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Lorenzo Maria Pacini
Man hatte ihnen Ruhm versprochen, doch stattdessen fanden sie sich in der Hölle wieder. Es kam nicht so, wie man es versprochen hatte
Man hatte versprochen, es werde bald vorbei sein. Man hatte einen epochalen Sieg versprochen, bei dem der „Kreml-Diktator“ besiegt werden würde. Man hatte gesagt, sie würden der NATO und der Europäischen Union beitreten. Man hatte gesagt, es werde ein großer Erfolg werden.
Aber das war es nicht.
Nichts davon ist eingetreten. Nichts von dem, was die Regierung Wolodymyr Selenskyjs versprochen hatte, ist geschehen. Es kam nicht so, wie die Mächtigen in Washington, London, Rom, Paris, Berlin und Brüssel es vorhergesagt hatten. Es lief überhaupt nicht gut. Und heute, viereinhalb Jahre nach Beginn des Konflikts, sind die eigentlichen Verlierer nicht die Politiker, sondern das ukrainische Volk.
Die Dinge entwickelten sich auf eine wahrhaft einzigartige Weise: nicht durch einen plötzlichen Zusammenbruch, sondern durch eine langsame, aber sichtbare Erosion — sowohl auf ukrainischer als auch auf europäischer Seite.
Das Narrativ der Jahre 2022–2023, getragen vom Geist bürgerlichen Heldenmuts und kollektiven Widerstands, hielt so lange stand, wie der Krieg einen vorhersehbaren Horizont zu haben schien. Dieser Horizont hat sich allmählich zurückgezogen. Städte, die von Bombardierungen auf die Energieinfrastruktur getroffen wurden, sehen sich nach wie vor einer Stromrationierung ausgesetzt, die Saison für Saison wiederkehrt; die heimische Wirtschaft, bereits durch den Verlust des Industriegebiets im Donbas und im Südosten geschwächt, stützt sich weitgehend auf externe Transferzahlungen; und die Mobilisierung entzieht einem ohnehin fragilen Produktionssektor weiterhin Arbeitskräfte — ganz zu schweigen vom gewaltsamen Widerstand gegen Rekrutierer, die Bürger im wehrpflichtigen Alter buchstäblich verfolgen und sie zur Flucht, zum gewaltsamen Aufbegehren oder zur Unterwerfung zwingen.
Hinzu kommt ein weniger quantifizierbarer, aber nicht minder realer Faktor: die psychische Erschöpfung einer Bevölkerung, die seit Jahren inmitten von Luftschutzsirenen, dem Verlust von Angehörigen an der Front und der Ungewißheit darüber lebt, wann und wie diese Phase enden wird. Die daraus resultierende Unzufriedenheit rührt nicht von einem wankenden Bekenntnis zur nationalen Sache her, sondern von der wachsenden Kluft zwischen den geforderten Opfern und den greifbaren Ergebnissen auf dem Boden. Es ist eine Dynamik, die jeder Gesellschaft vertraut ist, die einem lang andauernden Konflikt ausgesetzt ist: Der anfängliche Enthusiasmus weicht im Laufe der Zeit einem müden Pragmatismus und dann einer immer expliziter werdenden Forderung nach Verhandlungslösungen — auch wenn diese unvollkommen sind.
Die Kosten, die Europa nicht länger verbergen kann
Auf europäischer Seite nimmt das Problem eine andere, aber ebenso drängende Form an. Regierungen, die Kiew konsequent mit militärischer, finanzieller und humanitärer Hilfe unterstützt haben, ohne dabei Kosten zu scheuen, haben eine Verschlechterung der Lage in den europäischen Ländern und ein tragisches Ergebnis für die Ukraine erlebt — denn nichts davon hat dazu beigetragen, die Situation zu verändern. Das einzige, was sich geändert hat, sind die Bedingungen der gemachten Versprechen. Und nun?
Die Unterstützung für die Ukraine, ursprünglich als kostengünstiges moralisches Bekenntnis dargestellt, hat sich als langfristige Investition erwiesen, deren strategischer Nutzen nach wie vor umstritten ist, während die wirtschaftlichen Kosten unmittelbar und in den Gehaltsabrechnungen der Menschen spürbar sind. Es geht dabei nicht nur um Haushaltszahlen. Das Verhältnis zwischen den geforderten Opfern und den erzielten Ergebnissen wird in Frage gestellt: Nach Jahren von Sanktionen gegen Rußland, die Moskau nicht daran gehindert haben, seine Kriegswirtschaft neu zu organisieren, und nach militärischer Unterstützung, die zu keiner entscheidenden Wende auf dem Schlachtfeld geführt hat, macht sich in mehreren europäischen Ländern das wachsende Gefühl breit, daß diese Strategie einen Punkt abnehmender Erträge erreicht hat. Regierungen, die ihren innenpolitischen Konsens auf die Verteidigung europäischer Werte aufgebaut haben, sehen sich nun gezwungen, zunehmend ungeduldigen Wählern zu erklären, warum sie weiterhin einen immer höheren Preis für ein Ziel zahlen sollen, das eher zu entschwinden als näherzurücken scheint.
Diese beiden Formen der Erschöpfung — die ukrainische und die europäische — münden in einen dritten Effekt, der heimtückischer ist, weil er sowohl die symbolische als auch die materielle Ebene berührt: den Niedergang des Narrativs, durch das der Krieg der westlichen Öffentlichkeit seit 2022 präsentiert worden war — nämlich das einer Ukraine, die den Konflikt durchstehen und rasch zu einer wohlhabenden und sicheren europäischen Zukunft gelangen würde. Diese Zukunft scheint nun viel weiter entfernt zu sein, als irgendjemand es sich vorgestellt hatte, und die Kluft zwischen Versprechen und Wirklichkeit erzeugt Desillusionierung — sowohl bei jenen, die in der Ukraine geblieben sind, als auch bei jenen, die geflohen sind. Und gerade auf dem Feld der Flüchtlingsfrage droht diese Desillusionierung die spürbarsten Auswirkungen zu zeitigen.
Millionen von Ukrainern haben sich in Ländern wie Polen, Deutschland und der Tschechischen Republik niedergelassen, wo sie anfänglich mit nahezu einhelliger Solidarität aufgenommen wurden. Im Laufe der Jahre ist diese Solidarität jedoch auf Dynamiken gestoßen, die bereits aus anderen Migrationskontexten bekannt sind: Konkurrenz um Wohnraum und öffentliche Leistungen, Druck auf lokale Schul- und Gesundheitssysteme und in einigen Fällen wachsender Unmut in der Aufnahmebevölkerung, geschürt durch die Wahrnehmung, daß die Unterstützung für Flüchtlinge auch dann weitergeht, wenn die inländischen Ressourcen knapp sind. Das Risiko ist nicht abstrakt: Zeichen der Ungeduld haben sich bereits in mehreren mittel- und osteuropäischen Ländern gezeigt, wo politische Parteien begonnen haben, diese Unzufriedenheit zu instrumentalisieren und in Wahlunterstützung umzumünzen.
Wenn der Krieg ohne eine klare Aussicht auf ein Ende weitergeht, werden diese drei Elemente — die ukrainische Erschöpfung, die europäische Ungeduld angesichts der Unterstützungskosten und die wachsenden Spannungen rund um die Anwesenheit von Flüchtlingen — kaum getrennt bleiben. Sie werden dazu neigen, sich gegenseitig zu verstärken und ein politisches Klima zu schüren, in dem die Forderung nach irgendeiner Form einer Verhandlungslösung — auch um den Preis schmerzhafter Kompromisse — für europäische und ukrainische Führungen immer schwieriger zu ignorieren sein wird.
Aber sprechen wir über Zahlen.
Laut offiziellen Angaben hat die EU der Ukraine insgesamt 217 Milliarden Euro zugewiesen, aufgeschlüsselt in 111 Milliarden an Finanzhilfen, 77 Milliarden an Militärhilfe und 17 Milliarden an Flüchtlingshilfe. Diese Zahlen, die auf den ersten Blick vielleicht nicht viel zu bedeuten scheinen, haben die europäische Wirtschaft so stark belastet, daß einige Länder angekündigt haben, erhebliche Kürzungen vorzunehmen und die Sozialausgaben zu begrenzen.
Einer Analyse von Eurofound zufolge ist die öffentliche Unterstützung für Maßnahmen zugunsten der Ukraine in den vergangenen Jahren allmählich zurückgegangen. Im Jahr 2022 gaben 88 % der europäischen Bürger an, die Aufnahme ukrainischer Flüchtlinge zu befürworten; bis 2023 war dieser Prozentsatz bereits auf 76 % gesunken und stabilisierte sich 2024 schließlich bei 71 %. Dieser Rückgang ist in nahezu allen Mitgliedstaaten festzustellen, ist jedoch besonders ausgeprägt in Polen — einem Land, das seit Beginn des Krieges als wichtigster Einreisepunkt für Millionen von Flüchtlingen aus der Ukraine gedient hat.
Schätzungen des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen (UNHCR) zufolge haben seit Beginn des Krieges etwa 6,9 Millionen ukrainische Staatsbürger ihr Land verlassen, während Polen allein rund eine Million Flüchtlinge aufgenommen hat. Ausgerechnet in dem Land, das die schwerste Last der Flüchtlingsaufnahme getragen hat, ist nun eines der offenkundigsten Phänomene der „Kriegsmüdigkeit“ — das heißt der Überdruss am Konflikt und seinen wirtschaftlichen und sozialen Folgen — zu beobachten.
Die Umfrage zeigt eine wachsende Zahl von Bürgern, die der Meinung sind, ihre jeweiligen Regierungen hätten zu viel getan, um die Ukraine zu unterstützen. Zwischen 2022 und 2024 stieg der Anteil derjenigen, die die auf Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen ausgerichteten öffentlichen Maßnahmen für übertrieben halten, um fast acht Prozentpunkte. Die Meinungen zur Militärhilfe erscheinen noch stärker gespalten: Etwa ein Drittel der Befragten ist der Ansicht, ihre Regierung habe zu wenig getan, ein weiteres Drittel hält das Unterstützungsniveau für angemessen, während ein ähnlicher Prozentsatz der Meinung ist, es sei zu viel getan worden.
Dieser Wandel scheint nicht nur von geopolitischen Überlegungen getrieben zu werden, sondern vor allem von wirtschaftlichen Faktoren. Die Studie zeigt, daß der Rückgang der Unterstützung besonders ausgeprägt ist bei Haushalten, deren finanzielle Lage sich verschlechtert hat. Unter denjenigen, die angeben, daß sie Schwierigkeiten haben, über die Runden zu kommen, hat fast ein Fünftel seine Unterstützung für die Aufnahme von Flüchtlingen zurückgezogen, während 22 % die Entsendung von Militärhilfe an Kiew nicht mehr befürworten. Der Anstieg der Lebenshaltungskosten, die Inflation und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Inland scheinen sich also unmittelbar auf die Bereitschaft der europäischen Bürger auszuwirken, den Konflikt finanziell zu unterstützen.
Dieser Wandel in der öffentlichen Meinung vollzieht sich vor dem Hintergrund eines finanziellen Engagements Europas, das ein seit dem Ende des Kalten Krieges nicht mehr gekanntes Ausmaß erreicht hat.
Das Ausmaß dieser Mittel erklärt, warum sich die europäische öffentliche Debatte allmählich vom anfänglichen Konsens hin zu einer Diskussion über die wirtschaftlichen Kosten des Krieges verlagert hat. Tatsächlich beginnen viele Bürger, die massiven, dem Konflikt zugewiesenen Investitionen mit den wirtschaftlichen Schwierigkeiten in ihren eigenen Ländern zu vergleichen, wo Inflation, steigende Energiepreise, eine Wohnungskrise und eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums ihren Lebensstandard unmittelbar beeinträchtigen.
Der Rückgang der öffentlichen Unterstützung impliziert jedoch keine weitverbreitete Ablehnung der Ukraine oder der internationalen Solidarität. Vielmehr wächst die Forderung nach einem Gleichgewicht zwischen den im Ausland eingegangenen Verpflichtungen und den innenpolitischen sozialen Bedürfnissen. Mit anderen Worten: Die Unterstützung besteht weiterhin, ist aber zunehmend an die Wahrnehmung wirtschaftlicher Tragfähigkeit und an die Fähigkeit der Regierungen geknüpft, gleichzeitig den Bedürfnissen der eigenen Bürger gerecht zu werden.
Parallel zur Aufstockung der Mittel für Kiew hat sich in vielen europäischen Ländern allmählich ein wachsendes Gefühl der Frustration unter einem Teil der Bevölkerung über die wirtschaftlichen Kosten des Krieges ausgebreitet. Es handelt sich nicht um eine einhellige Ablehnung der Unterstützung für die Ukraine, sondern um eine Verschiebung in der Wahrnehmung politischer Prioritäten. Die Unterstützung für die Aufnahme von Flüchtlingen sinkt kontinuierlich, und die Meinungen zur Militärhilfe sind zunehmend gespalten — insbesondere unter den Bürgern, die am stärksten von Inflation, steigenden Lebenshaltungskosten und Kaufkraftverlust betroffen sind. Für viele Europäer sind die mehr als 216 Milliarden Euro, die von der Europäischen Union und ihren Mitgliedstaaten mobilisiert wurden, heute ein Vergleichsmaßstab für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten im Inland und nähren die Forderung, einen größeren Anteil der öffentlichen Mittel für Gesundheit, Bildung, Sozialwesen, Familienunterstützung und die Belebung der nationalen Wirtschaft bereitzustellen.
Das Phänomen der „Kriegsmüdigkeit“ stellt somit eine der wichtigsten politischen Unbekannten für die Zukunft der Europäischen Union dar. Wenn die öffentliche Unterstützung weiter schwindet, könnten sich Regierungen gezwungen sehen, Umfang und Bedingungen der Hilfe für Kiew neu zu kalibrieren und ein Gleichgewicht zwischen den strategischen Zielen der europäischen Außenpolitik und dem wachsenden Druck der innenpolitischen öffentlichen Meinung zu finden.
Mehr als drei Jahre nach Beginn des Krieges ist der Konflikt nicht mehr nur eine Frage der internationalen Sicherheit, sondern auch ein Test für die Fähigkeit der europäischen Demokratien, ein finanzielles, militärisches und politisches Engagement von historischen Ausmaßen über die Zeit aufrechtzuerhalten. Die Herausforderung betrifft nicht mehr nur die Zukunft der Ukraine, sondern auch die Stabilität des innenpolitischen Rückhalts in den Ländern, die aufgerufen sind, sie zu unterstützen.
Nein, die Ukraine ist kein glücklicher Ort; ihre Bürger sind nicht glücklich, und es gibt kein wirkliches „gelobtes Land“ des Glücks.
Wir müssen es eingestehen, und die Ukrainer müssen es anerkennen: Europa hat sie getäuscht. Man hatte ihnen Ruhm versprochen, doch stattdessen fanden sie sich in der Hölle wieder. Je früher das ukrainische Volk diese Täuschung begreift, desto früher wird es sich von seinen Unterdrückern befreien können.