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Daniel Saurenz: Ein verlorenes Jahr im Dax

Mitte Juni 2026 steht der Dax dort, wo er 2025 zur gleichen Jahreszeit stand. Andere Regionen erleben derweil die beste Phase seit der Pandemie

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Mitte Juni 2026 steht der Dax dort, wo er 2025 zur gleichen Jahreszeit stand. Andere Regionen erleben derweil die beste Phase seit der Pandemie

Wer in den vergangenen zwölf Monaten an den Aktienmärkten echtes Geld verdienen wollte, musste um die heimischen Indizes einen weiten Bogen machen. Oder die passenden Zertifikate haben. Anlagezertifikate mit Seitwärtsrenditen waren ein gutes Investment für Deutschland, während der Dax im Gewand eines ETFs keine Rendite ablieferte. Vielmehr tat sich über die Zeit zur US-Tech-Börse Nasdaq ein regelrechter Graben auf. „Vor Monaten lag man noch pari und läuft zum Sommerstart 2026 der Nasdaq rund 5.000 Punkte hinterher“, sagt Lars Reichel von der Börse München. 

So feierten die US-Börsen seit Ende März ein beeindruckendes Comeback und vor allem neue Rekorde. „S&P 500 und der Nasdaq 100 legten im April den stärksten Monatsanstieg seit der Corona-Erholungsrallye 2020 hin“, rechnen die Experten vom Lynx-Broker vor. „Caterpillar, Goldman Sachs, Cisco oder SanDisk und Micron heißen die Gewinner der letzten zwölf Monate aus den amerikanischen Top-Indizes“. Zugleich sind die KI-Titel und Chip-Aktien auch die am meisten gehandelten bei Brokern und Börsen.

Die Wall Street verteilt also erneut Vorschusslorbeeren im großen Stil. Zwischen Preis und Wert einer Sache klafft an der Börse aber manchmal eine Lücke, die man nur sieht, wenn man das Kleingedruckte liest. Vor wenigen Wochen lagen die Erwartungen für das Gewinnwachstum der S&P-500-Firmen noch bei sportlichen 15 Prozent. Nachdem die Tech-Riesen nun ihre Bücher geöffnet haben, sprang diese Rate nach Angaben von Factset auf satte 27 Prozent – das wäre das stärkste Wachstum seit Ende 2021. 

Alphabet zieht die Gewinnseite

Die Hauptdarsteller der Rally sind schnell ausgemacht: „Alphabet, Amazon und Meta – diese drei Schwergewichte stemmten allein 70 Prozent des gesamten Gewinnzuwachses im Index“, so der Lynx-Broker. „Besonders Alphabet sorgte für Schnappatmung mit einer Gewinnüberraschung von über 90 Prozent“, so Franz-Georg Wenner von IndexRadar. Von dem Mega-Gewinn stammten stolze 38 Mrd. Dollar aus sogenannten „nicht realisierten Kursgewinnen“ – also: Buchwertberechnungen. 

Das Geld ist rechnerisch da, aber es ist nicht durch das Kerngeschäft – also den Verkauf von Anzeigen oder Cloud-Diensten – in die Kasse geflossen. Es ist ein wertvoller Schatz, dessen Wert morgen schon wieder schwanken kann. Auch Amazon profitierte mit 17 Mrd. Dollar von der Neubewertung seiner Anthropic-Anteile, während Meta einen steuerlichen Ertrag von 8 Mrd. Dollar einstrich.

Analysten feiern die Märkte – aber nicht den Dax

Interessanterweise lässt sich die Börse davon kaum beirren. Normalerweise verhält es sich mit Analystenschätzungen wie mit Neujahrsvorsätzen: Zu Beginn des Quartals ist man euphorisch, doch schon nach vier Wochen schraubt man die Erwartungen heimlich wieder nach unten. Im Schnitt sinken die Prognosen im ersten Monat eines Quartals um bis zu 1,9 Prozent. 

Nicht so im April 2026. Trotz Sorgen um Ölpreise und Inflation haben die Experten ihre Prognosen für das zweite Quartal um gut zwei Prozent nach oben korrigiert – der stärkste Anstieg seit dem Post-Corona-Boom. Angeführt wird diese Bewegung vom Energiesektor, der förmlich im Geld schwimmt. Dass die Schätzungen für das gesamte Jahr 2026 im April um mehr als drei Prozent gestiegen sind, ist ein massives Vertrauensvotum der Märkte. 

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