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Der Chef der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Rödl hält das Reformpaket von Schwarz-Rot für ein gutes Signal. Vor allem in einer Frage aber hat er Bedenken
Capital: Man beobachtet bei deutschen Mittelständlern und Familienunternehmen immer häufiger eine fast fatalistische Einstellung, was den Standort Deutschland angeht. Jetzt gibt es immerhin Reformvorschläge der Bundesregierung zur Rente, zur Gesundheit, zur Steuerpolitik. Sehen Sie da eine positive Entwicklung?
CHRISTIAN RÖDL: Ich bin sehr froh und erleichtert, dass die Bundesregierung es endlich schafft, unter dem hohen Druck sich zusammenzuraufen und gemeinsame Reformpakete zu verabschieden. Wenn wir diese Reformen im Detail analysieren, werden wir sehen, dass es für alle Seiten nicht weit genug geht. Aber ich halte das Signal für wichtig und ermutigend, dass die Regierung Handlungsfähigkeit beweist. Dass sie ins Machen kommt.
Und dieses Signal sehen Sie?
Ich hoffe jetzt, dass die verschiedenen Punkte in Gesetze gegossen werden. Der Eindruck, dass sich so viel aufstaut, dass alles verstopft und wir im Stillstand ersticken, löst sich zumindest teilweise auf. Aber die Bundesregierung muss das Tempo aufrechterhalten und darf sich jetzt nicht zurücklehnen.
Welcher Teil der Reformpläne ist ihnen besonders wichtig?
Das ist vor allem der Bürokratieabbau. Eine pragmatischere Herangehensweise an Verwaltungsentscheidungen und Gesetzgebung. Es gibt eine Statistik, wonach die deutschen Unternehmen in den letzten fünf Jahren über 300.000 Leute eingestellt haben, nur um die erhöhten Berichtsanforderungen zu erfüllen. Damit verdienen sie natürlich keinen Cent, sondern haben nur zusätzliche Kosten. Leute aus anderen Ländern schlagen die Hände über den Kopf zusammen, wenn sie nach Deutschland oder Europa kommen.
Können Sie ein Beispiel nennen?
Ja. Warum ist es in Deutschland ehrgeizigen Arbeitnehmern, die aufsteigen, etwas erreichen und Geld verdienen wollen, nicht erlaubt, so viel zu arbeiten wie sie wollen? Das verstehen viele Menschen überhaupt nicht. Da geht es nicht um Details des Arbeitszeitgesetzes, sondern um die Frage, warum wir überhaupt menschlichen Leistungswillen beschneiden. Das sind Punkte, mit denen wir uns abgefunden haben, die aber andere Leistungskulturen nicht verstehen.
Wie optimistisch sind Sie denn, dass der Bürokratieabbau tatsächlich umgesetzt wird? Wir reden ja schon seit Jahrzehnten darüber. Und es wird doch immer verkrusteter.
Ich muss zugeben, dass ich da nicht besonders optimistisch bin. Es soll jetzt beispielsweise eine Genehmigungsfiktion geben: Wenn ein Antrag nach vier Monaten nicht bearbeitet ist, soll er als genehmigt gelten. Wir haben allerdings die Beobachtung gemacht, dass am Ende solcher Fristen dann neue Dokumente angefordert werden und Nachfragen gestellt werden – um die Fristen zu verlängern. Hier müssen Bund und Länder darauf achten, dass die Ziele der Regelungen nicht torpediert werden. Auch der Stellenaufbau in der Verwaltung und der Anstieg der Staatsquote bereiten mir Sorgen.
Hören Sie in der neuen Folge von „Capital – der Wirtschaftspodcast“