Fitness-Tracker: Whoop-Gründer Will Ahmed: „Sieben Stunden Schlaf sind die Untergrenze“

Will Ahmed, Gründer des Fitness-Trackers Whoop, hält Schlaf für die wichtigste Währung des 21. Jahrhunderts. Ein Gespräch über Datenmythen, Elitesport und wie man Biologie zum Geschäftsmodell macht

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Will Ahmed, Gründer des Fitness-Trackers Whoop, hält Schlaf für die wichtigste Währung des 21. Jahrhunderts. Ein Gespräch über Datenmythen, Elitesport und wie man Biologie zum Geschäftsmodell macht

Wer Will Ahmed zum ersten Mal sieht, denkt nicht automatisch an Schlafmangel. Groß, wach, breitschultrig. Ahmed sieht aus wie jemand, der regelmäßig schläft, schwitzt und Fast Food nur als Begriff kennt. An seinem Handgelenk? Ein Whoop-Band – jenes schlanke, schwarze Wearable ohne Display, das er 2012 als Harvard-Student entwickelte. Mit 10 Mrd. Dollar wird sein Unternehmen heute bewertet. Erst im März 2026 schloss Whoop eine 575 Mio. Dollar umfassende Finanzierungsrunde ab. Ein Börsengang könnte folgen. 

Seit seiner Gründung liefert das Unternehmen, vielmehr die Nutzer seiner Fitness-Tracker, Unmengen von Gesundheitsdaten. So zeigt eine im April 2026 im Fachjournal „Sleep“ veröffentlichte Analyse von 3,7 Millionen Nächten, dass verlässliche Schlafmessungen mindestens 41 bis 65 Nächte erfordern. Und nicht etwa die bisher üblichen sieben bis 14. An dem Vormittag, an dem wir Ahmed treffen, leuchtet sein eigenes Whoop-Dashboard tiefrot. Kein gutes Zeichen.

Will Ahmed, wie viel Schlaf haben Sie vergangene Nacht bekommen?
WILL AHMED: Ich bin mit einem „Red-eye“-Flug aus den USA gekommen und vom Flughafen direkt ins Hotel gefahren. Dreieinhalb Stunden, mehr habe ich in den letzten 24 Stunden nicht geschlafen, mein Körper hat sich nur zu einem Viertel erholt. Meine Herausforderung ist es jetzt, diesen Tag voller Pressetermine zu absolvieren, während mein Körper eigentlich ständig auf Stand-by und Erholung schalten will.

Pure Ironie bei jemandem, der Schlaf als die wichtigste Leistungskennzahl bezeichnet, oder?
Absolut. Aber genau das ist der Punkt und unsere Botschaft: Resilienz bedeutet nicht, immer perfekt vorbereitet zu sein, und jede Minute des Tages zu kontrollieren. Es bedeutet vielmehr, bestmöglich mit den Bedingungen umzugehen, die man in seinem Leben vorfindet.

Wie groß ist der Druck, der auf Ihnen lastet, als Gesicht einer Marke, die Hochleistung und Selbstoptimierung verspricht?
Ich würde auf ausreichend Bewegung, Erholung, Schlaf und gesunde Ernährung achten, egal ob ich dieses Unternehmen führen würde oder nicht. Unter Druck stehe ich ohnehin, als Gründer und Lenker dieses Unternehmens mit 1000 Mitarbeitern, über 2,5 Millionen Mitgliedern und den Erwartungen an schnelles Wachstum. Da wache ich eigentlich jeden Tag mit neuen Herausforderungen auf.

Whoop hat seit 2012 reichlich Konkurrenz bekommen, zuletzt sorgte der Oura-Ring für Aufsehen und reichlich Umsatz. Beunruhigt Sie das?
Wenn ich an den Markt vor zehn Jahren denke, gab es damals eher mehr Konkurrenten als heute. Nike, Adidas, Under Armour, Amazon, Intel, Samsung, Jawbone – keines dieser Unternehmen hat noch wirklich aktiv Wearables auf dem Markt. Im Unterschied dazu haben wir uns nie von Trends ablenken lassen und eine klar definierte Zielgruppe bedient. Menschen, die verlässliche Messdaten wollen und keine Smartwatch, die zufällig auch den Puls misst. Deshalb arbeiten wir auch seit 2015 mit Athleten wie LeBron James und Cristiano Ronaldo zusammen – nicht als Werbefläche, sondern als Datenquelle.

Ich trage Apple Watch und Whoop-Band parallel und bekomme Schlafdaten, die um bis zu drei Stunden voneinander abweichen. Wem soll ich vertrauen?
Zur Genauigkeit anderer Gadgets kann ich nichts sagen. Nur so viel: Wir orientieren uns am Goldstandard der Schlafmedizin: einer Messung im Schlaflabor mit Elektroden an Kopf, Brust und Beinen.

Welche Erkenntnisse haben selbst Sie überrascht?
Während Covid hatten wir einen großen Datensatz von Mitgliedern, die die Infektion über Whoop frühzeitig erkannt hatten. Wir entdeckten, dass eine erhöhte Atemfrequenz ein früher Indikator für eine Infektion ist: Bei Erkrankten stieg sie im Schlaf um 20, 30, manchmal 40 Prozent. Das wusste niemand, bevor wir dazu eine Studie veröffentlichten.

Und was hat Whoop über Schwangerschaften herausgefunden?
Die Herzratenvariabilität – also wie gleichmäßig das Herz schlägt, ein Marker für Erholung und Stress – sinkt über den Verlauf einer Schwangerschaft kontinuierlich. Aber sieben Wochen vor der Geburt macht sie einen Knick nach oben. Kommt diese Aufwärtskurve zwei Wochen früher als erwartet, deutet das auf eine entsprechend frühere Geburt hin.

Zurück zum Schlaf, dem neuen Lieblingskind der Wellnessbranche. Mit welchen Mythen möchten Sie aufräumen?
Wir alle haben die Bedeutung der Schlafkonstanz unterschätzt – zur selben Zeit ins Bett gehen und aufstehen, jeden Tag. Das schafft eine verlässliche innere Uhr, die Erholung und Schlafqualität verbessert. Schlafkonstanz kann wichtiger sein als die reine Stundenzahl. Um das verlässlich zu messen, sind jedoch sechs bis zehn Wochen und nicht bloß zwei nötig, wie wir wissenschaftlich valide zeigen konnten.

Ihre dreieinhalb Stunden sind also eindeutig zu wenig.
Definitiv, vor allem auf Dauer.

Was haben Sie durch das Tracking über sich gelernt, das Sie lieber nicht gewusst hätten?
Was die meisten nicht wissen wollen: Alkohol ist schlecht – besonders für Schlaf und Erholung. Das ist nichts Neues, aber wenn man es in den eigenen Kurven sieht, ist es eine andere Wahrheit. Meine subtilere Entdeckung: Für mich ist spätes Essen fast genauso schädlich. Ich muss früh zu Abend essen.

Whoop entwickelt sich zunehmend Richtung Medizin – KI-Coaching, Blutwerte, Videosprechstunden mit Ärzten direkt in der App. Wie weit wollen Sie in dieses Territorium vordringen?
Wir forschen aktiv an einer Reihe medizinischer Zulassungen. Was unsere Mitglieder wissen können: Wir werden die Erfahrung kontinuierlich weiterentwickeln.

Die neuen Blutwerte-Dienste in Zusammenarbeit mit dem US-Laborkonzern Quest Diagnostics fühlen sich nach Monetarisierung an.
Rund 70 Prozent unserer Mitglieder hatten Interesse an Bluttests über Whoop signalisiert. Das ist keine Push-Strategie, das ist nachfragegetriebene Produktentwicklung.

In Deutschland bekomme ich Blut auf Kassenrezept abgenommen. Sprechen Sie damit primär den amerikanischen Markt an?
In den USA haben viele Menschen keinen festen Hausarzt. Für diese Menschen ist Whoop ein Werkzeug, das ihnen Informationen liefert, die sie anderweitig nicht bekämen. Das größere Bild gilt aber überall: Wenn man Aktivität, Schlaf und Blutwerte unter einem Dach zusammenführt, entsteht ein Bild der eigenen Gesundheit, das kein einzelner Arzttermin liefern kann. Whoop berechnet aus all diesen Daten das sogenannte „Whoop Age“, das biologische Alter.

Und die Blaulichtblocker-Brille, die Whoop auch vertreibt – was kostet die?
Ich glaube 150 Dollar.

Verraten Sie die Marge?
(lacht) Die diskutieren wir ein anderes Mal.

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