Newsletter Subscribe
Enter your email address below and subscribe to our newsletter
Enter your email address below and subscribe to our newsletter

Lange zahlten Bankkunden für ein Girokonto nichts. Nun stellt mit der ING auch eine große Direktbank ihr Angebot auf ein Abo-Modell um. Kunden zeigen sich verärgert
Kunden der ING müssen sich auf grundlegende Änderungen bei den Konten einstellen. Statt eines weitgehend einheitlichen Girokontos setzt die Direktbank künftig auf kostenpflichtige Abo-Pakete, die neben klassischen Bankdiensten auch Zusatzleistungen wie Versicherungen, Rabatte oder Unterhaltungsangebote enthalten. Die Bank will die Modelle unter den Namen „ING Go“, „ING More“, „ING Extra“ und „ING Max“ schrittweise an ihre rund 41 Millionen Kunden in verschiedenen Ländern ausrollen.
Bereits verfügbar sind die neuen Konten unter anderem in Belgien, Polen, Rumänien und seit Kurzem auch in den Niederlanden. Dort kosten die Pakete zwischen vier und 44,99 Euro pro Monat. In Belgien liegen die Preise zwischen 2,20 und 39,90 Euro. Zum Leistungsumfang gehören je nach Tarif auch Extras wie Streaming-Abonnements, der Zutritt zu Flughafenlounges oder Vergünstigungen beim Aktienhandel. Ein Vorbild dürften Neobanken wie Revolut oder N26 sein, die mit gebündelten Kontoabos schon länger am Markt sind.
Wann die neuen Kontomodelle nach Deutschland kommen, ist bislang offen. Auf Nachfrage von Capital erklärte ein ING-Sprecher lediglich, dass die „Ausgestaltung der Angebote von Markt zu Markt variieren“ könne. Berücksichtigt würden dabei die „jeweiligen lokalen Marktgegebenheiten.“ Konkrete Angaben zu einem möglichen Starttermin oder zu den Preisen machte die Bank nicht.
Erste Kunden in Deutschland zeigen sich aber bereits alarmiert. „Abo-Zwang? Auf Wiedersehen“, ärgert sich ein Nutzer in den Rezensionen zur ING-App im App Store. „Habe euch sehr gern genutzt und die App geliebt, aber ein weiteres Abo lasse ich mir nicht aufzwängen.“ Ein anderer hält von dem neue Kontomodell ebenfalls wenig: „Ich würde umgehend zu einer der vielen konkurrierenden, und weiterhin kostenlosen Banken wechseln.“
Der Bankenprofessor Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim sieht hinter dem Vorstoß vor allem einen Versuch der ING, Kunden enger an sich zu binden. Direktbanken hätten traditionell besonders wechselbereite und preissensible Kunden. „Es geht darum, aus der Kundenbeziehung mehr Geld zu machen und gleichzeitig die Bindung zu erhöhen“, sagt Burghof zu Capital. Ähnliche Kontopakete gebe es seit Jahren bei Sparkassen, Volksbanken und anderen Instituten. Die ING wolle sich nun von einer reinen Direktbank zu einer digitalen Hausbank weiterentwickeln.
Aus Verbrauchersicht sieht Burghof die Abo-Modelle allerdings kritisch. Viele Kunden dürften kaum beurteilen können, ob sich die enthaltenen Zusatzleistungen für sie tatsächlich lohnen. „Ich beschäftige mich beruflich mit Banken und könnte diese Angebote trotzdem kaum bewerten“, sagt Burghof. Gerade bei Versicherungen wüssten viele Verbraucher gar nicht, ob sie ähnliche Leistungen nicht längst über andere Verträge oder Kreditkarten abgedeckt hätten. Die Einfachheit und Transparenz, die Direktbanken einst groß gemacht habe, gehe dabei verloren.
Langfristig könnten die Abo-Modelle auch die vielerorts noch kostenlosen Girokonten unter Druck setzen, glaubt Burghof. Denn die günstigsten Tarife enthielten oft nur noch die wichtigsten Grundfunktionen. „Es kann gut sein, dass das Basismodell irgendwann so knapp bestückt wird, dass viele Kunden zu einem teureren Paket greifen müssen.“