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Ismet Koyun, Gründer des IT-Unternehmens Kobil, über den Umzug nach Deutschland mit 18 Jahren und Gedichte, die er im Handy speichert
Herr Koyun, wollten Sie immer schon Unternehmer werden?
ISMET KOYUN: Nein, Schriftsteller wollte ich werden. Ich schreibe immer noch Gedichte, wenn ich traurig oder emotional bin. Um die 2000 Stück habe ich auf dem Handy gespeichert.
Mit 18 kamen Sie aus der Türkei nach Deutschland. Warum?
Ich war damals überzeugter Sozialist, wollte die Revolution. Meine Freunde mussten deswegen ins Gefängnis. Ich bin zu meinem Onkel nach Deutschland, mit 20 Mark in der Tasche. In Worms habe ich ein Informatikstudium begonnen.
Und wie erging es Ihnen in einem fremden Land?
Wir Türken wurden wie zweitklassige Menschen behandelt. Das hat mich gestört. Ich wollte zeigen, dass ein Türke mehr tun kann als Döner verkaufen oder einen Gemüseladen betreiben. Ich wollte ein Techunternehmen aufbauen. Noch im Studium habe ich Kobil gegründet.
Was war Ihre Idee?
Zunächst habe ich Nachhilfekurse für Informatiker in der Türkei angeboten. Dann habe ich mich auf Deutschland konzentriert, Elektronik aus Taiwan importiert und die Computer hier zusammengebaut. Später kamen Eigenentwicklungen dazu, ein besonders resistentes Netzteil für den PC und ein mobiles Bezahlterminal namens Gastromax. Fast immer war ich der Erste am Markt mit meinen Produkten.
Das klingt, als ob alles glattlief?
Nein! Ich hatte immer wieder zu kämpfen. Um den Gastromax auf den Markt zu bringen, fehlten mir 300.000 Mark. Aber keine Bank wollte mir einen Kredit geben, es hieß: Wer braucht das? Heute gibt es das an jeder Ecke. Oder denken Sie an mein aktuelles Produkt, eine App, die schon in Istanbul und Worms von den Stadtverwaltungen eingesetzt wird: Anstatt dass der Digitalminister sich mit unserem Produkt beschäftigt, lässt er lieber SAP und Telekom die Bürger-App für den Bund bauen. So läuft es leider in Deutschland – frische Kräfte bekommen kaum eine Chance.
Trotzdem sind Sie mit Kobil zum Millionär geworden. Wann hatten Sie es geschafft?
Mit Mitte 30. Heute dürfte ich ein dreistelliges Millionenvermögen besitzen. Aber ganz ehrlich: Mir ging es wirklich nie ums Geld. Gier ist eine Krankheit, erst recht die Gier nach Geld. Wer viel Geld braucht, will damit seinen Minderwertigkeitskomplex beseitigen. Schauen Sie: Selbst ein Elon Musk ist unzufrieden.
Woran machen Sie das fest?
Er ist der reichste Mann der Welt, aber was kann er mit seinen 800 Milliarden schon machen? Gar nichts. Das gehört ihm nicht. Das gehört dem Schöpfer. Er hat das alles nur leihweise gekriegt. In 30 Jahren wird er nichts mehr davon haben. Er ist dann tot, mausetot.
Was machen Sie mit Ihrem Geld?
Ich habe es immer in meine Unternehmen investiert, nie Aktien oder Bitcoin gekauft. Ich wohne immer noch in dem Haus, das ich vor 30 Jahren gekauft habe.
Sie leisten sich gar keinen Luxus?
Doch, ich trage Maßanzüge und fahre Porsche und Bentley. Und eine Rolex habe ich mir auch gekauft. Gezählt habe ich mein Geld aber nie.