Larry Johnson: Trump hat seine Moskau-Mission vor seinen eigenen Beratern geheim gehalten. Er verrät, was der Flug wirklich bedeutete

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CIA-Direktor John Ratcliffe flog am 25. August 2026 unangekündigt in einer C-17 nach Moskau. Offiziell soll er Russland vor einem Angriff auf NATO-Gebiet gewarnt haben. Im Interview mit Brandon Weichert auf dem Kanal von Mario Nawfal erklärt Ex-CIA-Analyst Larry Johnson, warum er dieser Lesart nicht glaubt – und was der Flug seiner Meinung nach wirklich bedeutet.

Das Gespräch ist kein nüchternes Lagebriefing. Johnson, Betreiber des Blogs Sonar21, verbindet Flugspuren, Militärlogik und Spekulation zu einer Gegenerzählung: Washington drohe nicht aus Stärke, sondern aus Schwäche. Europa sei ausgehöhlt. Die Ukraine stehe am Ende. Und ein möglicher Atomschlag gegen den Iran könne den europäischen Kriegsschauplatz mitreißen.

Der geheime Flug – und warum Trump eigene Berater nicht informiert haben soll

Am 25. August landete eine US-Luftwaffen-C-17A (Callsign REACH 4555) in Moskau-Wnukowo, nach Zwischenstopp in Riga. An Bord: CIA-Direktor John Ratcliffe. Es war der erste bekannte Besuch eines amtierenden CIA-Chefs in Russland seit William Burns im November 2021. Weder Weißes Haus noch CIA erläuterten den Zweck öffentlich. Der Kreml sprach später von Kontakten der Geheimdienste, nicht von einem Treffen mit Putin.

Das Wall Street Journal berichtete anschließend, Trump habe einige seiner engsten Berater über die Mission im Dunkeln gelassen. Ratcliffe sei persönlich vom Präsidenten geschickt worden, ohne dass jene Stellen mitreden durften, die normalerweise den Text einer solchen Botschaft mitformuliert hätten. Trump nannte den Besuch gegenüber Glenn Beck «semi-routine». Das ist er nicht. CIA-Direktoren fliegen nicht alle paar Monate nach Moskau.

Die offizielle Linie, die später durchsickerte: Ratcliffe habe Russland gewarnt, NATO-Gebiet nicht anzugreifen, und zugleich Druck gemacht, die Unterstützung für den Iran zu kappen. US-Geheimdienste sollen zuvor eingeschätzt haben, Russland könne in den kommenden Jahren einen begrenzten Vorstoß gegen ein Bündnismitglied wagen – «escalate to de-escalate». Washington soll Kiew zudem gebeten haben, in diesen Tagen keine Langstreckenangriffe auf Moskau und St. Petersburg zu fliegen.

Johnson hält die Warnung für Theater. Zwei Tage später, so der Moderator, sei Maria Sacharowa vor die Presse getreten: Wenn Großbritannien mit Storm-Shadow-Angriffen weitermache, werde Russland außerhalb der Ukraine zurückschlagen. Die Drohung gilt also nicht «Europa überhaupt», sondern konkreten westlichen Waffenlieferungen und deren Ursprungsländern.

Warum eine C-17 – und nicht der CIA-Gulfstream?

Hier liegt Johnsons spektakulärste These. Der CIA-Direktor verfüge über eine Gulfstream V mit mehr als genug Reichweite für die Strecke Andrews–Moskau. Es gebe auch Kommandoflugzeuge auf Basis von 737 und 757. Warum also eine C-17?

Die konventionelle Erklärung ist nüchtern: Die C-17 kann ein roll-on SCIF bzw. eine «Roll-On Conference Capsule» mitführen, Fahrzeuge, Sicherheitspersonal und elektronische Ausrüstung. Für eine sensible Mission in russischem Luftraum ist das plausibel.

Johnson und ein britischer Gesprächspartner («Commodore Jeremy») halten das für eine schlechte Coverstory. Die C-17 sei gewählt worden, weil Särge hineinpassen. Russland habe getötete CIA-Paramilitärs übergeben, Ratcliffe sie abgeholt. Wäre das wahr, wäre es ein enormer Skandal. Es gibt dafür keine unabhängige Bestätigung. Weder US-Medien noch russische Behörden haben Leichenrückführungen gemeldet. Die These erklärt die Wahl des Flugzeugs nicht besser als die dokumentierte SCIF-Ausstattung. Sie bleibt Spekulation.

Johnson zieht daraus trotzdem eine strategische Folgerung: Wenn Dutzende CIA-Leute tot wären und Moskau trotzdem nicht «postal» gegen NATO-Europa gehe, dann wolle Russland keinen Krieg mit der NATO. Das Argument steht und fällt mit der unbewiesenen Prämisse.

Colby in Brüssel: Amerika beißt nicht auf die Russenangst

Weichert beginnt mit der Financial Times: Elbridge Colby, Unterstaatssekretär für Verteidigungspolitik, habe Europäer wegen eines «sea of red» militärischer Lücken gerügt und «mehr vom Vereinigten Königreich» verlangt. Colby war in derselben Woche in Brüssel, im Rahmen der US-Überprüfung der Truppenpräsenz in Europa. Washington will, dass Europa die konventionelle Verteidigung selbst führt. Das ist keine Bestätigung einer bevorstehenden russischen Invasion, sondern Druck auf Verbündete, Lücken zu schließen, während die USA Kräfte für andere Schauplätze freihalten wollen.

Für Johnson ist das der entscheidende Punkt: Die amerikanische Führung kaufe das europäische Alarm-Narrativ nicht. Eine Ratcliffe-Warnung «rührt Russland nicht an» sei das diplomatische Äquivalent eines scharfen Briefs – weil Tomahawks, Patriot, M777 und Abrams-Bestände für eine echte Eskalation fehlen.

Ukraine: Endspiel westlich des Dnipro?

Johnson beschreibt die russische Mobilisierung als langsamen, aber bewussten Aufbau. Nach Vertragsabläufen im Sommer 2022 seien 300.000 Reservisten einberufen und nicht wie auf ukrainischer Seite «an die Front geschoben», sondern durch Grundausbildung, Spezialausbildung und Verbandstraining gelaufen. Die Streitkräfte seien von rund 750.000 auf etwa 1,5 Millionen gewachsen. Westliche Zahlen von 1,4 Millionen russischen Toten hält er für absurd: Solche Verluste wären weder zu verbergen noch mit laufenden Offensiven vereinbar. Er zitiert Mediazona-Auswertungen von Nachrufen und nennt grob 180.000 tote Russen – eine Zahl, die selbst unter Kriegsforschern umstritten und nicht unabhängig verifiziert ist.

Militärisch sieht er die Festungsstädte im Donbass als Frage der Zeit. Die nächste Linie westlich des Dnipro sei geländemäßig schlechter als Donezk. Saporischschja biete weniger defensive Tiefe. Gleichzeitig berichtet er von Truppenkonzentrationen nördlich von Tschernihiw in Belarus. Ein Wochenendtreffen Lukaschenkos mit Putin deutet er als Abstimmung über einen möglichen zweiten Frontabschnitt. Belarussische Truppen blieben eher in Reserve gegen eine NATO-Reaktion; russische Kräfte in Belarus würden auf Kiew zielen.

Hier widerspricht er einem anderen Stammgast derselben Szene, Andrei Martyanov: Der halte die Einnahme Kiews für eine administrative Katastrophe und rate zur Isolierung der Stadt. Johnson hält das Symbolgewicht für entscheidend – Kiew als Ursprung der russischen Kirche, über 1200 Jahre Geschichte. Zelenskyj und «Banderisten» sollten nach Lwiw, der einst polnischen Stadt, abgedrängt werden. Am Ende des Krieges kontrolliere Russland Kiew und Odessa. Den Hafen hält er militärisch für zwingend, nicht nur diplomatisch. Die Ukraine sei bereits «erdrosselt», der Weizenpreis gestiegen, der Westen ignoriere die russische Blockade im Schwarzen Meer.

Zur Dauer: Er gibt Prognosen auf, weil er zu oft falsch lag. Viktor Bout, den er 2023 getroffen haben will, glaube nicht, dass die Ukraine das Jahresende überstehe. Sobald Donezk und Saporischschja fallen, sei das Spiel vorbei – sofern Kiew dann noch einen Reststaat mit Schwarzmeerzugang gegen Armeebegrenzung und NATO-Rauswurf tauschen wolle. Putin würde einen Deal noch nehmen. Der Generalstab und Lawrow eher nicht. Lawrow sei kein Brandstifter; wenn ausgerechnet er sage, die Zeit für einen Deal sei vorbei, sei das «atemberaubend».

Warum der Krieg so lange dauert

Johnson wiederholt die Standarderklärung der Attrition-Schule: Das Ziel sei von Anfang an die Entmilitarisierung der Ukraine gewesen, nicht der Blitzkrieg. 125.000 Angreifer gegen rund 400.000 Verteidiger hätten 2022 das Gegenteil des Lehrbuchs bedeutet. Istanbul 2022 sei der Punkt gewesen, an dem Kiew den Donbass behalten, aber internationale Garantien für Russischsprachige und die Kirche akzeptiert hätte – bis Johnson, Biden und Austin interveniert hätten. Danach Plan B: Mariupol, Luhansk, Donezk, Aufbau der Armee, 2023 Bachmut, 2024 Kursk und Pokrowsk, 2025/26 parallele Angriffe in Sumy, Charkiw, Donezk, Dnipro, Saporischschja und Cherson.

Die Langsamkeit erklärt er mit der Erinnerung an den Großen Vaterländischen Krieg. Putin sei Kind jener Generation; sein Bruder sei in der Blockade Leningrads verhungert. Bei einem Essen in Russland hätten alle anwesenden Russen Angehörige im Krieg verloren, er und Richter Napolitano nicht. Die USA hätten im Zweiten Weltkrieg vergleichsweise wenige Gefallene. Deshalb keine Menschenwellen, kein westlicher Zeitplan.

Dass der Westen 2022/23 unentwegt «Raketenknappheit», «Wirtschaftskollaps» und «Putin ist tot» erzählte, führt Johnson auf eine fundamentale Fehleinschätzung zurück: Russland sei das einzige Land, das man einzäunen könne und das trotzdem Energie, Nahrung und Industrie habe. Avril Haines und die gesamte Community hätten das Märchen von der schwachen russischen Wirtschaft geglaubt.

Europa als Papiertiger – und der Pazifik

Eine russische Invasion Westeuropas hält Johnson für unwahrscheinlich. Europa sei ausgehöhlt: Friedrich Merz rede grob, habe aber «keinen Mülleimer» – VW-Werke zu, BMW drosselt, Energie teuer, Diesel knapp. Ein Informant zahle umgerechnet neun Dollar pro Gallone. Russland wolle keine Besatzung unter «blau-rosa-grünem Haar». Sergei Karaganow habe sich vom Europhilen zum Ost-Strategen gewandelt: «Go east.» Putin rehabilitiere Alexander III., den Erbauer der Transsibirischen Eisenbahn.

Putins Besuch beim Pazifikflotten-Hauptquartier deutet Weichert als Signal: Ukraine fast fertig, dann der Pazifik. Johnson relativiert: Russland habe elf Zeitzonen, enorme Ressourcen, kleine Bevölkerung. Die Anweisung, französische, britische und italienische Schiffe im Pazifik zu stellen, sei kein kosmetischer Befehl – Europa weiche dem Seegebiet aber bereits aus. Die Eskalation in der Ukraine selbst datiert er an einem Schulangriff, nach dem «die Handschuhe ausgezogen» worden seien: Tag-und-Nacht-Bombardement westlich des Dnipro, leere Regale, 15-Stunden-Zugverspätungen, Staus zwischen den Kiewer Ufern «wie Kansas City».

Die gefährlichste Passage: eine US-Atombombe auf den Iran

Den Schluss beherrscht nicht die Ukraine, sondern der Iran. Weichert, Marjorie Taylor Greene und Joe Kent hörten aus Trumps Umfeld seit Monaten vom möglichen Einsatz einer B61-13 gegen unterirdische Anlagen («Pickaxe»). Johnson nimmt das ernst. Überschreitet Trump die Nuklearschwelle, fürchte er weniger Teherans Antwort als die von Russland und China. Dann würden die Aegis-Ashore-Systeme in Polen und Rumänien – bisher ignoriert, aber nuklearfähig – mit Iskander oder taktischer Nuklearwaffe ausgeschaltet. Pakistan, Südkorea, China zögen ihre Linien.

Trump verstehe kognitiv nicht, dass Iran und der europäische Kriegsschauplatz verbunden seien. Elbridge Colby und J. D. Vance verstünden es, Pete Hegseth sei «a caveman in a suit», General Dan Caine ebenfalls alarmiert. Es könne eine Krise im US-Militär geben: Befehlsverweigerung, dann Entlassungen, bis jemand den Befehl ausführt.

General Randy Manner (ehemals Defense Threat Reduction Agency) habe Weichert zweimal gesagt: Unter dem Vorwand, «woke Generäle» zu entfernen, seien genau jene Flaggoffiziere gefeuert worden, die einem rechtswidrigen Nuklearbefehl widersprochen hätten. Johnson schließt das «nuclear genie» nicht aus. Beide Moderatoren sagen, sie hätten Trump gewählt und fühlten sich betrogen. Junge MAGA-Leute blieben Fernsehereignissen von TPUSA fern; Israel sei ein zentraler Grund.

Was bleibt, wenn man den Nebel abzieht

Dokumentiert ist: Ratcliffe war in Moskau. Der Flug war geheim, sichtbar und politisch heikel. Teile des Weißen Hauses sollen nicht vorab informiert gewesen sein. Die US-Botschaft laut späteren Leaks: NATO-Warnung plus Iran. Colby drängt Europa gleichzeitig, selbst zu rüsten.

Nicht dokumentiert ist: die Übergabe toter CIA-Offiziere, ein unmittelbar bevorstehender russischer Angriff auf Großbritannien oder NATO-Kernland, der zwingende Fall Kiews in Monaten, und ein bereits beschlossener US-Atomschlag gegen den Iran.

Johnson liest aus alledem ein einheitliches Bild: Der Westen hat sich militärisch und industriell verausgabt, Russland führt einen Zermürbungskrieg nach eigenem Tempo, Europa ist kein ernstzunehmender Gegner, und die gefährlichste Eskalation droht nicht an der NATO-Ostflanke, sondern wenn Washington im Iran die Nuklearschwelle überschreitet. Ob man ihm folgt, hängt weniger von der C-17 ab als davon, welche dieser Ketten man für belegt hält – und welche für das, was sie sind: eine zugespitzte Lesart eines unangekündigten Flugs.

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