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Der ehemalige CIA-Analyst Larry Johnson hat in einem ausführlichen Gespräch die jüngsten Entwicklungen im US-iranischen Konflikt analysiert. Dabei standen die laufenden amerikanischen Luft- und Raketenangriffe auf iranische Ziele im Mittelpunkt – einschließlich Berichten über einen erneuten Treffer auf die schwere Wasser-Reaktoranlage bei Kondab.
Johnson, der über Jahrzehnte als Analyst für die CIA tätig war, bewertet die aktuelle Eskalation als Fortsetzung eines Musters, das er bereits in den vergangenen Monaten beobachtet hat: US-Schläge am Freitag oder Samstag, gefolgt von diplomatischen Beruhigungsversuchen Trumps am Sonntag oder Montagmorgen.
Nach Johnsons Darstellung begannen die jüngsten amerikanischen Angriffe vor etwa zwei Stunden intensiv. Betroffen seien vor allem Ziele an der südlichen Küste Irans sowie in der Provinz Chuzestan. Genannt wurden unter anderem Bandar Abbas, Bandar Kangan, Minab, Bushehr, Ahvaz und weitere Orte.
Besonders hervorgehoben wurden Berichte über Explosionen bei der Kondab-Anlage (auch Iraq Heavy Water Reactor genannt). Diese Anlage war bereits 2025 und während des früheren Krieges getroffen worden und gilt als nicht mehr voll funktionsfähig. Johnson wertet einen erneuten Schlag als weitgehend symbolisch, aber als deutliche Botschaft.
Zusätzlich wurden Berichte über einen Treffer auf eine Raffinerie in Behbahan und daraus resultierende Stromausfälle in Teilen der Stadt genannt. Johnson betonte jedoch, dass die Stromausfälle bisher lokal begrenzt seien und nicht auf einen flächendeckenden Angriff auf die iranische Energieinfrastruktur hindeuten müssten.
Parallel dazu habe der Iran gezielt amerikanische und mit den USA verbundene militärische Einrichtungen in der Region angegriffen. Johnson nannte Treffer auf:
Der Iran habe dabei gezielt jene Systeme getroffen, die zuvor für Angriffe auf iranische Ziele genutzt worden seien – etwa das HIMARS-System in Kuwait. Johnson sieht darin eine klare iranische Strategie: Wer sein Territorium für Angriffe auf Iran zur Verfügung stellt, muss mit Konsequenzen rechnen.
Ein zentrales Thema des Gesprächs war die Straße von Hormus. Während US-Stellen (CENTCOM) und britische Maritime Trade Operations (UK MTO) behaupten, die Meerenge sei offen und der Schiffsverkehr laufe normal, zeigten Live-Tracking-Daten (VesselFinder, MarineTraffic) nach Johnsons Angaben ein völlig anderes Bild: Nur sehr wenige Schiffe – darunter mutmaßlich US-Aufklärungseinheiten – seien unterwegs.
Der Iran habe über die Persian Gulf Strait Authority (PGSA) klare Regeln für die Passage erlassen. Schiffe, die diese ignorierten, seien gewarnt und teilweise getroffen worden. Johnson bezeichnete die US- und britischen Aussagen zur offenen Meerenge als „objektiv falsch“ und als Teil einer anhaltenden Desinformationskampagne.
Johnson warnte vor den begrenzten Munitionsvorräten der USA. Tomahawk- und JASSM-Raketen seien knapp, und die industrielle Nachschubfähigkeit der USA sei durch Lieferkettenprobleme (u. a. seltene Erden) stark eingeschränkt. Ein längerer Konflikt würde die USA daher stärker treffen als den Iran.
Er beschrieb das aktuelle Vorgehen als „Prey and Spray“ – also weitgehend wahllose Angriffe auf vermutete Ziele, da die USA offenbar keine aktuellen, präzisen Zielbänke mehr hätten. Gleichzeitig betonte er, dass der Iran bisher zurückhaltend reagiert habe, aber bei weiterer Eskalation deutlich stärker zurückschlagen könne.
Johnson kritisierte, dass die US-Seite offenbar davon ausgehe, der Iran werde bei einem Stopp der amerikanischen Angriffe ebenfalls aufhören. Er hält es für wahrscheinlich, dass Teheran stattdessen weiter proaktiv amerikanische Ziele in der Region attackieren könnte – besonders wenn innenpolitisch Kräfte die Oberhand gewinnen, die eine härtere Linie fordern.
Ein vollständiger Krieg sei seiner Einschätzung nach derzeit nicht das Ziel der Trump-Administration. Die Gefahr liege jedoch in einer Fehlkalkulation beider Seiten.
Im Interview wurde auch der plötzliche Tod von US-Senator Lindsey Graham thematisiert. Johnson wies auf zeitliche Ungereimtheiten hin: Graham sei am Freitag in Kiew eingetroffen, habe Selenskyj getroffen und eine Drohnenfabrik besichtigt. Die Rückreise per Zug und Flugzeug lasse sich zeitlich nicht mit der offiziellen Todeszeit (8:30 Uhr Ortszeit) vereinbaren, wenn er den normalen Reiseweg genommen habe. Johnson schloss nicht aus, dass Graham bereits in der Ukraine gestorben sein könnte und die offizielle Darstellung (Herzinfarkt zu Hause) nicht der Realität entspreche.
Larry Johnson sieht die aktuelle Eskalation als gefährliches Spiel mit begrenzten Ressourcen auf US-Seite und hoher Entschlossenheit auf iranischer Seite. Die Straße von Hormus bleibe der entscheidende Hebel. Solange sie weitgehend geschlossen bleibe, entstehe massiver wirtschaftlicher Druck auf die USA und die Weltwirtschaft.
Ob die USA morgen früh mit einem diplomatischen Beruhigungsversuch Trumps reagieren (wie bereits mehrfach in den vergangenen Monaten), werde zeigen, ob es zu einer weiteren Runde der Eskalation komme oder ob eine vorübergehende Beruhigung eintritt.
Das Interview endete mit der Feststellung, dass die nächsten Stunden und Tage entscheidend dafür sein werden, ob der Konflikt weiter eskaliert oder ob beide Seiten vor einer vollständigen militärischen Auseinandersetzung zurückschrecken.