„Mehrzweckeier“ aus Jugendwort-Abstimmung zensiert

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Da macht sich bemerkbar, dass ein Verlag die Wahl des Jugendworts des Jahres durchführt – der altbekannte Wörterbuchverlag Langenscheidt führt diesen Event seit 2008 durch, eigentlich als Werbeevent für sein Lexikon „100 Prozent Jugendsprache“. Anfänglich waren diverse Jugendzeitschriften an der Entscheidung beteiligt, inzwischen wird diese Wahl auf Grundlage von Vorschlägen im Internet durchgeführt.

Aber ein Vorschlag darf dieses Jahr nicht dabei sein. Das Wort „Mehrzweckeier“, eine abgemilderte Form des seit Beginn der Debatte beliebten Demonstrationsplakats „Merz leck Eier“, das völlig jugendgerecht auch zur Inspiration eines Videos wurde, wurde vom Verlag aussortiert. Obwohl es die Schwelle auf die Liste der ersten Zehn mühelos geschafft hatte – ja, die Berichterstattung des Redaktionsnetzwerks Deutschland legt sogar nahe, dass dieses Wort bei den Einreichungen führte: „Und ein Begriff stahl allen die Show, bevor er von der Jury eiskalt gestrichen wurde: ‚Mehrzweckeier‘.“

Interessanterweise ist der Verlag, der heute als Langenscheidt firmiert, schon seit 2019 Klett-Pons; dahinter stehen zwei Jahrzehnte, in denen sich die ganze Wörterbuchbranche massiv konzentrierte, vermutlich auch, weil die Konkurrenz durch reine Internet-Portale wie Leo so stark ist: Ehe Langenscheidt übernommen wurde, weil die beiden Besitzer ihr Geld anderweitig investieren wollten, kaufte der Verlag Berlitz und Brockhaus, Duden und Meyer; Wörterbücher und deren digitale Nachfolger sind eben vor allem ein Geschäft.

Die Begründung dafür, „Mehrzweckeier“ auszuschließen, ist, der Begriff verstoße gegen die Regeln, weil Begriffe verboten seien, die „auf der Herabwürdigung oder Schmähung einzelner Personen des öffentlichen Lebens basieren“. Bei ganzen, größeren Gruppen hat sich der Verlag nicht so – 2024 kam Talahon auf Platz zwei; aber auch schon das erste, 2008 gewählte Wort ist alles andere als nicht diskriminierend, die Gammelfleischparty für Ü30-Partys, und hartzen im Jahr darauf ist ebenfalls ziemlich abwertend. Aber die Betroffenen in all diesen Fällen sind eben nicht Kanzler.

Der zweite angeführte Grund lautet, es sei im Internet an verschiedenen Stellen dazu aufgerufen worden, „Mehrzweckeier“ zu wählen. Auch das ein Phänomen, dass es schon bei anderen Begriffen gab. Übrigens, 2024 wurde zwar Talahon zugelassen, „biodeutsch“ aber ausgeschlossen. Ob „Kartoffel“ bereits aufgetaucht ist, ist nicht bekannt. 2011 wurde übrigens „Guttenbergen“ zugelassen, benannt nach dem ehemaligen Verteidigungsminister und jetzigen Lebensgefährten von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche; der Begriff bezog sich auf die ihm nachgewiesenen Plagiate.

Man habe lange und intensiv diskutiert und die Entscheidung sei schwergefallen, erklärte PONS Langenscheidt. Im Internet löste diese Entscheidung eher Verständnislosigkeit aus.

Das Wort selbst dürfte durch diesen Schritt nur noch bekannter werden:

Selbst Friedrich Merz hat man mit diesem Schritt vermutlich keinen Gefallen getan:

Nun, letzten Endes hat diese Wahl ohnehin längst ihren eigentlichen Sinn verloren. Das letzte gedruckte Exemplar des Wörterbuchs „100 Prozent Jugendsprache“ erschien im Herbst 2020.

Mehr zum Thema – Mehrzweckeier oder die Beliebtheit des Bundeskanzlers

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