„Schicksalhafte Konfrontation“: Khamenei richtet Irans Militär auf maximale Abschreckung und offensive Operationen aus

Beitrag teilen

Irans neue Führung stellt ihre Streitkräfte auf eine mögliche weitere große Konfrontation ein. Der Oberste Führer Ayatollah Mojtaba Khamenei hat der neu formierten militärischen Führung eine Reihe von Prioritäten vorgegeben, die von umfassender Verteidigungsbereitschaft über maximale Abschreckung bis ausdrücklich zur Bereitschaft für offensive Operationen reichen.

Besonders bemerkenswert ist die Sprache, mit der die Vorgaben in einer vom Medienbüro des Obersten Führers verbreiteten Grafik zusammengefasst werden: „Missionen für eine schicksalhafte Konfrontation mit der Arroganz“, wobei der Begriff dort als „globale Unterdrücker“ erläutert wird.

Die martialische Wortwahl fällt in eine Phase umfangreicher Umbesetzungen innerhalb der iranischen Macht- und Sicherheitsstrukturen. Khamenei ist seit März 2026 Oberster Führer der Islamischen Republik und hat zuletzt eine Reihe hochrangiger Positionen neu besetzt. Reuters berichtete erst am 9. August über ein Treffen Khameneis mit Präsident Masoud Pezeshkian, bei dem unter anderem militärische Fragen behandelt wurden.

Fünf Vorgaben für den Generalstab

Für die Führung des Generalstabs werden fünf zentrale Aufgaben genannt: Steigerung der militärischen Fähigkeiten, eine wirksame Reaktion auf Bedrohungen, umfassende und aktuelle Verteidigungs- und Sicherheitsbereitschaft sowie eine engere Integration des Generalstabs mit dem Khatam-al-Anbiya-Hauptquartier. Hinzu kommt die Forderung, auf jede Bedrohungsstufe rechtzeitig und wirksam reagieren zu können.

Gerade die stärkere Verzahnung der militärischen Kommandostrukturen ist bemerkenswert. Das Khatam-al-Anbiya-Zentralkommando spielt eine wichtige Rolle bei der Koordinierung der iranischen Streitkräfte. Dessen Kommandeur Ali Abdollahi hatte Anfang Juli die USA und Israel ausdrücklich vor neuen Angriffen gewarnt und eine harte Reaktion auf weitere Angriffe angekündigt. (Reuters)

Bereits im Mai hatte Reuters unter Berufung auf die iranische Nachrichtenagentur Fars berichtet, dass Mojtaba Khamenei die Militärführung über neue Leitlinien informiert habe.

IRGC soll auch für offensive Operationen bereit sein

Noch deutlicher fallen die Vorgaben an die Revolutionsgarden aus. An erster Stelle steht die „maximale Abschreckung“. Gleichzeitig verlangt die Führung ausdrücklich „Bereitschaft für offensive Operationen“.

Hinzu kommen die kontinuierliche Erweiterung der Fähigkeiten sowie ideologische und organisatorische Vorgaben. Frömmigkeit, Einsicht und revolutionärer Geist innerhalb der Revolutionsgarden sollen gestärkt und die Führungsebenen mit Personen ausgebaut werden, die neben ideologischer Verankerung auch wissenschaftliche Kenntnisse und moderne Fähigkeiten besitzen.

Damit handelt es sich nicht um eine ausschließlich defensive Ausrichtung. Die Direktiven kombinieren Verteidigungsbereitschaft und Abschreckung ausdrücklich mit offensiver Einsatzbereitschaft.

Umbau der iranischen Machtstruktur

Die Vorgaben stehen zudem nicht isoliert. Reuters berichtete bereits im März, dass die Revolutionsgarden nach dem Führungswechsel erheblich an Einfluss gewonnen hätten. Nach Angaben mehrerer iranischer Quellen spielte das IRGC eine entscheidende Rolle bei der Durchsetzung Mojtaba Khameneis als Nachfolger seines Vaters.

Auch aktuell wird die Sicherheitsführung weiter umgebaut. Am 10. August wurde der frühere IRGC-Kommandeur Mohsen Rezaei zum Sekretär des Obersten Nationalen Sicherheitsrates ernannt. Khamenei bestimmte ihn zugleich zu seinem Vertreter in diesem zentralen Sicherheitsgremium. Reuters beschreibt Rezaei als langjährigen Hardliner und engen Verbündeten des Obersten Führers.

Die Entwicklungen erfolgen vor dem Hintergrund des seit Monaten andauernden Konflikts mit den USA und Israel und gleichzeitig laufender diplomatischer Bemühungen. Zuletzt gab es Fortschritte bei Gesprächen über eine Regelung für die Straße von Hormus und eine mögliche Deeskalation.

Vorbereitung auf die nächste Eskalationsstufe?

Aus den Direktiven allein lässt sich nicht ableiten, dass Teheran unmittelbar einen neuen Angriff plant. Dafür liefern die veröffentlichten Vorgaben keinen Beleg.

Die politische und militärische Botschaft ist dennoch deutlich: Die iranische Führung will nach den schweren Auseinandersetzungen der vergangenen Monate ihre Kommandostrukturen festigen, Fähigkeiten ausbauen und für weitere Bedrohungen vorbereitet sein. Dass dabei neben „maximaler Abschreckung“ ausdrücklich die Bereitschaft zu offensiven Operationen verlangt und das Ganze als Vorbereitung auf eine „schicksalhafte Konfrontation“ präsentiert wird, geht deutlich über die Sprache gewöhnlicher militärischer Routine hinaus.

Teheran bereitet seine Streitkräfte damit nicht nur auf Verteidigung vor. Es stellt sie auf eine mögliche nächste große Konfrontation ein – und hält dabei ausdrücklich auch offensive Optionen offen.

Quellen:

Leader Appoints Six High-Ranking Commanders in Iran’s Armed Forces

Iran’s Pezeshkian recently met Supreme Leader Khamenei, state media says

Beitrag teilen

Neue Beiträge und
Informationen direkt
per E-Mail erhalten.