Kolumne: Die KI-Verlierer melden sich zurück

Lange fürchteten Anleger, Künstliche Intelligenz könnte das Geschäft klassischer Softwarekonzerne zerstören. Nun dreht sich die Geschichte: Aus den vermeintlichen Verlierern des KI-Booms könnten plötzlich Gewinner werden

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Lange fürchteten Anleger, Künstliche Intelligenz könnte das Geschäft klassischer Softwarekonzerne zerstören. Nun dreht sich die Geschichte: Aus den vermeintlichen Verlierern des KI-Booms könnten plötzlich Gewinner werden

Die jüngsten Quartalszahlen von Nvidia haben keinen Zweifel daran gelassen: Der Boom bei Künstlicher Intelligenz kommt nicht so schnell zu einem Ende. Der Halbleiterhersteller kündigte für sein kommendes Geschäftsjahr sogar ein weiteres Umsatzplus von 70 Prozent an.

Entsprechend groß war das Aufatmen an den Aktienbörsen. Anders als in den ersten Monaten des Jahres konnten diesmal auch Softwareaktien von der guten Stimmung profitieren. Die Zahlen von SAP, Salesforce, Adobe, Servicenow, Okta und anderen Unternehmen der Branche überraschten den Markt durchweg positiv.

Damit scheint vorerst auch die Sorge nachzulassen, dass KI klassische Software verdrängen könnte. Zu den Profiteuren dieser Erholung gehören auch IT-Dienstleister. Deutlich aufwärts ging es zum Beispiel bei GFT Technologies aus Stuttgart, nachdem das Unternehmen mit seinen Quartalszahlen überzeugte und neue Aufträge vermelden konnte. Auch bei Globant, Accenture und EPAM Systems blieben die befürchteten Rückschläge aus.

Vielmehr weisen die Unternehmen in ihren Berichten darauf hin, dass sie selbst zu den Gewinnern des KI-Booms gehören. Sie helfen ihren Unternehmenskunden dabei, Künstliche Intelligenz in ihre Geschäftsabläufe einzubauen. So wie heute kaum ein Unternehmen ohne Internetauftritt auskommt, dürfte KI künftig für viele Unternehmen zum Alltag gehören.

Der große Engpass sind alte Rechenzentren

Die Technologie ist gekommen, um zu bleiben, und dürfte nach und nach in nahezu allen Unternehmen eine wichtige Rolle spielen. Das wissen auch die Unternehmen. Viele versuchen deshalb, möglichst früh auf den Zug aufzuspringen, um gegenüber der Konkurrenz nicht ins Hintertreffen zu geraten oder sich selbst Vorteile zu verschaffen.

Als großer Engpass bei der Verbreitung von KI gilt die begrenzte Rechenleistung bestehender Rechenzentren. Deshalb fließen enorme Summen in den Bau zusätzlicher Anlagen. Das ist ein globales Phänomen, auch wenn die großen amerikanischen Internetkonzerne vorangehen. Unternehmen, die Technik und Material für Rechenzentren liefern, profitieren von dieser Entwicklung und haben derzeit volle Auftragsbücher. Das gilt für Zementhersteller ebenso wie für Kabel- und Serverhersteller.

Weniger sicher ist, welche Gewinne sich mit diesen riesigen Investitionen am Ende erzielen lassen. Der intensive Wettbewerb um die Spitzenplätze im KI-Rennen kommt zunächst den Kunden zugute. Auch chinesische Anbieter heizen den Preiswettbewerb bei KI-Modellen an. China hat Künstliche Intelligenz als zentrales Geschäftsfeld erkannt und will auf dem Weltmarkt eine wichtige Rolle spielen.

Die jüngst angekündigte Kapitalerhöhung beim chinesischen E-Commerce-Riesen Alibaba ist ein deutlicher Beleg dafür, dass chinesische Unternehmen mit ihren amerikanischen Konkurrenten auf Augenhöhe konkurrieren wollen. Zugleich spricht manches dafür, dass die hohen Gewinnerwartungen an die KI-Anbieter bereits in ihren Aktienkursen enthalten sind.

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