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Der Deal, den keiner erklären kann

Der Deal, den keiner erklären kann

Ein Meinungsbeitrag von Günther Burbach.

War da nicht gerade noch Frieden?

Noch vor wenigen Tagen wurde der Öffentlichkeit ein diplomatischer Durchbruch präsentiert. Aus Washington kamen große Worte. Man habe die Lage entschärft. Die Schifffahrtswege sollten gesichert werden. Die Region stehe vor

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Ein Meinungsbeitrag von Günther Burbach.

War da nicht gerade noch Frieden?

Noch vor wenigen Tagen wurde der Öffentlichkeit ein diplomatischer Durchbruch präsentiert. Aus Washington kamen große Worte. Man habe die Lage entschärft. Die Schifffahrtswege sollten gesichert werden. Die Region stehe vor einer neuen Phase der Stabilität. Die Botschaft war eindeutig: Die Vereinigten Staaten hätten einmal mehr bewiesen, dass sie die Dinge im Nahen Osten ordnen können.

Heute weiß offenbar niemand mehr so genau, was eigentlich gilt.

Israel bombardiert erneut Ziele im Libanon. Iran droht wieder mit der Straße von Hormus. Die Ölpreise reagieren nervös. Die Börsen springen bei jeder neuen Meldung nach oben oder unten. Aus Washington kommen beschwichtigende Erklärungen, aus Teheran scharfe Warnungen, aus Jerusalem Sicherheitsargumente. Jeder erklärt, warum sein Handeln notwendig sei. Aber je länger man die Nachrichten verfolgt, desto einfacher wird eine Frage:
Haben wir jetzt Frieden oder nicht?

Wenn die Antwort selbst wenige Tage nach dem angeblichen Durchbruch niemand mehr klar beantworten kann, dann ist möglicherweise genau das das eigentliche Problem.

Die Welt erlebt inzwischen eine seltsame Form der Geopolitik. Große Erfolge werden verkündet, während die Realität gleichzeitig in eine andere Richtung läuft. Man erklärt Konflikte für eingedämmt, während an anderer Stelle bereits die nächste Eskalation beginnt. Man spricht von Stabilität, während die Märkte jede Stunde das Gegenteil einpreisen.

Vielleicht liegt die größte Ironie dieser Tage darin, dass ausgerechnet der angebliche Friedensprozess vor allem eines sichtbar gemacht hat: die enorme Verwundbarkeit der globalen Ordnung.

Denn die eigentliche Machtfrage wird heute nicht in Washington, Jerusalem oder Teheran entschieden. Sie entscheidet sich an den Finanzmärkten.

Es reicht inzwischen eine einzige Meldung über Hormus, und Milliarden beginnen sich zu bewegen. Ein Satz aus Teheran. Eine militärische Aktion im Libanon. Eine Erklärung aus Washington.

Schon steigen oder fallen Ölpreise. Energieunternehmen reagieren. Fluggesellschaften geraten unter Druck. Unternehmen rechnen ihre Kosten neu durch. Händler schließen Positionen. Algorithmen durchsuchen Nachrichtenagenturen und treffen Kauf- oder Verkaufsentscheidungen in Sekundenbruchteilen.

Während die meisten Menschen schlafen, wechseln Milliarden den Besitzer. Die Bevölkerung bekommt die Folgen später zu spüren. An der Tankstelle. Bei der Heizkostenabrechnung. Beim Einkauf. Über steigende Transportkosten. Über neue Inflationssorgen. Der moderne Krieg reist nicht mehr nur in Panzern und Raketen um die Welt. Er reist in Preisen. Und genau deshalb sollte man sich nicht in militärischen Erfolgsmeldungen verlieren. Die wichtigere Frage lautet:
Was wurde eigentlich erreicht? Der Westen wollte Stabilität. Er diskutiert erneut über Hormus. Der Westen wollte Berechenbarkeit. Er erhält erneut extreme Schwankungen an den Energiemärkten. Der Westen wollte verhindern, dass Iran die Weltwirtschaft unter Druck setzen kann. Doch die halbe Welt diskutiert wieder darüber, ob Teheran genau dazu in der Lage ist.

Natürlich kann man argumentieren, dass Israel seine Sicherheitsinteressen verfolgt. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre und angesichts der Bedrohung durch die Hisbollah wäre es politisch kaum vorstellbar, dass eine israelische Regierung erklärt, man werde trotz wahrgenommener Gefahren einfach abwarten. Aus israelischer Sicht geht es um Abschreckung und die Verhinderung neuer Angriffe. Ebenso nachvollziehbar ist allerdings, dass Iran die jüngsten Entwicklungen völlig anders darstellt. In Teheran sieht man sich seit Jahren militärisch, wirtschaftlich und politisch unter Druck gesetzt und verweist regelmäßig auf das Recht, auf Entwicklungen in der Region zu reagieren.

Beide Seiten können ihre Sichtweise erklären. Aber keine dieser Erklärungen beantwortet die entscheidende Frage: Warum steht die Welt wenige Tage nach einem angeblichen diplomatischen Durchbruch schon wieder vor derselben Unsicherheit wie zuvor?

Vielleicht deshalb, weil die eigentliche Macht des Iran niemals ausschließlich in Raketen, Drohnen oder Stellvertretergruppen lag. Die eigentliche Macht liegt in der Geografie. Die Straße von Hormus bleibt eine der empfindlichsten Stellen der Weltwirtschaft. Ein erheblicher Teil des weltweiten Ölhandels passiert diese schmale Meerenge. Deshalb reagiert die Welt bereits auf die Möglichkeit einer Störung.

Und genau hier wird es unerquicklich. Denn wenn nach Krieg, Sanktionen und monatelanger Eskalation erneut dieselbe Diskussion geführt wird, dann muss die Frage erlaubt sein, ob die Ausgangslage des Westens tatsächlich besser geworden ist.

Man muss dafür weder Anhänger der iranischen Führung noch Gegner der amerikanischen Außenpolitik sein. Man muss lediglich feststellen:

Die Nervosität ist zurück.
Die Unsicherheit ist zurück.
Die Abhängigkeit ist zurück.

Und die Welt reagiert wieder genauso empfindlich wie vor den großen Ankündigungen. Das sollte zu denken geben. Denn moderne Politik neigt immer stärker dazu, Erfolg über Kommunikation zu definieren. Pressekonferenzen werden zu historischen Momenten erklärt. Verhandlungen werden als Durchbruch bezeichnet. Erklärungen werden zu Siegen erhoben. Die Realität ist häufig komplizierter. Ein wirklicher Durchbruch würde bedeuten, dass die Welt nach der Vereinbarung weniger verwundbar ist.

Davon kann momentan keine Rede sein. Ein wirklicher Durchbruch würde bedeuten, dass die Energiemärkte ruhiger werden. Das Gegenteil ist der Fall. Ein wirklicher Durchbruch würde bedeuten, dass neue militärische Zwischenfälle nicht sofort die nächste globale Nervosität auslösen.

Genau das erleben wir aber erneut. Vielleicht ist deshalb nicht Iran der große Gewinner dieser Tage. Vielleicht ist auch nicht Israel der Gewinner. Und möglicherweise sind es erst recht nicht die Vereinigten Staaten. Der eigentliche Gewinner heißt Unsicherheit.

Sie hat wieder einmal bewiesen, wie wenig robust die globale Ordnung geworden ist. Sie hat gezeigt, dass die Weltwirtschaft nach wie vor an wenigen empfindlichen Punkten hängt. Und sie hat deutlich gemacht, dass politische Erfolgsmeldungen manchmal nur so lange funktionieren, bis die nächste Rakete startet, die nächste Drohung ausgesprochen wird oder die nächste Eilmeldung über die Bildschirme läuft.

Die vielleicht bitterste Erkenntnis lautet deshalb: Nach Monaten der Eskalation, nach Verhandlungen, Sanktionen, Drohungen und großen Worten ist die Welt nicht beruhigter als zuvor. Sie ist nervöser. Und solange wenige Ereignisse im Libanon ausreichen, um die halbe Welt wieder über Hormus, Ölpreise und Lieferketten diskutieren zu lassen, sollte man mit Siegesmeldungen vorsichtig sein.

Denn Frieden erkennt man nicht an Pressekonferenzen. Man erkennt ihn daran, dass die Welt nicht mehr bei jeder Meldung aus dem Nahen Osten die Luft anhält.

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Bildquelle: StreetOnCamara_Comeback / shutterstock

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Quellen:

Reuters
: US und Iran erreichen vorläufiges Abkommen, das die Wiederöffnung der Straße von Hormus sowie die Lockerung von Sanktionen und die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte vorsieht. 
https://www.reuters.com/world/asia-pacific/us-iran-reach-peace-deal-signing-set-friday-pakistan-says-2026-06-14/

Associated Press (AP): 
Iran kündigt erneut die Schließung der Straße von Hormus an und macht israelische Militäraktionen im Libanon sowie angebliche Verstöße gegen Vereinbarungen verantwortlich. 
https://apnews.com/article/6e23fb5f37e23427dbfc2bc80c59bda8

Reuters
: Die USA weisen Irans Behauptung zurück und erklären, der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus laufe weiter. 
https://www.reuters.com/world/middle-east/us-forces-monitoring-strait-hormuz-ensure-it-stays-open-2026-06-20/

Reuters: 
Entwürfe des Abkommens sehen die Freigabe eingefrorener iranischer Vermögenswerte und Ausnahmen bei Ölsanktionen vor.
 https://www.reuters.com/world/asia-pacific/iran-peace-deal-looms-while-new-military-action-flares-near-strait-hormuz-2026-06-13/

Reuters
: Das Abkommen lässt wesentliche Konfliktpunkte wie die Spannungen im Libanon, das iranische Raketenprogramm und langfristige Sicherheitsfragen weitgehend offen. 
https://www.reuters.com/world/middle-east/deal-calm-now-risks-ahead-2026-06-17/

The Guardian
: Neue israelische Luftangriffe im Libanon belasten die Waffenruhe und stellen die Belastbarkeit der jüngsten diplomatischen Vereinbarungen infrage.
 https://www.theguardian.com/world/2026/jun/20/israeli-strikes-southern-lebanon-reports-renewed-ceasefire

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