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Kolumne: Umstrittener Iran-Deal: Hat der Niedergang Trumps begonnen?

Der sich abzeichnende Friedens-Deal zwischen Washington und Teheran gleicht einer Demütigung Donald Trumps. Die große Frage ist: Hat der US-Präsident damit seinen Zenit überschritten?

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Der sich abzeichnende Friedens-Deal zwischen Washington und Teheran gleicht einer Demütigung Donald Trumps. Die große Frage ist: Hat der US-Präsident damit seinen Zenit überschritten?

Mit Vorhersagen sollte man es bei Donald Trump immer ganz, ganz vorsichtig halten – sowohl, wenn es darum geht, was er wohl als nächstes anstellen könnte, als auch in der Frage, ob und wie lange seine Anhänger noch zu ihm halten. Wie oft schon wurde gesagt: Davon erholt er sich nicht mehr! Und dann erholte er sich doch. Trumps Skandale und teils katastrophale Fehleinschätzungen sind zahlreich – aber es gereichte ihm nie wirklich zum Nachteil. Im Gegenteil: Er schaffte es immer wieder, sich selbst als Opfer zu stilisieren, dem von Gegnern und Medien übel mitgespielt werde. Anschließend stand er stets stärker da als zuvor.

Insofern gebietet schon die praktische Klugheit, das (vorläufige) Ende des Irankriegs mit aller Vorsicht zu beurteilen. Doch selbst unter dieser Bedingung fällt es schwer, die „Absichtserklärung“ zwischen Iran und den USA nicht als krachende Niederlage für den US-Präsidenten zu werten: Die Einstellung aller Kampfhandlungen ist sicher ein Gewinn für alle Seiten, ebenso die Öffnung der Straße von Hormus und die Aussicht auf eine Normalisierung der Öl- und Gasexporte aus der Region. Die anderen Punkte der Vereinbarung gleichen aber einer Demütigung der USA: Alle Sanktionen gegen Iran werden aufgehoben, die eingefrorenen iranischen Vermögen im Ausland aufgetaut. Dem Regime in Teheran werden sogar ausländische Investitionen in Höhe von bis zu 300 Mrd. Dollar in Aussicht gestellt – die verbliebenen Mullahs werden ihr Glück kaum fassen können.  

Im Kern bedeutet das Abkommen: Nach einem Krieg, der an die 100 Mrd. Dollar und Tausende Iraner sowie 13 amerikanische Soldaten das Leben gekostet hat, und der die gesamte Weltwirtschaft in eine veritable Krise stürzte, holen die USA ein Terrorregime zurück an den Verhandlungstisch, das man doch eigentlich hatte absetzen wollen. Und zur Begrüßung kommen eventuell noch ein paar hundert Milliarden obendrauf. 

Natürlich verkauft Donald Trump seinen Leuten zu Hause diesen Ausgang als glorreichen Sieg – doch selbst dort ist die Skepsis groß. Republikanische Senatoren sprechen vom „schlimmsten außenpolitischen Fehler seit Jahrzehnten“. Und auch viele normale Trump-Anhänger im Land fragen sich inzwischen, was sie von diesem großspurigen Präsidenten eigentlich zu erwarten haben: Statt massenweise neue Jobs hat er ihnen vor allem einen dramatischen Anstieg der Benzinpreise beschert – und ein absurdes Wettrüsten der Tech-Konzerne, das auch viele Middleclass-Amerikaner inzwischen beunruhigt und um ihre Jobs fürchten lässt. 

Fünf Monate vor den Midterms hat sich unsere Reporterin Katharina Kort im Städtchen Allentown im US-Bundesstaat Pennsylvania umgesehen und mit vielen Menschen dort gesprochen. Pennsylvania ist ein klassischer Swing State, der mal republikanisch und mal demokratisch wählt – die Wahlen dort gehen immer knapp aus. Aber schon einige Tage vor Trumps vermeintlichem Sieg am Persischen Golf fragte die Mehrheit der einstigen Trump-Anhänger dort, was die US-Soldaten eigentlich fern der Heimat zu suchen hätten. Kort spürte eine tiefe Unzufriedenheit, nicht nur mit der Lage des Landes, sondern mit der Politik des Präsidenten. Ihre ganze Geschichte lesen Sie ab morgen im Heft – oder jetzt schon online

Absurderweise wird ein großer Profiteur dieses schmutzigen Kriegsendes Europa sein. So wie Europa stärker als die USA unter der plötzlichen Öl- und Gaskrise gelitten hat, so wird es nun auch stark von der Öffnung der Öl- und Gaslieferwege profitieren. Der Ölpreis ist, entgegen allen Warnungen bis zuletzt, in dieser Woche schon dramatisch gefallen, das Barrel Rohöl kostet je nach Sorte noch zwischen 75 und 78 Dollar, das sind „nur“ noch etwa 20 Prozent mehr als unmittelbar vor Kriegsausbruch. Klingt immer noch viel, entspricht aber einem Niveau, das der Ölpreis in den letzten drei Jahren ziemlich oft hatte – und öfter lag der Preis sogar noch höher, ganz ohne blockierte Meerenge. Mein Kollege Nils Kreimeier hat die Lage am Ölmarkt im Licht der aktuellen Ereignisse analysiert und wagt eine mutige Prognose

Die Welt ist nicht stabiler geworden

Es ist zu noch zu früh, über Trumps Zenit oder gar den seiner MAGA-Bewegung zu orakeln. Die, die Donald Trump gewählt haben, sind nicht geläutert und denken plötzlich anders, nur weil sie merken, dass sich ihr Präsident – anders als versprochen – immer wieder in halsbrecherische Abenteuer stürzt. Sie werden sich eher nach anderen Figuren umsehen, die ihre Weltsicht aufgreifen. 

Derweil weiten sich gleichwohl die Risse in Trumps Machtfundament. Dafür stand in dieser Woche der neue Fed-Chef Kevin Warsh, der die erste Zinsentscheidung der Federal Reserve unter seiner Führung begründen musste. Die Fed ließ den Leitzins unverändert, ganz anders als Trump sich dies gewünscht hatte – und Warsh erdreistete sich sogar, die Eindämmung der Inflation zum Kernziel seiner Arbeit zu erklären. Mein Kollege Stefan Schaaf, der die Arbeit von Notenbankern seit vielen Jahren verfolgt, fragt sich: Stehen die USA unter Warsh sogar vor einer Rückkehr zum Monetarismus? Also zu einer Politik, in der die Zentralbank die Geldmenge berechenbar steuert und der Staat sich aus deren Belangen heraushält. Es wäre so ziemlich das Gegenteil dessen, was Trump sich mit Warsh erhofft hatte. Ähnlich dürfte es all den Techunternehmern gehen, die sich gerade für das KI-Zeitalter bis zur Halskrause verschulden – und für die hohen Zinsen daher sehr bedrohlich werden könnten.

Wir sollten uns gleichwohl keinen Illusionen hingeben: Trumps Allmacht mag wanken, Öl und Gas mögen wieder fließen – doch die Welt wird kaum eine stabilere werden nach diesem Iran-Abenteuer. Dafür bleiben die Krisen- und Unruheherde zu zahlreich, genauso wie die potenziellen Störfaktoren. Wenn die vergangenen sechs Jahre eines gelehrt haben, dann dies: Die nächste große Krise kommt bestimmt. Und dass Trump aus seinen Fehlern lernt, darf man ebenso gewiss ausschließen. 

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