Westliche Politiker sollten aufhorchen, wenn ausgerechnet Trenin vor einer russischen Eskalation warnt

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Von Andrew Korybko

Er ist keineswegs ein Falke und galt früher sogar als einer der bekanntesten westlich orientierten Experten Russlands. Erst die militärische Sonderoperation veranlasste ihn, sein Weltbild schrittweise zu überdenken.

Der Präsident des Russischen Rates für Internationale Angelegenheiten, Dmitri Trenin, veröffentlichte bei RT einen Beitrag über „Die gefährliche Logik der NATO 3.0“.

Seiner Einschätzung nach gilt:

„Die Europäer träumen davon, Russland als ernstzunehmenden geopolitischen Faktor in Eurasien auszuschalten. Für sie wäre dies die ‚Endlösung‘ der seit Langem gefürchteten ‚Russlandfrage‘. … Der grundlegende Denkfehler Europas besteht darin zu glauben, Russland würde eher Niederlage, Erniedrigung und Zerfall akzeptieren, als das Arsenal einzusetzen, über das es verfügt.“

Weiter schreibt er:

„Dieses Arsenal beschränkt sich nicht auf Atomwaffen, auch wenn der Zeitpunkt kommen könnte, an dem sie eingesetzt werden müssen. Der Kreml hat sich bisher außerordentlich zurückgehalten – sowohl beim Einsatz seiner stärkeren konventionellen Fähigkeiten als auch beim Angriff auf hochwertige und symbolträchtige Ziele. Für diese Zurückhaltung gibt es viele Erklärungen. Doch zu glauben, dass entweder die russische Führung oder das russische Volk jemals vor der NATO kapitulieren würden, ist töricht – ja geradezu verhängnisvoll.“

Trenin ist kein Falke wie der international bekannte Sergej Karaganow. Er gehört auch nicht zu jenen, die Putin vergangenen Monat deutlich zurechtwies, nachdem sie Russland zu Angriffen auf Europa aufgefordert hatten.

Vielmehr war Trenin lange Zeit einer der bekanntesten westlich orientierten Experten Russlands. Erst die militärische Sonderoperation führte dazu, dass er seine Sichtweise schrittweise änderte und zu einem scharfen Kritiker des Westens wurde.

Gerade deshalb sollten westliche Entscheidungsträger aufhorchen, wenn ausgerechnet Trenin vor einer russischen Eskalation warnt.

Was seine Warnung vor der Gefahr betrifft, die Europa inzwischen für Russland darstellt, so hatte Dmitri Medwedew bereits Anfang Mai darauf hingewiesen, als er vor der Wiederaufrüstung Deutschlands warnte. Deutschland war kurz zuvor zum wichtigsten militärischen Unterstützer der Ukraine nach den USA geworden.

Damals wurde bereits die Schlussfolgerung gezogen, dass Deutschland und die Europäische Union insgesamt von Russland bald als größere Bedrohung wahrgenommen werden könnten als die Vereinigten Staaten. Trenin bestätigt nun, dass dies aus Sicht vieler Russen inzwischen tatsächlich der Fall ist.

Mit seinen Worten:

„Während die NATO im Kalten Krieg aus russischer Sicht als ‚Amerika in Europa‘ erschien, sehen die Russen heute in der NATO Europa – unterstützt von Amerika.“

Angesichts der von Deutschland angeführten EU und ihrer konfrontativen Haltung gegenüber Russland, die durch das Konzept der „NATO 3.0“ zusätzlich gestärkt werde – einer NATO, die Russland eigenständig entgegentreten soll, während die USA im Hintergrund als „Rücksitzfahrer“ fungieren, wie Trenin es beschreibt –, überrascht es kaum, dass Russland sich auf eine mögliche Konfrontation mit der NATO um das Jahr 2030 vorbereitet.

Nur größere Zurückhaltung seitens der EU könnte dieses Szenario noch verhindern.

Der neue „Abnutzungskrieg“ der Ukraine gegen Russland, den Europa gemeinsam mit den USA durch die Unterstützung weitreichender Angriffe weiter anheize, könnte Russland langfristig erhebliche Verluste zufügen.

Dies könnte Moskau schließlich dazu veranlassen, seine neuen „systematischen Angriffe“ gegen die Ukraine auszuweiten – bis hin zum Einsatz taktischer Atomwaffen, um die anhaltenden Verluste zu stoppen.

Wie Trenin schreibt, werde Russland niemals vor der NATO kapitulieren. Und Putin werde sein Land nicht zum neuen „Christus der Nationen“ machen, indem er es trotz seiner bisherigen, nahezu christusgleichen Zurückhaltung durch tausend kleine Schnitte zugrunde gehen lasse.

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