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Heinrich Müller gilt als einer der schlimmsten Nazi-Verbrecher des Dritten Reiches. Ab 1939 Leiter der Gestapo, war „Gestapo-Müller“ (so sein Spitzname, um ihn von Namensvettern unter den NS-Funktionären zu unterscheiden) unter anderem an der Wannsee-Konferenz im Januar 1942 sowie an der Planung und Ausführung des Völkermords an den sowjetischen Juden beteiligt.
Sein Schicksal beim Kriegsende 1945 ist ungewiss. Einerseits stellte im Dezember 1945 das damals in der sowjetischen Zone gelegene Standesamt Berlin-Mitte eine Sterbeurkunde für Müller aus, die später von den BRD-Behörden übernommen wurde.
Andererseits erließ das Amtsgericht in Berlin-Tiergarten im Januar 1961 einen Haftbefehl gegen „Gestapo-Müller“. Denn es kursierten Gerüchte, der NS-Verbrecher könnte sich in den Nahen Osten, nach Südamerika, Südafrika, Albanien oder gar in die Sowjetunion abgesetzt haben. Sicher dürfte nur sein: Heinrich Müller wurde zuletzt am 29. April 1945 im Bunker der Reichskanzlei lebend gesehen.
Am wahrscheinlichsten bleibt jedoch die These, dass Heinrich Müller seine letzte Ruhe in Berlin gefunden hat. Laut einem Bild-Bericht von 2013, der sich auf den damaligen Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, Johannes Tuchel beruft, soll er zunächst in einem Massengrab unweit des Reichsluftfahrtministeriums provisorisch bestattet worden sein.
Laut Archivakten sei Müllers Leichnam dann mit zahlreichen anderen Kriegsopfern auf den jüdischen Friedhof in der Großen Hamburger Straße verbracht worden. Man habe ihn bei der Exhumierung anhand seiner Uniform und seines Dienstausweises eindeutig identifiziert. Ähnlich schildert es auch ein Artikel der Jüdischen Allgemeinen aus dem gleichen Jahr.
Für die jüdische Gemeinde ist es ein schmerzlicher Umstand, dass ein Nazi-Verbrecher auf einem bedeutenden jüdischen Friedhof bestattet ist – auf dem Friedhof in Berlin-Mitte, den die Gestapo im Jahr 1943 brutal hatte verwüsten lassen.
Schon 2013 klagte der damalige Vorsitzende des Zentralrats der Juden, Dieter Graumann, gegenüber der Welt:
„Dass einer der brutalsten Nazi-Sadisten auf einem jüdischen Friedhof begraben ist, das ist eine geschmacklose Ungeheuerlichkeit.“
Die Bestattung Müllers auf dem jüdischen Friedhof in Berlin trete das Andenken der Holocaust-Opfer mit den Füßen.
Nun hakte ein Berliner SPD-Politiker nach. Alexander Freier-Winterwerb, sonst eher bekannt durch seine Umgestaltungsplane in Bezug auf die sowjetischen Ehrenmale (RT DE berichtete), hatte an den Berliner Senat eine schriftliche Anfrage gestellt. Er wollte vom Senat wissen, ob Gestapo-Chef Heinrich Müller tatsächlich auf dem Jüdischen Friedhof in der Großen Hamburger Straße liege.
Die Antwort des Senates liegt nun vor: Demnach lässt es sich nach derzeitigem Kenntnisstand nicht zweifelsfrei feststellen, ob Müllers sterbliche Überreste tatsächlich dort bestattet sind. Die Voraussetzungen für eine Exhumierung seien nicht gegeben, erklärte die Kulturverwaltung des Senats.
Gemäß der Aktenlage könne man lediglich feststellen, dass dort nach Kriegsende über 2000 Tote in 16 Sammelgräbern ihre letzte Ruhe gefunden hätten. Mehr als die Hälfte davon seien auch heute noch namentlich unbekannt. Für die Beantwortung der Anfrage hatte die Behörde Experten von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, dem Landesarchiv und der Jüdischen Gemeinde um Hilfe gebeten.
Wie die B.Z. und Bild schreiben, kommt für die Jüdische Gemeinde in Berlin eine Exhumierung nur dann in Betracht, wenn eine eindeutige Identifizierung von Heinrich Müllers Leiche vorläge. Die Datenlage gebe das jedoch nicht her. Eine Feststellung der Identität gestalte sich auch aufgrund der zahlreichen anderen im Sammelgrab Bestatteten als schwierig.
Alexander Freier-Winterwerb betrachtet den Fall der Bild-Zeitung zufolge nunmehr als abgeschlossen. Auf seinem Facebook-Account beteuert er:
„Für mich gilt: Gerade bei Fragen unserer Erinnerungskultur braucht es historische Sorgfalt statt Spekulationen. Wir schulden den Opfern des Nationalsozialismus einen verantwortungsvollen Umgang mit ihrer Geschichte – und mit ihren Gedenkorten.“
Es bleibt zu hoffen, dass er diese respektvolle Einsicht auch bezüglich sowjetischer Gedenkorte erlangt.
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