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Spusu: Österreicher wollen deutschen Mobilfunk erobern – im zweiten Anlauf

Der österreichische Mobilfunkanbieter Spusu expandiert nach Deutschland, mitten in einen gesättigten Markt. Ihn trotzdem zu erobern, sollen Kampfpreise leisten – und Bastian Schweinsteiger

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Der österreichische Mobilfunkanbieter Spusu expandiert nach Deutschland, mitten in einen gesättigten Markt. Ihn trotzdem zu erobern, sollen Kampfpreise leisten – und Bastian Schweinsteiger

Franz Pichler ist ein Mann großer Worte. „Deutschland war immer mein Traum“, sagt der Österreicher im Gespräch mit Capital. Er ist CEO des Mobilfunkanbieters Spusu. Die Bundesrepublik stand schon lange auf Pichlers Liste, nicht nur wegen der ähnlichen Kultur und der Sprache. „Ich habe von Anfang an gesagt: Deutschland wäre das optimale Land, wenn wir dort starten können, wäre ich glücklich.“ 

Am heutigen Dienstag dürfte Franz Pichler also glücklich sein: Spusu startet mit einem Angebot in Deutschland. Man wolle Bewegung in die Branche bringen, heißt es in einer Mitteilung. Es ist allerdings nicht Pichlers erster Versuch, in den deutschen Markt einzusteigen. Schon vor über zehn Jahren legte sich der Manager mit dem Netzbetreiber Telefónica an und zog bis vor den Europäischen Gerichtshof. Nun soll es endlich klappen. Doch ist das realistisch, angesichts der vielen Konkurrenten, die sich im Handynetz tummeln?

Seit dem Jahr 2015 bietet Spusu – kurz für „sprich und surf“ in Österreich Handytarife an. Inzwischen habe man dort über 700.000 Kunden, auch in Italien, Großbritannien und der Schweiz surfen und telefonieren Menschen mit Spusu. Durchsetzen konnte sich Spusu mit spottbilligen Tarifen: Zehn Gigabyte gibt es ab 7,90 Euro in Österreich, im „Spusu legendär“-Tarif sogar 100 Gigabyte für 9,90 Euro.

Der Mobilfunkmarkt in Deutschland ist gesättigt

Nach Deutschland sollte es eigentlich schon vor vielen Jahren gehen. Kurz nach der Gründung verhandelte Pichler mit der damals neu fusionierten Telefónica um den Marktzugang – ohne Erfolg. Weil Telefónica aber bei der Fusion Auflagen von der EU-Kommission aufgebrummt bekommen hatte, zog Pichler im Jahr 2017 vor den Europäischen Gerichtshof. Dort scheiterte die Klage zwar, nach einem Streitbeilegungsverfahren entschied aber die Bundesnetzagentur im Juli 2025, dass Telefónica der deutschen Spusu-Gesellschaft einen Marktzugang geben müsse.

Über zehn Jahre musste Franz Pichler also warten. Doch sein wahrer Kampf dürfte jetzt beginnen. Denn der Mobilfunkmarkt in Deutschland ist mehr als gesättigt. 1,3 SIM-Karten hat jeder Deutsche laut Bundesnetzagentur bereits jetzt im Schnitt, alle sind mit Handytarifen versorgt. Die Folge ist ein brutaler Wettbewerb zwischen über 50 Anbietern, die mit immer günstigeren Tarifen und Rabatten werben. Profitables Wirtschaften: schwierig. Der operative Gewinn von Telefónica Deutschland schrumpfte im vergangenen Jahr um acht Prozent, Vodafone verlor im ersten Quartal 2026 rund 90.000 Kunden.

Mit dem Markteintritt von Spusu startet jetzt der nächste Wettbewerber. Den billigsten Tarif gibt es schon für 4,90 Euro mit fünf Gigabyte inkludiertem Datenvolumen, der teuerste kostet 19,90 Euro und hat dafür 100 Gigabyte im Gepäck. Man setze auf dauerhafte Preisstabilität, heißt es in einer Mitteilung. Es gebe keine Mindestvertragslaufzeit, keine Anschlussgebühr oder andere versteckte Kosten.

„Wir dachten auch in Österreich, Italien, England und der Schweiz, dass der Markt gesättigt wäre“, sagt Pichler unbeeindruckt. Sein Rezept: Ein Serviceversprechen. Statt Chatbots oder Callcenter beschäftigt Spusu eigene Mitarbeiter für die Kundenhotline. Im Schnitt hebe man bei Anrufen nach 10 Sekunden ab, sagt Pichler. Um das mit einer zunehmenden Zahl deutscher Kunden aufrechtzuerhalten, arbeiten bereits jetzt sechs Mitarbeiter in der Zentrale in Wien nur für den deutschen Markt. Weitere sechs sitzen in einem Büro in Garching bei München – allerdings mit Platz, massiv aufzustocken. 

Eine Fußballlegende soll helfen

Das hat Pichler nämlich vor. In wenigen Jahren, so die Erwartung, habe man in Deutschland eine Millionen Kunden. Die soll auch Bastian Schweinsteiger mit einwerben – der Weltmeister von 2014 ist Markenbotschafter von Spusu. „Vor elf Jahren hat uns in Österreich auch noch niemand gekannt und heute haben wir hier 700.000 Kunden“, sagt Pichler. „Es hat seine Zeit gedauert, weil wir noch keine Erfahrung hatten. Aber in der Schweiz ging es schon deutlich schneller und in Deutschland werden wir schnell zu einer bekannten Marke werden.“

Was Pichler finanziell hilft: Spusu betreibt das sogenannte Mobilfunk-Core selbst. Dabei handelt es sich um eine Art zentrale Schaltzentrale des Netzes. Das Mobilfunk-Core prüft etwa die Berechtigungen der SIM-Karten, verbindet die Telefongespräche und speichert die Kundendaten.

Für Pichlers Deutschland-Traum ist das ein Trumpf: „Das ist ein Riesenvorteil, denn das Mobilfunk-Core ist komplett skaliert“, sagt Pichler. „Wir müssen keine Gebühren an einen anderen Hersteller zahlen.“ Man sei „wahnsinnig schnell im Aufbau“, beim Installieren und der Zusammenschaltung mit dem Netzbetreiber Vodafone – die neben der Telekom in Deutschland ebenfalls einen Mobilfunk-Core betreiben.

Viele Millionen habe er in die Deutschlandexpansion investiert, sagt Pichler. Damit sie sich rechnet, müssten 100.000 deutsche Kunden zu Spusu wechseln – je nachdem, wie hoch die Werbekosten werden. Es ist eine Wette, dass man im Preiskampf mit den vielen Konkurrenten mithalten kann – und dass genügend Deutsche immer noch Bastian Schweinsteiger folgen.

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