russischer Staatsbanken und einem geopolitischen Augenzwinkern: Wir werden Ihr Energiepartner für sechzig Jahre sein. Unterschreiben Sie hier.
Das Produkt selbst – der WWER-1200 – ist nicht revolutionär. Es ist ein solider, evolutionärer Druckwasserreaktor, den Rosatom gelernt hat, im Inland effizient zu bauen und im Ausland zu replizieren. Was ihn für Käufer von der Türkei über Ägypten bis Bangladesh unwiderstehlich macht, ist die Gewißheit, die Moskau in einem Bereich bietet, in dem Gewißheit selten ist. Keine unordentlichen privaten Aktionäre. Kein NRC-ähnliches Labyrinth. Kein Versorgungsvorstand, der schwitzt, während Quartalsergebnisse und abbindender Beton aufeinandertreffen.
Die Ergebnisse sprechen für sich. Rosatom kontrolliert derzeit rund 70 Prozent des globalen Reaktorexportmarkts. Sein Auslandsauftragsbuch erstreckt sich über vier Kontinente. Und weil Rußland auch annähernd die Hälfte des weltweiten Reaktorbrennstoffs anreichert, entdecken seine Kunden schnell, daß der Kauf des Kraftwerks erst der Beginn der Abhängigkeit war.
Es ist im Wesentlichen ein Schutzgeldschema – eines, das die Vereinigten Staaten miterfunden und dann aufgegeben haben.
Chinas Fabrikhalle
Wenn Rußland Schach spielt, spielt China Massenproduktion.
Pekings Nuklearprogramm begann als Technologieimporteur, als Student, der Hausaufgaben von den Franzosen, den Russen und den Amerikanern abschrieb. Heute ist es das weltgrößte Klassenzimmer – und der Lehrer. Kein Land hat in diesem Jahrhundert mehr Reaktoren gebaut. Kein Land hat derzeit mehr im Bau.
Der Motor ist der Hualong One, ein eigenständiges Generation-III+-Design, das aus jahrelangem geduldigen Reverse-Engineering und staatsgelenkter Integration hervorgegangen ist. Da Chinas Reaktorbauer, Regulierungsbehörden, Banken und Stahlwerke letztlich alle der gleichen kommunistischen Parteizentrale verantworten müssen, kann das Land Standardisierung mit einer Rücksichtslosigkeit durchsetzen, die auf fragmentierten westlichen Märkten unmöglich ist. Wenn China einen Hualong One baut, baut es denselben Hualong One – immer wieder. Die Lernkurve ist steil, die Zeitpläne sind vorhersehbar – etwa fünf bis sechs Jahre vom Aushub bis zur Netzeinspeisung –, und die Kosten gehören zu den niedrigsten der Erde.
Jetzt exportiert Peking das Modell. Im Rahmen seiner Belt-and-Road-Initiative replizieren chinesische Staatsbanken das Rosatom-Spielbuch und bieten schlüsselfertige Anlagen und gebundene Finanzierungen für Pakistan, Argentinien und prospektiv Saudi-Arabien sowie weite Teile Zentralasiens an. Die amerikanische Nuklearindustrie, die durch das Fehlen von Exportfinanzierungen ausgehungert und durch drei Jahrzehnte inländischer Untätigkeit gelähmt ist, hat kein gleichwertiges Angebot zu machen.
Der geopolitische Reaktor
Dies ist nicht bloß eine kommerzielle Geschichte. Es ist eine strategische.
Kernkraftwerke sind keine Windparks. Sie sind Sechzig-Jahres-Verpflichtungen. Sie benötigen Brennstoff, Ersatzteile, technische Unterstützung und diplomatische Stabilität über Generationen hinweg. Die Nation, die einen Reaktor auf fremdem Boden baut, verkauft keine Elektrizität; sie pflanzt eine Flagge. Rußland hat das früh verstanden. China lernt es schnell. Die Vereinigten Staaten haben trotz ihrer immensen Sicherheitsinteressen an stabilen, kohlenstoffarmen Energiemärkten das Feld faktisch geräumt.
Washington versucht zögerlich, den Kurs zu korrigieren. Milliarden an neuen Bundesmitteln fließen in fortgeschrittene Reaktordemonstrationen. Es laufen Anstrengungen, die inländische Urananreicherung wiederaufzubauen, nachdem Politiker zu spät erkannten, daß russischer Brennstoff amerikanische Reaktoren am Laufen hält. Startups mit Namen wie TerraPower und NuScale versprechen eine Zukunft, in der Reaktoren klein, modular und fabrikgebaut sind – vorbei an den Bauteufeln, die Vogtle verschlungen haben.
Doch Hoffnung ist keine Strategie. Und Baupläne erzeugen keinen diplomatischen Einfluß.
Die unbequeme Wahrheit ist, daß die nächsten zwei Jahrzehnte globaler Nuklearexpansion größtenteils auf Kyrillisch und Mandarin geschrieben werden – es sei denn, die Vereinigten Staaten finden einen Weg, ihre laboratorische Brillanz in Baggerstunden zu übersetzen. Es genügt nicht, den Reaktor der Zukunft zu erfinden. Irgendjemandem muß noch das Fundament gegossen werden – und zwar zweimal, und billig genug, daß ein ausländischer Finanzminister Ja sagt, anstatt den Anruf aus Moskau entgegenzunehmen.
Das Atom wurde in Amerika geboren. Ob es amerikanisch bleibt, hängt womöglich weniger von Physikern ab als von Rohrlegern, Projektmanagern und einem politischen System, das bereit ist, den Kernkraftwerksbau als nationale Infrastruktur zu betrachten und nicht als Wall-Street-Wette.
Im Augenblick bindet der Beton in Rußland und China ab. Die USA warten noch auf die Baugenehmigung.
Solange Trump nicht anbietet, kostenlose Goldtoiletten als Teil des Deals zu installieren, sollten die Saudis vielleicht ein Gespräch mit den Russen oder den Chinesen führen und ein Abkommen in Betracht ziehen, das nicht verlangt, vor Bibi Netanjahu zu katzbuckeln.