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Die Italiener kommen auf die Schiene: Bahn-Konkurrent Italo kann bald seine Züge in Deutschland rollen lassen. Und das ist gut so, denn auch die Deutsche Bahn könnte davon profitieren
Sie locken mit Annehmlichkeiten, die die Deutsche Bahn nicht bieten kann. Züge mit Ledersesseln, schnelles Internet (mithilfe von Elon Musks Starlink-Satelliten) und Tickets, die generell ein Fünftel günstiger sein sollen als die der Deutschen Bahn. So jedenfalls umwirbt Italo-CEO Gianbattista La Rocca die leidgeprüften deutschen Bahnfahrer, die in diesen Tagen einmal mehr das vom Ausfall des Funknetzes ausgelöste Chaos der Bahn ertragen mussten.
Für die Bahnkunden ist die beabsichtigte Entscheidung der Bundesnetzagentur daher eine gute Nachricht: Ab dem kommenden Jahr dürfen die Italiener mit ihren schicken Schnellzügen über das deutsche Schienennetz rollen. Offiziell wird die Entscheidung erst Mitte Juli verkündet, doch bereits heute erklärte die Netzagentur, in welche Richtung sie tendiert: (fast) freie Fahrt für Italo. Die DB muss Trassen abtreten – auch wenn diese überfüllt sind. So sieht es eine eine neue Wettbewerbsklausel vor. Danach muss die DB Infra Go, die Infrastrukturtocher der DB, 25 bis 40 Prozent an interessierte Wettbewerber abgeben, vorausgesetzt diese bieten Hochwertiges, also häufigere Taktung, Schnellzüge. Das trifft auf Italo zu. 30 Hochgeschwindigkeitszüge für 56 tägliche Zugverbindungen will der italienische Zugbetreiber ab dem Frühjahr 2028 in Deutschlands anbieten. Dafür investiert Italo 3,6 Mrd. Euro in Deutschland, kauft Züge bei Siemens und hat einen 30-jährigen Wartungsvertrag abgeschlossen. Versprochen sind außerdem mindestens 2500 neue Jobs. Ein willkommenes Investment für den schwächelnden Wirtschaftsstandort Deutschland.
Der Entscheidung, die die Bahn noch anfechten kann, war ein handfester Streit vorausgegangen. Die DB, die den Fernverkehr fast allein betreibt, bekämpfte die unerwünschte Konkurrenz mit teils falschen Vorwürfen, warnte etwa vor Chaos im Netz oder Ausdünnung des Bahnverkehrs in vielen Städten, weil ihre Gewinne im Wettbewerb geschmälert würden. Doch schon heute finanziert sie schwach befahrene Strecken über Subventionen (Ausgleichszahlungen) der Länder. DIe Netzagentur jedenfalls bewertet das Argument als vorgeschoben.
Die Bahn sollte einfach mal die Perspektive wechseln. Denn auch für sie eröffnet der Einstieg von Italo Chancen. Sie muss weniger Züge warten, kann Personal einsparen und sich darauf konzentrieren, die vorhandenen Züge fertig repariert, statt halb kaputt auf die Gleise zu schicken. Das Motto: Weniger ist mehr. Vielleicht bringt das ein bisschen Entlastung angesichts der Fülle der Aufgaben: verschlanken, neu organisieren und bauen. Denn richtig ist, Italo wird ICEs und ICs aus dem Netz verdrängen. Denn für mehr Züge ist dort im Moment kein Platz mehr, die Knoten sind überfüllt, das gesamte System am Limit. Deshalb will die Netzagentur Kapazitäten für den Fernverkehr-Wettbewerber festlegen. Allerdings muss sich Italo oder auch Flix jährlich neu bewerben. Ab 2031 dürfte es dann langjährige Verträge geben.
Für uns Fahrgäste wird es spannend: Wir können testen, ob Italo sein Versprechen einlöst, günstiger, schneller und komfortabler zu fahren als der Platzhirsch. In Italien hat es funktioniert. Dort sind Ticketpreise seit dem Einstieg Italos 2012 im Schnitt um 40 Prozent gesunken, die Nachfrage hat sich mehr als verdoppelt.
Ein Versprechen allerdings klingt größenwahnsinnig: Italo-CEO La Rocca glaubt an höhere Pünktlichkeit – und dass nicht nur mit Italo, sondern gleich für alle. Seine Logik: Echter Wettbewerb sporne alle an. „Sobald der beginnt, handeln alle Anbieter schneller und konsequenter, um in allen Bereichen die Besten zu werden“, sagt er. Schön wär’s.