Anhörung zu MK-Ultra: Zeugen berichten über mutmaßliches geheimes CIA-Gefängnis in Deutschland

Share your love

Eine Anhörung des US-Kongresses zum CIA-Programm MK-Ultra hat in der vergangenen Woche für Aufsehen gesorgt. Mehrere Zeugen schilderten ihre Recherchen zu den geheimen Programmen der US-Geheimdienste. Besonders brisant war die Aussage des Journalisten und Autors Stephen Kinzer, der von einem ehemaligen mutmaßlichen CIA-Standort in Deutschland berichtete, an dem nach seinen Angaben amerikanische Geheimdienstmitarbeiter gemeinsam mit ehemaligen Nazi-Wissenschaftlern Experimente an Menschen durchgeführt haben sollen – und das nach den Nürnberger Prozessen, in denen derartige Praktiken als Verbrechen gegen die Menschlichkeit verurteilt worden waren.

Operation Paperclip und ehemalige Nazi-Wissenschaftler

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden im Rahmen der Operation Paperclip mehr als 1.600 deutsche Wissenschaftler in die Vereinigten Staaten gebracht. Zu ihnen gehörten unter anderem Kurt Blome, der während des NS-Regimes leitend an biologischen Waffenprogrammen beteiligt war, sowie Walter Schreiber, ehemaliger Generalarzt der Wehrmacht.

Während der Anhörung erklärte Stephen Kinzer, er habe den Keller eines Chalets in Deutschland besucht, dessen heutiger Eigentümer ihm mehrere ehemalige Zellen gezeigt habe. Nach Kinzers Darstellung handelte es sich dabei um einen früheren geheimen CIA-Standort. Dort sollen Mitarbeiter des MK-Ultra-Programms gemeinsam mit ehemaligen Nazi-Wissenschaftlern Experimente an menschlichen Versuchspersonen durchgeführt haben. Für diese Behauptung legte Kinzer in der Anhörung keine öffentlich überprüfbaren Belege vor.

Kongress hört CIA zu MKUltra: Experimente zur Gedankenkontrolle! Direkt zum Video:

MK-Naomi: Verbindung von Gedankenkontrolle und biologischen Waffen

Neben MK-Ultra thematisierte die Anhörung auch das weniger bekannte Programm MK-Naomi. Dabei handelte es sich um ein gemeinsames Projekt der CIA und der US-Armee.

Während MK-Ultra nach den vorliegenden historischen Dokumenten Methoden zur Verhaltens- und Bewusstseinsbeeinflussung untersuchte, soll sich MK-Naomi mit biologischen Kampfstoffen beschäftigt haben. Nach Aussagen der Zeugen fanden Teile dieser Arbeiten unter anderem in Fort Detrick statt. Gleichzeitig verwiesen sie darauf, dass ein erheblicher Teil der Programmunterlagen in den 1970er-Jahren vernichtet worden sei, wodurch viele Fragen bis heute ungeklärt blieben.

Wurde MK-Ultra tatsächlich beendet?

Ein weiterer Schwerpunkt der Anhörung war die Frage, ob MK-Ultra tatsächlich vollständig eingestellt wurde.

Tom O’Neill, Autor des Buches Chaos, erklärte vor dem Kongress, einige der im Rahmen des Programms entwickelten Methoden – insbesondere zur Manipulation oder Ersetzung von Erinnerungen – seien nach seiner Einschätzung erfolgreich gewesen. Er äußerte Zweifel daran, dass entsprechende Forschung einfach vollständig beendet worden sei.

Stephen Kinzer ergänzte, dass weniger das konkrete Programm als vielmehr die dahinterstehende Denkweise problematisch sei. Die Vorstellung, nationale Sicherheitsinteressen könnten unmoralisches oder rechtswidriges Handeln rechtfertigen, könne seiner Ansicht nach bis heute in Teilen staatlicher Institutionen fortbestehen.

Beide Zeugen betonten jedoch, dass ihnen keine Beweise dafür vorlägen, dass MK-Ultra heute noch existiert oder fortgeführt wird.

Forderung nach weiteren Offenlegungen

Die Anhörung, die unter anderem von der Kongressabgeordneten Anna Paulina Luna geleitet wurde, ist Teil einer umfassenderen Initiative des US-Kongresses zur Freigabe bislang geheimer CIA-Unterlagen.

Ob die CIA der Aufforderung nachkommt und weitere Archivbestände öffnet, bleibt derzeit offen. Die Anhörung machte jedoch deutlich, dass zahlreiche Fragen zu MK-Ultra, MK-Naomi und den Aktivitäten amerikanischer Geheimdienste während des Kalten Krieges nach Ansicht der beteiligten Zeugen bis heute nicht abschließend geklärt sind.

Beitrag teilen

Neue Beiträge und
Informationen direkt
per E-Mail erhalten.