Trotz Inflationssorgen: Russland senkt Leitzins

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Der Rat der Zentralbank Russlands hat am 24. Juli den Leitzins um 25 Basispunkte auf 14 Prozent gesenkt. Damit setzt die Notenbank ihren Lockerungszyklus fort, bereits zum zehnten Mal in Folge. In den vergangenen beiden Sitzungen ging sie allerdings vorsichtiger vor und reduzierte den Satz jeweils nur um 25 statt zuvor 50 Basispunkte.

Das Vorgehen überraschte den Markt. Die große Mehrheit der Analysten – 26 von 30 – hatte erwartet, dass die Zentralbank den Zins erstmals seit einem Jahr unverändert bei 14,25 Prozent belassen würde. Die Zurückhaltung der Fachleute beruhte vor allem auf der zuletzt beschleunigten Inflation und den gestiegenen Inflationserwartungen der Bevölkerung.

Im Juni hatte sich der Preisauftrieb in Russland auf über 6 Prozent beschleunigt und lag damit deutlich über dem Inflationsziel der Zentralbank von 4 Prozent. Einen großen Beitrag leisteten der rasche Anstieg der Kraftstoffpreise sowie der Konsten für einige Obst- und Gemüsesorten, wie Daten von Rosstat zeigen.

Der stellvertretende Zentralbank-Chef Alexei Zabotkin hatte die Entwicklung als einmaligen Effekt bewertet und betont, dass die Kerninflation moderater steige. Die Notenbank werde im Juli beobachten, inwieweit die teureren Kraftstoffe auf andere Güter und Dienstleistungen durchschlagen.

Die wöchentlichen Inflationsdaten für Juli bestätigten zunächst einen deutlichen Preisschub, der vor allem vom Kraftstoffsektor getrieben wurde. Benzin verteuerte sich wöchentlich um mehr als 2 Prozent, Diesel um über 3 Prozent. Zum Monatsende entspannte sich die Lage etwas. In der Woche vom 14. bis 20. Juli stiegen die Benzinpreise noch um 1,66 Prozent und die Dieselpreise um 1,87 Prozent.

Die Inflationserwartungen der Bevölkerung stiegen auf 14,7 Prozent und erreichten damit den höchsten Stand seit dem Frühjahr 2022 – im Juni hatten sie noch bei 12,4 Prozent gelegen. Auch die Preiserwartungen der Unternehmen legten deutlich zu und kletterten von 15,8 auf 20,2 Punkte, den höchsten Wert seit Januar 2026, als die Mehrwertsteuer angehoben worden war.

Wirtschaftsexperten korrigierten ihre Prognosen ebenfalls nach oben. Für das Jahresende erwarten sie nun eine Inflation von 6,2 Prozent statt zuvor 5,3 Prozent. Das 4-Prozent-Ziel halten sie erst für 2029 erreichbar. Die lange Phase straffer Geldpolitik hinterlässt bereits Spuren in der Realwirtschaft. Nach Schätzungen von Rosstat schrumpfte das BIP im ersten Quartal um 0,2 Prozent.

Sberbank-Chef German Gref sprach von einer „Überkühlung“ der Wirtschaft und erklärte, dass sie bei derart hohen Realzinsen nicht dauerhaft bestehen könne. Auch Präsident Wladimir Putin hatte anderthalb Wochen vor der Sitzung eine Zinssenkung als natürlichen Prozess bezeichnet.

Das Geschäftsklima trübte sich ebenfalls ein. Der Indikator für das Geschäftsklima fiel im Juli auf minus 3,6 Punkte und erreichte damit den niedrigsten Stand seit Mai 2022.

Die Zentralbank betonte, dass künftige Entscheidungen zum Leitzins von der weiteren Entwicklung der Inflation und der Inflationserwartungen sowie von der Bewertung interner und externer Risiken abhängen würden. Das nächste Zinsentscheidungs-Treffen ist für den 11. September angesetzt.

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