Vernichtender Bericht verschwand in der Schublade: „Solarmodule beschleunigen die Klimaerwärmung“

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Ein interner Bericht einer halbstaatlichen Arbeitsgruppe sorgt in den Niederlanden für erheblichen Zündstoff. Demnach amortisieren rund 95 Prozent der in den vergangenen drei Jahren installierten Solarmodule ihre bei Herstellung und Installation verursachten CO₂-Emissionen nicht einmal innerhalb ihrer tatsächlichen Lebensdauer. Das brisante Papier wurde Ende 2024 fertiggestellt – verschwand jedoch anschließend im niederländischen Wirtschaftsministerium. Erst jetzt gelangte es an die Öffentlichkeit.

Solaranlagen gelten seit Jahren als zentrale Säule der niederländischen Klimapolitik. Nach offizieller Darstellung sollen sie durch die Erzeugung von CO₂-freiem Strom einen wichtigen Beitrag zur Bekämpfung der globalen Erwärmung leisten.

Inzwischen wurden in den Niederlanden rund 10 Millionen Solarmodule mit einer installierten Gesamtleistung von 30 Gigawatt errichtet. An sonnigen Tagen erzeugen sie inzwischen etwa doppelt so viel Strom, wie das Land in diesem Moment überhaupt benötigt. Fruchtbare Landwirtschaftsflächen wurden für riesige Solarparks geopfert, Dächer wurden dank staatlicher Subventionen in Rekordtempo mit Solarmodulen bedeckt. Insgesamt nehmen sie inzwischen eine Fläche von rund 20 Quadratkilometern ein.

Doch der nun bekannt gewordene Bericht zeichnet ein völlig anderes Bild.

CO₂-Rückzahlungszeit länger als die Lebensdauer

Der Bericht kommt zu einer alarmierenden Schlussfolgerung:

Die sogenannte „Carbon Payback Time“ – also die Zeit, die ein Solarmodul benötigt, um die bei Produktion und Installation verursachten CO₂-Emissionen durch die spätere Stromerzeugung wieder auszugleichen – ist wahrscheinlich länger als die tatsächliche Lebensdauer der Module.

Wörtlich heißt es:

„Diese Solarmodule werden die Klimaerwärmung beschleunigen.“

Noch gravierender sei, dass sich diese CO₂-Amortisationszeit in den kommenden Jahren weiter verlängern dürfte, weil Solaranlagen aufgrund des zunehmenden Stromüberschusses immer häufiger abgeschaltet werden müssen.

Bericht verschwand im Ministerium

Das Papier entstand im Dezember 2024 im Auftrag der Public Buyers Group für nachhaltige Solarmodule, einem Zusammenschluss aus Behörden, Gemeinden, Wasserverbänden und einem Energieunternehmen.

Seit Anfang 2022 untersuchte die Arbeitsgruppe anhand wissenschaftlicher Literatur und Experteninterviews zentrale Nachhaltigkeitsfragen rund um Solarmodule:

  • tatsächliche Lebensdauer,
  • CO₂-Fußabdruck,
  • giftige Stoffe wie PFAS und Blei,
  • sowie mögliche Zwangsarbeit bei der Herstellung.

Ziel war ursprünglich, öffentliche Einrichtungen beim Einkauf nachhaltiger Solarmodule zu unterstützen.

Doch nachdem der Bericht dem niederländischen Wirtschaftsministerium übergeben worden war, geschah – nichts.

Erst durch Recherchen der Zeitung De Andere Krant wurde bekannt, dass das Ministerium das Papier zwar erhalten hatte, die Ergebnisse jedoch nicht in die politische Entscheidungsfindung einfließen ließ.

Die Begründung des Ministeriums:

Die Schlussfolgerungen würden „nicht ausreichend durch allgemein anerkannte wissenschaftliche Erkenntnisse gestützt“.

Herstellung verursacht enorme CO₂-Mengen

Nach Angaben des Berichts stammen nahezu alle in den Niederlanden installierten Solarmodule aus China und basieren auf Siliziumzellen.

Gerade deren Herstellung sei besonders energieintensiv.

Silizium wird aus Quarzsand und Kohlepulver gewonnen – ein Verfahren, das enorme Mengen Strom benötigt und zusätzlich durch die Verbrennung von Kohle direkt CO₂ freisetzt.

Auch die anschließende Reinigung und Kristallisation des Siliziums verschlingen große Energiemengen.

Da rund 65 Prozent des chinesischen Stroms weiterhin aus Kohlekraftwerken stammen, falle die CO₂-Bilanz entsprechend schlecht aus.

Hinzu kommen laut Bericht erhebliche Emissionen bei der Herstellung weiterer Materialien:

  • Glas,
  • Aluminiumrahmen,
  • Kupferkabel,
  • Stahlkonstruktionen.

Für Dachanlagen errechneten die Autoren insgesamt 1.440 Kilogramm CO₂ pro installiertem Kilowatt Leistung.

Wären sämtliche 30 Gigawatt Solarkapazität der Niederlande ausschließlich auf Dächern installiert worden, entspräche dies bereits 43,2 Millionen Tonnen CO₂ – ungefähr so viel wie der jährliche CO₂-Ausstoß von 2,5 Millionen niederländischen Haushalten.

Noch schlechter falle die Bilanz bei Freiflächen- und schwimmenden Solaranlagen aus.

Deren CO₂-Fußabdruck liege laut Bericht 50 bis 80 Prozent höher, unter anderem wegen zusätzlicher Stahlkonstruktionen, Fundamente und längerer Kabelverbindungen.

Schockierende Berechnung

Anschließend berechnete die Arbeitsgruppe die tatsächliche CO₂-Amortisationszeit der Anlagen.

Das Ergebnis:

Rund 95 Prozent der in den vergangenen drei Jahren installierten Solarmodule benötigen mehr als 25 Jahre, um ihre CO₂-Emissionen aus Herstellung und Installation auszugleichen.

Demgegenüber schätzt der Bericht die realistische durchschnittliche Lebensdauer lediglich auf 12 bis 15 Jahre.

Mit anderen Worten:

Die meisten Anlagen müssten deutlich länger funktionieren, als sie nach Einschätzung der Autoren tatsächlich halten, um ihre eigene CO₂-Belastung überhaupt auszugleichen.

Selbst Experten waren überrascht

Einer der an der Analyse beteiligten Experten wollte sich nur anonym äußern. Sein Name sei der Zeitung bekannt. Er erklärte:

„Anfangs dachte ich, irgendwo müsse ein Rechenfehler vorliegen. Doch je weiter wir die Daten analysierten, desto klarer wurde, dass wir es hier mit einem gigantischen Problem zu tun haben.“

Immer häufiger werden Solaranlagen abgeschaltet

Ein entscheidender Faktor sei das sogenannte Curtailment.

Weil an sonnigen Tagen inzwischen deutlich mehr Strom produziert werde als das Netz aufnehmen könne, müssten Solaranlagen immer häufiger abgeschaltet oder ihre Leistung begrenzt werden.

Dadurch erzeugen sie erheblich weniger Strom als ursprünglich geplant. Der Bericht geht davon aus, dass die Abschaltungen in den kommenden Jahren auf 60 bis 75 Prozent ansteigen könnten.

Der beteiligte Experte hält die tatsächliche Situation inzwischen sogar für noch ungünstiger als die damaligen Berechnungen.

„Das heutige Klimapolitik ist verrückt“

Die Ergebnisse hätten seine Sicht auf Solarmodule vollständig verändert.

„2012 war ich noch überzeugter Befürworter. Heute bin ich gegen den weiteren Ausbau von Solaranlagen.“

Bereits installierte Anlagen würde er zwar weiter betreiben.

Neue Solarmodule würde er jedoch nicht mehr errichten.

Seine Schlussfolgerung fällt deutlich aus:

„Wenn es wirklich um Klimaschutz geht, müssen wir neu bewerten, welche Technologien tatsächlich die größte CO₂-Reduktion bringen. Niemand betrachtet die Fakten kritisch und rational – insbesondere nicht die Emissionen außerhalb der Niederlande. Die derzeitige Politik ist im Grunde genommen verrückt.“

Ministerium weist Kritik zurück

Das niederländische Wirtschaftsministerium bestätigt, den Bericht erhalten zu haben.

Die Analyse sei jedoch nicht in die Energiepolitik eingeflossen, weil ihre Aussagen nach Auffassung des Ministeriums nicht ausreichend durch den wissenschaftlichen Konsens gedeckt seien.

Gleichzeitig verweist das Ministerium darauf, dass der CO₂-Fußabdruck von Solarmodulen künftig dennoch stärker berücksichtigt werde.

Seit diesem Jahr enthält die niederländische SDE++-Förderregelung erstmals Vorgaben für den maximal zulässigen CO₂-Fußabdruck neuer Solaranlagen.

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