Vom Regionalkrieg zum globalen Flächenbrand | Von Hermann Ploppa

Vom Regionalkrieg zum globalen Flächenbrand | Von Hermann Ploppa

Willkommen im Dritten Weltkrieg. Der hat längst begonnen. Jetzt werden zunehmend regionale Kriege miteinander verbunden. So entsteht dann der „richtige“ Weltkrieg als flächendeckender Großbrand.

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Willkommen im Dritten Weltkrieg. Der hat längst begonnen. Jetzt werden zunehmend regionale Kriege miteinander verbunden. So entsteht dann der „richtige“ Weltkrieg als flächendeckender Großbrand.

Ein Standpunkt von Hermann Ploppa.

Ja, ja, das hatte sich der Trump-Donald so einfach vorgestellt: Er macht mal eben in einem Regime-Change-Manöver das iranische Mullah-Regime platt und steht damit bei den Zwischenwahlen im kommenden November als der strahlende Sieger da. Schließlich hatte Trump ja das angeblich sozialistische Venezuela im Spaziergang einkassiert und den gewählten Präsidenten Nicolás Maduro als Jagdtrophäe nach New York verschleppen lassen.

Was kümmerte es den großen Macher, dass Militärs und Geheimdienstleute ihn beknieten, von dem iranischen Abenteuer abzulassen. Der Iran sei ein gänzlich anderer Schnack als die Sandwüste des Irak oder die korrupte Regierungsclique in Venezuela. Zusammen mit den israelischen Streitkräften ließ Trump den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Iran anlaufen. Schnell hatte Trump die Bevölkerung des Irans gegen sich aufgebracht. Der Versuch, mal eben die iranischen Uran-Vorräte stibitzen zu lassen, endete in der Nähe von Isfahan in einer Kleinversion von Napoleons Waterloo [1].

Aus wenigen Stunden oder Tagen wurden kostspielige Wochen. Die Weltwirtschaft stotterte mittlerweile. Gewisse Anflüge von Realitätsanerkennung führten dann zum Memorandum of Understanding. Hier wäre für den gütigen Welt-Hegemon USA ein Ausstieg mit einem blauen Auge drin gewesen. Doch der Versuch eines Schiffes, listig die vom Iran diktierten Regelungen für den Transfer durch die Meerenge von Hormus zu umgehen, endete im Beschuss eben dieses flüchtigen Schiffes. Trump ließ daraufhin neunzig iranische Ziele beschießen. Gehe zurück auf Los. Ziehe nicht vier Billionen Dollar ein, denn der Iran pulverisierte nunmehr unbeschwerter denn je US-amerikanische Militärbasen in Jordanien.

So, nun geht es ab wie auf dem Schulhof: Jeder holt sich noch seinen großen Bruder hinzu, und bald befindet sich die ganze Schülerschar auf dem Hof in einer Massenkeilerei. Jetzt nämlich schaltet sich Saudi-Arabien aktiv ein, traut sich aber noch nicht an das starke Iran sondern vergreift sich erstmal als Warnschuss an einer Iran-freundlichen schiitischen Miliz im Irak. Währenddessen schießen aus dem Jemen die vom Westen fälschlich als Huthis bezeichneten Krieger der Ansar Allah mit Drohnen und Marschflugkörpern auf Saudi-Arabien. Die Ansar-Allah-Krieger sitzen am Ausgang des Roten Meeres an der Meerenge des Bab al-Mandab und wollen den Saudis den Transport ihres Öls aus dem Roten Meer zu den Kunden in Indien oder China versperren. Da die Saudis schon daran gehindert sind, ihr Öl durch die Meerenge von Hormus zu schleusen, hatten sie ihr Öl über eine Pipeline ans Rote Meer gepumpt. Nun ist der Ausweg über den Bab al-Mandab auch versperrt. Also müssen die Saudis ihr Öl durch den Suezkanal teuer und zeitraubend über Afrika zum Endkunden transportieren. Doch schon ist in Ägypten die erste Drohne eingeschlagen [2]. Allerdings traf es zunächst einen US-amerikanischen Tanker. Wenn auch der Suezkanal für die Saudis gesperrt ist, dann wird es echt eng für die Scheichs. Die Saudis müssen sich also buchstäblich ihren Transportweg freischießen. Die kleinen Scheichtümer am Persischen Golf sind auch gefangen in der iranischen Falle. So wird aus einem Match zwischen Israel und den USA sowie dem Iran auf der anderen Seite ein Regionalkrieg, an dem fast alle Anrainerländer beteiligt sind.

Nächster Schritt: die Verknüpfung der Großschauplätze Ukraine und Mittlerer Osten

Bis jetzt konnten die Russische Föderation und der Iran relativ ungestört auf dem Seeweg über das Kaspische Binnenmeer Handel und Wandel treiben und dabei unstreitig auch militärische Güter austauschen. So verwenden die Russen im Ukrainekrieg Marschflugkörper aus dem Iran. Der Iran profitiert von russischen Satellitenbildern aus dem Kriegsgebiet im Mittleren Osten. Vor Kurzem jedoch griffen ukrainische Marschflugkörper Handelsschiffe auf dem Kaspischen Meer an, unter anderem wurde ein iranisches Frachtschiff getroffen [3]. Ein iranischer Seemann kam dabei ums Leben. Weitere Besatzungsmitglieder wurden verletzt. Tatsächlich behauptete im Anschluss der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, bei dem angegriffenen Schiff handele es sich um ein Transportschiff mit Waffen für den Iran. Selenskyj stellte einen Zusammenhang her zwischen den russischen Attacken in der Ukraine und einer Mithilfe durch den Iran. Der Ton zwischen dem Iran und der Ukraine wurde schriller. Mittlerweile bemüht sich die ukrainische Seite um Deeskalation. Der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha rief den iranischen Außenminister Abbas Araghchi an: Der Angriff auf das iranische Frachtschiff sei nicht beabsichtigt gewesen [4]. Der iranische Außenminister Abbas Araghchi nahm die halbe Entschuldigung an, behielt sich allerdings weitere Schritte vor und forderte, um das Gesicht zu wahren, Schadensersatz. Aber in der diplomatischen Praxis ist klar, dass damit die Sache erledigt ist.

Langfristig allerdings ist mit diesem ukrainischen Militärschlag auf das Kaspische Meer die Ruhe dort nicht mehr länger zu halten. Auch diese bislang friedliche Region wird jetzt ein Kriegsschauplatz. Und die Verbindung zwischen den Kriegstheatern in der Ukraine und im Mittleren Osten ist unwiderruflich hergestellt.

Nächster Schritt: Europa muss mit rein!

Und bislang sind wir Westeuropäer zumindest scheinbar immer noch nur Zuschauer. Immer noch trennt uns vom Kriegshorror in der Ukraine und dem Mittleren Osten die komfortable Scheibe des Fernsehers oder Computermonitors. Das wird sich bald ändern, denn die im sicheren Washington und an der New Yorker Börse sitzenden und rennenden Kriegstreiber sind eifrig bemüht, uns in diese Keilerei unwiderruflich mit hineinzuzerren.

Denn US-Präsident Trump möchte nicht seine superteuren Kriegsschiffe in einem Gemetzel in Nahost verschleißen. Der Giga-Flugzeugträger „Gerald Ford“, der einen Wert von 36 Milliarden Dollar repräsentiert, ist längst wieder heldenhaft in den USA angekommen, nachdem die Herrentoiletten angeblich gestreikt haben [5]. Wie gut, dass es uns Westeuropäer als terrestrische Flugzeugträger gibt! Denn, obwohl alles darauf hindeutet, dass eine Weiterführung des Krieges gegen den Iran die Weltwirtschaft in den Graben fahren wird, geht Trump „all in“. Alles oder nichts.

Und das korrespondiert mit der Einstellung der iranischen Revolutionsgarden. Die scheinen der Devise zu folgen: lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende! Längst haben die frommen Gardisten erkannt, dass gerade eine Großoffensive der Amerikaner im Anmarsch ist. Flugbeobachter registrieren Massenbewegungen von US-amerikanischen Flugzeugen aus den USA und aus europäischen US-Basen in Richtung Nahost.

Im Einzelnen:

• Aus dem deutschen US-Stützpunkt Spangdahlem in der Nähe von Trier rücken massenhaft F-16-Kampfjets aus in Richtung Nahost.
• Aus dem britischen Stützpunkt Lakenheath machen sich F-35-Jets auf den Weg.
• Weitere Bewegungen sind von italienischen US-Stützpunkten zu verzeichnen [6].
• Aus Südfrankreich starten so genannte Stratotanker, also Flugzeuge, die Kampfjets in der Luft betanken, weil die Kampfjets nur eine begrenzte Reichweite haben. Es handelt sich um die Typen KC-135 Stratotanker und KC-46 Pegasus.
• Soldaten, Munition und allerlei Kriegsgeschirr wird aktuell mit den Transportflugzeugen des Typs C-17 Globemaster III und C-5 Galaxy in die Nähe des Iran gebracht.
• Der komplette Umzug ganzer Staffeln aus Europa nach Westasien ist absolut unüblich.
• US-Kriegsflugzeuge benutzen Flughäfen in Israel, also nur wenige hundert Kilometer vom Iran entfernt [7].

Westeuropa ist de facto schon seit einiger Zeit direkter militärischer Kontrahent der Russischen Föderation, denn die Ukraine ist finanziell, personell und technisch schon lange nicht mehr in der Lage, den Krieg gegen Russland weiterzuführen. Wie ich in meinem vorherigen Standpunkt dargelegt habe, sind ukrainische Militärkapazitäten längst nach Deutschland, Frankreich und Großbritannien ausgelagert worden [8]. Die russische Regierung hat schon vor geraumer Zeit klar gemacht, dass sie die europäischen NATO-Staaten als ihren eigentlichen Gegner ansieht und entsprechend langfristig Westeuropa nicht mehr schonen wird.

Und nun kommt eben noch die direkte Frontstellung Westeuropas gegen den Iran hinzu. So genehmigte das bulgarische Parlament die vorübergehende Stationierung von US-Stratotankern auf seinem Territorium. Mit anderen Worten: die US-Kampfboliden werden in Bulgarien geparkt, um von dort aus schneller in den Iran zu gelangen. Und wie diese Agenturmeldung zeigt, ist damit die nächste Verhakelung eingeleitet:

„Das bulgarische Parlament hat am Mittwoch der vorübergehenden Stationierung von US-Tankflugzeugen auf dem Militärstützpunkt Bezmer zugestimmt, obwohl der Iran gewarnt hatte, dass dieser Schritt eine Mitschuld an ‚Aggression und Kriegsverbrechen‘ darstellen würde – ein Vorwurf, den Sofia zurückwies.“ [9|

Hurra! Wieder eine weitere Eskalation in Richtung Weltenbrand. Es mag uns hier immerhin eine Hoffnung bleiben, denn Trump kann dieses „Alles oder nichts“-Spiel vermutlich nicht lange durchhalten, ohne dass über kurz oder lang der Motor der USA einen Kolbenfresser erleidet. Die geradezu terroristische Fixierung der USA-Weltordnung auf fossile Energie erweist sich als Bumerang. Damit die US-Bürger weiterhin mit ihrem geliebten Benzin fressenden Automobil durch die Lande kutschen können, hat Trump die strategischen Ölreserven der USA auf einen historischen Tiefstand absaufen lassen. Mit 311 Millionen Barrel ist der Ölstand so niedrig wie seit 1983 nicht mehr! Fachleute sagen, wenn die strategischen Ölreserven unter die Marke von 300 Millionen Barrel fallen, dann sind diese Vorräte aus technischen Gründen nicht mehr lange zu konservieren. Da die US-Bürger aber pro Tag 20 Millionen Barrel Öl verbrauchen, ist bald die Grenze erreicht, an der Trump seine Mitbürger noch mit weiteren Ölspenden bei Laune halten kann [10]. Die allgemeine Verteuerung und die Unterbrechung der Lieferketten werden dem Westen teuer zu stehen kommen.

Möglicherweise ist Trump der Bestatter des US-Imperialismus …

Quellen und Anmerkungen

[1] https://substack.com/home/post/p-193327827

[2] https://www.spiegel.de/ausland/aegypten-drohne-trifft-us-gastanker-a-40272353-f616-460f-87e0-4fabf34bbaea

[3] https://www.reuters.com/world/europe/iran-says-ukrainian-attack-vessel-caspian-sea-killed-sailor-2026-07-25/

[4] https://www.reuters.com/world/middle-east/ukrainian-foreign-minister-says-he-warned-iranian-counterpart-against-escalation-2026-07-28/

[5] https://www.usff.navy.mil/Press-Room/News-Stories/Article/4494275/worlds-largest-aircraft-carrier-strike-group-return-from-historic-11-month-depl/

[6] https://www.stripes.com/branches/air_force/2026-07-22/europe-fighter-wings-deployed-iran-22336794.html

[7] https://www.jpost.com/israel-news/defense-news/article-902950

[8] https://apolut.net/ukraine-fuhrt-krieg-wir-zahlen-von-hermann-ploppa/

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Dank an den Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.

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Bild: Iran-Krieg
Bildquelle: HD-Warrior80 / shutterstock

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