Japan und Südkorea bringen gemeinsam den US-Dollar unter Druck

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Von Olga Samofalowa

Die Behörden Japans und Südkoreas haben eine gemeinsame Intervention am Devisenmarkt durchgeführt, um ihre Landeswährungen zu stützen. Dieser Schritt ist ein seltenes und beispielloses Beispiel für koordiniertes Vorgehen, möglicherweise unter Beteiligung der Vereinigten Staaten, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters.

Der Kursanstieg des japanischen Yen gegenüber dem US-Dollar in der vergangenen Woche hatte Gerüchte über neue Interventionen der japanischen Behörden ausgelöst. In nur 50 Minuten festigte sich der Kurs der japanischen Währung im Handel unerwartet von 162 auf 158 Yen pro US-Dollar. Dabei war über viele Monate hinweg eine starke Abwertung des Yen zu beobachten, doch als sein Kurs den tiefsten Stand seit 40 Jahren erreichte, kam es in weniger als einer Stunde zu einer unerwarteten Trendwende und einer Aufwertung. Noah Baffem von CIBC Capital Markets schrieb damals, dass die Entwicklung des US-Dollar-Yen-Kurses klassische Anzeichen einer Intervention gezeigt habe. Und dies geschah nach einer Sitzung der US-Notenbank (Fed).

Das enorme Volumen der Devisenzuflüsse hat die großen Akteure überrascht und es ermöglicht, den Spekulanten einen schweren Schlag zu versetzen. Die Behörden greifen zu solchen Maßnahmen, um die Wirtschaft vor einer übermäßigen Abwertung der Landeswährung zu schützen und Importe zu verbilligen. Nikolai Dudtschenko, Analyst bei der Finanzgruppe „Finam“, erklärt das Bestreben der japanischen Behörden, den Yen zu stärken, wie folgt:

„Japan ist ein Nettoimporteur. Seine Exporte belaufen sich auf rund 10,9 Milliarden Yen, während die Importe bei etwa 11,3 Milliarden Yen liegen. Dabei entfallen nach Angaben für das Jahr 2025 rund 20 Prozent der Importe auf Energieträger. Unter den derzeitigen Bedingungen wirkt sich der schwache Yen ziemlich stark negativ auf die Importe aus, schmälert die Kaufkraft der Bevölkerung und verschlechtert die Rahmenbedingungen für die Wirtschaft.“

Gleichzeitig hat Südkorea durch seine Interventionen zum Verkauf des US-Dollars die südkoreanische Währung Won um zwei Prozent gestärkt. Die Währung erreichte damit den höchsten Stand der letzten neun Monate.

Die Interessen Japans und Südkoreas stimmen überein, weshalb ihr gemeinsamer Verkauf des US-Dollars dazu beiträgt, den Effekt für ihre eigenen Währungen zu verstärken. Dudtschenko sagt:

„Südkorea ist zwar ein Nettoexporteur, hat aber auch einen hohen Anteil an Energieträgern in seiner Importstruktur. Die Währungen beider Länder korrelieren recht stark miteinander, sodass sich eine Abschwächung des Yen entsprechend auf die südkoreanische Landeswährung auswirkt. Infolgedessen waren die Interventionen für alle von Vorteil.“

Während Japan und Südkorea ihre Landeswährungen stützen wollten, ist eine Abwertung des US-Dollars gegenüber diesen Währungen für die USA von Vorteil; daher geht Reuters davon aus, dass diese Interventionen mit Zustimmung Washingtons durchgeführt wurden. Dudtschenko meint:

„Je schwächer der US-Dollarkurs ist, desto vorteilhafter ist dies für US-amerikanische Exporteure. Im Rahmen seiner protektionistischen Politik drängt Donald Trump nicht ohne Grund auf eine Senkung des Leitzinses und damit auf eine Abschwächung des US-Dollars. Dies könnte zu einem Umsatzwachstum der US-amerikanischen Unternehmen beitragen und die Produktion von Waren und Dienstleistungen für den weiteren Export ankurbeln.“

Zudem bedeutet ein schwacher US-Dollar die Möglichkeit einer Abwertung der US-Staatsschulden – also eine Art Zahlungsausfall durch Inflation, fügt der Experte hinzu. Er erklärt:

„Man darf nicht vergessen, dass gerade Japan der größte Gläubiger der USA ist. Nach Schätzungen des US-Finanzministeriums hielt Japan im Mai Anleihen im Wert von über einer Billion US-Dollar. Aus dieser Perspektive ist die Abschwächung des US-Dollarkurses ebenfalls in gewissem Maße vorteilhaft.“

Die Märkte für Staatsanleihen der USA und Japans sind miteinander verflochten. Sergei Klisenko, Geschäftsführer der Ratingagentur NRA, sagt:

„Das Problem der japanischen Staatsverschuldung spitzt sich zu: Die Renditen für zehnjährige Staatsanleihen haben sich innerhalb eines Jahres verdoppelt und nähern sich nun fast drei Prozent pro Jahr. Dies ist ein Rekordniveau der letzten 30 Jahre.“

Das bedeutet, dass die Bedienung der Staatsschulden sehr teuer geworden ist. Klisenko merkt an:

„Japan hat eine extrem hohe Staatsverschuldung im Verhältnis zum BIP von rund 250 Prozent, und der Anstieg der Renditen für Staatsanleihen über drei Jahrzehnte hinweg von Werten nahe Null auf drei Prozent macht die Bedienung der Staatsschulden langfristig untragbar. Die Abwertung des Yen erfolgte parallel zu den Problemen mit der Staatsverschuldung, die durch die Nahostkrise verschärft wurden und mit einem raschen Rückzug institutioneller Anleger vom japanischen Markt zugunsten der USA einhergingen.“

Um die Abwertung des Yen zu stoppen, führte Japan Devisenmarktinterventionen durch, indem es die Gold- und Devisenreserven des Landes verkaufte, von denen der größte Teil in US-Staatsanleihen angelegt ist. Daher wirken sich diese Maßnahmen direkt auf den Zustand der US-amerikanischen Staatsverschuldung aus. Und auch die USA haben große Probleme mit ihrer Staatsverschuldung, da deren Bedienung zunimmt. Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen nähern sich bereits 4,8 Prozent – einem Niveau, das am Vorabend der globalen Kreditkrise 2008 zu beobachten war, bemerkt der Experte.

Was Südkorea und die USA betrifft, so zeichnen sich ihre Beziehungen durch eine starke Abhängigkeit der Entwicklung des südkoreanischen Aktienmarktes vom Hightech-Sektor des US-amerikanischen Marktes aus – von Unternehmen wie Google, Meta, Nvidia, Microsoft und anderen, die in großem Umfang Chips von den südkoreanischen Herstellern Samsung und SK Hynix kaufen, sagt Klisenko. Er erklärt:

„Der südkoreanische Aktienmarkt war in den letzten Jahren stark mit den US-Big-Tech-Unternehmen verflochten. Der Einbruch des südkoreanischen Marktes um fast 50 Prozent in den letzten anderthalb Monaten vor dem Hintergrund wachsender Skepsis hinsichtlich der Rentabilität von Investitionen in KI könnte sich letztlich auf den US-Aktienmarkt auswirken, was dort befürchtet wird.

Auch in den USA ist eine starke Blase zu beobachten, und bereits mehr als 30 Prozent der Marktkapitalisierung des S&P-500-Index konzentrieren sich auf nur sieben Unternehmen.“

Daher zielen die Interventionen Südkoreas darauf ab, die Krisenerscheinungen einzudämmen und die Panikverkäufe auf dem südkoreanischen Markt abzukühlen. Klisenko merkt an:

„Die USA hoffen auf eine Normalisierung der Lage in Südkorea, damit das Problem letztendlich nicht auf sie selbst übergreift.“

Ob es Japan und Korea gelingen wird, die Bedrohung für ihre Volkswirtschaften und für die USA einzudämmen, ist bislang noch nicht ganz klar. Dudtschenko betont:

„Die Wechselkurse der nationalen Währungen dieser Länder sind gegenüber dem US-Dollar gestiegen. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass die Wirkung solcher Maßnahmen nur vorübergehender Natur ist und in der Regel zusätzliche Maßnahmen erfordert – zum Beispiel eine Änderung des Leitzinsverlaufs.“

Das Problem werde lediglich für eine gewisse Zeit aufgeschoben, löse aber nicht die fundamentalen Risiken, die mit der extrem hohen Schuldenlast nicht nur in Japan, sondern auch in den USA sowie mit der übermäßigen Überkauftheit des US-amerikanischen Aktienmarktes verbunden seien, sagt Klisenko. Er merkt an:

„Der Abbauprozess am südkoreanischen Aktienmarkt hat bereits begonnen und birgt trotz der technischen Erholung am 31. Juli vor dem Hintergrund der Ankündigung von Stützungsmaßnahmen durch die südkoreanischen Behörden ernsthafte Risiken, dass er sich in den kommenden Monaten fortsetzen wird.“

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist zuerst am 3. August 2026 auf der Website der Zeitung „Wsgljad“ erschienen.

Olga Samofalowa ist Wirtschaftsanalystin bei der Zeitung „Wsgljad“.

Mehr zum Thema – Washingtons Atomstrategie: Deutschland und Japan gegen Russland

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