Neue Aufnahmen zum 7. Oktober werfen schwere Fragen auf: Warum musste die Kamera ausgeschaltet werden?

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Neue Videoaufnahmen aus den ersten Stunden des Hamas-Angriffs auf Israel am 7. Oktober 2023 sorgen für neue Fragen über die damaligen Entscheidungen der israelischen Führung. Das Material zeigt hochrangige Regierungsvertreter bei der Koordinierung des Kriseneinsatzes und enthält Anweisungen, die nach Ansicht von Kritikern nicht mit der offiziellen Darstellung der Ereignisse übereinstimmen. Zugleich rückt erneut die umstrittene sogenannte Hannibal-Richtlinie in den Mittelpunkt der Debatte.

Was auf den Aufnahmen zu sehen ist

Auf den inzwischen veröffentlichten Bildern ist ein hochrangiger israelischer Beamter zu hören, der während der chaotischen ersten Stunden des Angriffs auf Hebräisch Anweisungen erteilt. Nach Darstellung der Quelle lautet der Befehl, alles zu vernichten – einschließlich der eigenen Geiseln, die sich noch auf feindlichem Gebiet befinden.

Während dieses Gesprächs mit dem damaligen israelischen Polizeichef Kobi Shabtai betritt Sicherheitsminister Itamar Ben Gvir den Raum und fordert unmittelbar, die Kamera auszuschalten.

Gerade dieser Moment sorgt für neue Spekulationen. Kritiker fragen, weshalb mitten in einer nationalen Krisensituation ausgerechnet die laufende Aufzeichnung beendet werden musste.

Die Hannibal-Richtlinie

Im Zentrum der Diskussion steht erneut die sogenannte Hannibal-Richtlinie – ein geheimer Einsatzbefehl der israelischen Streitkräfte (IDF), der Ende der 1980er-Jahre nach einer traumatischen Geiselnahme entwickelt wurde. Benannt wurde die Richtlinie nach dem karthagischen Feldherrn Hannibal, der der Überlieferung nach den Tod der Gefangenschaft vorzog.

Der Grundgedanke galt als kompromisslos: Sollte eine Entführung israelischer Soldaten oder Zivilisten unmittelbar bevorstehen oder bereits erfolgt sein, sollte deren Verschleppung um nahezu jeden Preis verhindert werden – selbst dann, wenn dadurch das Leben eigener Soldaten oder Geiseln gefährdet würde. Hintergrund war die Sorge, dass Entführungen später für Gefangenenaustausche und politischen Druck genutzt werden könnten.

Bereits 2003 kam die Richtlinie nach Angaben verschiedener Berichte bei der Entführung dreier israelischer Soldaten durch die Hisbollah zum Einsatz. Damals beschossen IDF-Kampfhubschrauber einen Fahrzeugkonvoi im Libanon, wobei auch die entführten Soldaten ums Leben kamen.

Die israelische Regierung erklärte später, die Hannibal-Richtlinie sei 2016 aus ethischen Gründen offiziell abgeschafft worden. Die nun veröffentlichten Aufnahmen werfen jedoch erneut die Frage auf, ob entsprechende Grundsätze am 7. Oktober dennoch angewendet wurden.

Die ausgebrannten Fahrzeuge

Seit dem 7. Oktober gehören die Bilder vollständig ausgebrannter Fahrzeuge nahe des Nova-Musikfestivals zu den bekanntesten Aufnahmen des Angriffs. Internationale Medien machten unmittelbar Hamas-Kämpfer für die Zerstörung verantwortlich.

Kritiker stellen diese Darstellung jedoch infrage. Sie verweisen darauf, dass die Angreifer überwiegend mit Motorrädern, Pick-ups, Kalaschnikows und leichten Raketenwerfern unterwegs gewesen seien. Solche Waffen könnten nach ihrer Einschätzung keine Motorblöcke schmelzen oder ganze Fahrzeugkolonnen vollständig ausbrennen lassen.

Als mögliche Erklärung werden stattdessen Luft-Boden-Raketen und Bordkanonen von Apache-Kampfhubschraubern genannt – Waffensysteme, über die die israelischen Streitkräfte verfügen.

Die nun veröffentlichten Videoaufnahmen werden von diesen Stimmen als weiteres Indiz gewertet, da der dokumentierte Befehl, „alles zu zerstören, einschließlich der entführten Soldaten“, aus ihrer Sicht zu den Schäden am Einsatzort passe.

Material fast ausschließlich auf Hebräisch

Auffällig ist zudem, dass ein Großteil der inzwischen bekannten Aufnahmen, internen Berichte und Zeugenaussagen ausschließlich auf Hebräisch vorliegt. Nach Angaben der Quelle wurden diese Inhalte weder systematisch ins Englische übersetzt noch international verbreitet.

Daraus leiten Kritiker den Vorwurf ab, dass die Darstellung der Ereignisse gegenüber der israelischen Öffentlichkeit und gegenüber westlichen Verbündeten unterschiedlich gewesen sein könnte. Ob diese Einschätzung zutrifft, ist bislang nicht unabhängig bestätigt.

Offene Fragen bleiben

Die neuen Aufnahmen werden die Diskussion über den 7. Oktober voraussichtlich weiter anheizen. Während Kritiker darin Hinweise auf eine Anwendung der Hannibal-Richtlinie sehen, steht eine unabhängige Untersuchung der gezeigten Szenen und ihrer vollständigen Einordnung weiterhin aus.

Unabhängig davon werfen die Videos neue Fragen auf: Warum wurde die Kamera in diesem entscheidenden Moment ausgeschaltet? Welche Befehle wurden tatsächlich erteilt? Und welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die politische und militärische Aufarbeitung der Ereignisse vom 7. Oktober?

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