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Alastair Crooke
Das Schweigen rund um das Ergebnis des Netanyahu-Treffens vergangene Woche im Oval Office spricht für sich. Kein amerikanischer Regierungsbeamter kam zum Flughafen, um ihn zu empfangen, und kein roter Teppich wurde ausgerollt. Der Besuch war ein Reinfall. Israel treibt führungslos dahin — seine Strategie eines „Großisrael“ blutet nun aus, aus Mangel sowohl an Truppen als auch an Kohärenz.
Der frühere IDF-Ombudsmann, Generalmajor Yitzak Brik, prognostiziert (Ma’ariv, 26. Juli), daß die Krise, die das israelische Abfangraketenarsenal erfaßt hat, „nur das Vorspiel zur Katastrophe ist, die über uns hereinzubrechen droht“:
„In den kommenden Kriegen mit Iran wird die Bedrohung um das Zehnfache zunehmen, bis hin zum vollständigen Verlust der Fähigkeit, iranische ballistische Raketen abzufangen. Diese Raketen werden uns treffen: in Bevölkerungszentren, strategischen Zielen, Produktions- und Wirtschaftsinfrastruktur, Wissenschafts- und Technologieinstituten, Bildungseinrichtungen, Krankenhäusern und Schlüsselindustrien — und uns vollständig zerschmettern.“
Trump — so scheint es endlich — versteht, daß der Krieg, den er begann, um Iran zu zerschlagen, sich umgekehrt hat und ihn selbst zu zerstören droht. Es gibt faktisch keine militärische Lösung mehr, abgesehen davon, aufzuhören, das Loch, in dem er steckt, noch tiefer zu graben.
Unterdessen läßt Iran ihm nicht zu, seinen taktischen Zyklus fortzusetzen — kinetischen Krieg zu beginnen (angeblich um Iran unter Druck zu setzen) und dann (an den darauffolgenden Montagen) auf Reden über „bevorstehende Deals“ umzuschalten, um Ölmärkte und Aktienkurse zu manipulieren. Am vergangenen Montag drückte ein „Short-Dump“ in den Markt den Brent-Preis um volle 7,7 Prozent nach unten.
Iran beabsichtigt überdies, das Tempo des Konflikts selbst zu bestimmen — eines Konflikts, der ohnehin eskalieren dürfte, weil die USA darauf abzielen, den Einkreisungsdruck so weit auszudehnen, daß Iran angeblich in ein diktiertes „Friedensabkommen“ gezwungen werden kann.
Doch anstatt den Druck auf Iran zu erhöhen, setzt Trumps Strategie die Region in Brand und lädt das Risiko einer unkontrollierten Eskalation ein.
Die jüngsten Entwicklungen — darunter Jemens Erklärung einer „Belagerung für Belagerung“ gegen saudi-arabische Luft- und Seehäfen sowie die Angriffe auf zwei große Aramco-Raffinerien, durch die die saudi-arabische Ölpipeline zum Roten Meer lahmgelegt wurde — haben Saudi-Arabien in einen Konflikt mit dem Jemen hineingezogen, aber auch in einen Konflikt (gemeinsam mit CENTCOM) mit den Volksmobilisierungseinheiten (PMU) im Irak, denen Saudi-Arabien die Zerstörung der Raffinerien anlastet (obwohl die Hashd al-Shaabi dies entschieden bestreitet). Diese beiden Episoden unterstreichen nichtsdestoweniger, in welchem Ausmaß der „Trump-Krieg“ eine ohnehin fragile Region destabilisiert.
Gestern führten Saudi-Arabien und die USA gemeinsam massive Luftangriffe auf mindestens sechs irakische Städte durch, bei denen mindestens 20 PMU-Mitglieder getötet und Dutzende verwundet wurden.
Warum greift Saudi-Arabien die Hashd an und nicht den Jemen? Nun, wahrscheinlich weil AnsarAllah mit Raketen vergelten und die verbliebene saudi-arabische Ölinfrastruktur zerstören würde.
Als Iran von den amerikanischen Angriffen auf Hashd-Stellungen erfuhr und im Geiste des Grundsatzes, daß ein US-Angriff auf „ein Mitglied der Achse ein Angriff auf alle“ sei, feuerte es seinerseits ballistische Raketen auf amerikanische Stützpunkte in Jordanien ab.
Damit wurden zwei neue Fronten zur regionalen Herdplatte hinzugefügt: die Hashd al-Shaabi-irakische Front und die jemenitisch-saudi-arabische Front. Dennoch gibt es weitere potentielle Krisenherde, die im Hintergrund köcheln: Im Libanon rühmt sich der israelische Verteidigungsminister:
„Vierundzwanzig libanesische Dörfer, Hunderte von Jahren alt — wurden zerstört. Alle Gebäude, nicht Haus für Haus, sondern ganze Dörfer [wurden dem Erdboden gleichgemacht]. Ihre Zerstörung ist abgeschlossen. Man muß das verstehen: 15.000 bis 20.000 Häuser in allen 24 Dörfern wurden zerstört — und heute sind 70 Prozent von Gaza zerstört.“
Bedeutsamer noch: Der israelische Minister für Nationale Sicherheit, Ben Gvir, hat versprochen, einen Siedlerkrieg gegen die im Westjordanland lebenden Palästinenser zu entfachen, um eine „freiwillige“ Vertreibung der Palästinenser zu erzwingen. Ben Gvir argumentiert, daß der Zeitraum vor den Wahlen in Israel den günstigsten Moment biete, um die Krise auszulösen — die seiner Ansicht nach die Evakuierung ganzer palästinensischer Dörfer erzwingen könnte.
Als ob dieses Chaos nicht genug wäre, trafen am 25. Juli US-Raketen ein Hauptquartier der Marine der Revolutionsgarden im Gebiet Ziba Kenar an der Küste des Kaspischen Meeres in der Provinz Gilan.
Der Kommentator MK Bhadrakumar skizziert:
„Das Kaspische Meer bildet eine strategisch lebenswichtige Versorgungsroute zwischen Rußland und Iran. Bandar Anzali ist für Teheran das, was der Hafen Odessa für Kiew ist — dort empfängt es westliche Waffenlieferungen. Daher ist der Angriff der Ukraine auf ein iranisches Handelsschiff im Kaspischen Meer in russischen Hoheitsgewässern am Samstag — der erste derartige Angriff seit Beginn des Russland-Ukraine-Krieges — alles andere als ein zufälliger Vorfall … Kiew bekannte sich zu dem Angriff auf ein iranisches Schiff und signalisierte damit, daß eine der stabilsten Sicherheitszonen Eurasiens nun für direkte Ausstrahlungseffekte des Ukraine-Konflikts anfällig ist.“
Sowohl die New York Times als auch das Wall Street Journal berichten, daß der ukrainische Angriff eine Verschmelzung der beiden Kriege andeutet — des ukrainischen Krieges mit Rußland und des israelisch-amerikanischen Krieges gegen Iran. Dies legt nahe, daß der ukrainische Angriff auf das iranische Schiff durchaus ein kalkulierter Schachzug Washingtons gewesen sein könnte, wobei die Ukraine in Abstimmung mit den US-Bombardierungen der iranischen Provinz Gilan handelte.
Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte diese Woche, daß der gemeldete ukrainische Angriff auf ein iranisches Schiff im Kaspischen Meer als Angriff auf Iran selbst zu werten sei; er argumentierte, der Vorfall unterstreiche die Notwendigkeit, die von Kiew ausgehende Bedrohung zu beseitigen, und beschuldigte die Ukraine, die Reichweite ihrer sogenannten „Terroranschläge“ auszuweiten.
Was also ist hier im Gange? Es ist nicht klar, ob der ukrainische Angriff auf das iranische Schiff (bei dem ein iranischer Matrose getötet wurde) — von Kiew fälschlicherweise als Waffentransporter bezeichnet — lediglich ein kindlicher Schrei Selenskis nach Aufmerksamkeit war, um Trumps („Papas“) Interesse zu wecken — oder etwas Folgenreicheres. Selenski hat sich mehrfach darüber beklagt, daß der Iran-Krieg die Aufmerksamkeit des Westens von „seinem“ Krieg mit Rußland absauge. War dies ein Versuch, Trump wieder auf den ukrainischen Krieg auszurichten?
All diese Strömungen liefen in Washington zusammen — mit Lindsay Grahams Aufbahrung und in einem Moment, in dem Laura Loomer — eine verblassende MAGA-Influencerin, die Trump jedoch mag und der er bereitwillig zuhört — eine sehr öffentliche Kehrtwende um 180 Grad vollzogen hat und plötzlich als Ukraines größte Verfechterin und Fürsprecherin aufgetreten ist (vielleicht als Nachfolgerin des verstorbenen Lindsay Graham).
Im Internet kursieren wild Spekulationen, daß ihre vielbeachtete „Bekehrung nach dem Vorbild des Paulus“ einen bedeutsamen politischen Wendepunkt in den USA markieren könnte. Sie könnte jedoch gleichermaßen ein flüchtiger Moment sein, der schnell wieder verblassen wird. Loomer hat keinerlei Einfluß auf die junge MAGA-Generation, zählt aber noch bei den über 65-jährigen Trump-Anhängern, die Fox News schauen.
Gegenwärtig wird indes argumentiert, daß Loomers radikaler Gesinnungswandel den Beginn einer substanziellen Psychologischen Operation (Psyop) markiere, die darauf abziele, Amerikanern zu vermitteln, daß ein „interventionistisches Amerika“ mit „America First“ vereinbar sei — und daß es daher in Ordnung sei, eine militärische Konfrontation mit Rußland zu unterstützen. Das Loomer-Meme ist gewissermaßen als Rüge an Pat Buchanans MAGA-Anhänger formuliert, die seiner Linie folgen (und dem Titel seines Buches): A Republic – Not an Empire: Reclaiming America’s Destiny.
(Natürlich wird jede Verschiebung der amerikanischen öffentlichen Meinung zugunsten eines amerikanischen Militärinterventionismus in Israel begrüßt.)
Könnte diese Verschiebung Trump dazu bringen, gegenüber der Ukraine proaktiver zu werden? Das wissen wir nicht. Loomer hat Trump ein ausführliches Briefing über ihre Ukraine-Reise und ihr Treffen mit Selenski versprochen. Wird Trump zuhören? Könnte er zuhören und dennoch keine Notiz davon nehmen? Wer weiß?
Der entscheidende Punkt hier ist, daß der PR-Trommelwirbel zur Umdeutung der Ukraine als „siegreich“ — obwohl empirisch falsch — zumindest bei einem Teil der amerikanischen Öffentlichkeit an Fahrt gewinnt. Der langjährige Trump-Beobachter und Biograph Michael Wolff stellt fest:
„Loomers 180-Grad-Wende in der Ukraine-Frage ‚läuft offensichtlich bereits [d.h. sie gewinnt an Zugkraft]. Selenski ist jetzt in der Stadt … Er wird Zeit mit Trump bekommen. Und Trump, ja: Wie könnte [er] die Tatsache übersehen, daß der Vorteil in diesem Moment eindeutig bei der Ukraine liegt.“
„Im weiteren Sinne war der außenpolitische Aspekt dieser Administration ein komplettes Desaster … Das Iran-Thema ist ein komplettes Desaster. Die Annäherung an Rußland war offensichtlich ein Fehler … Selenski, [früher] als Verlierer dargestellt, ist jetzt ein Gewinner — alles andere gilt jetzt als ‚Fehlentscheidungen‘ [Trumps]. In diesem Kontext braucht er [Trump] dringend einen Erfolg. Und die Ukraine beginnt, wie ein möglicher [Erfolg] auszusehen — indem er Lindsays Grahams Beerdigung nutzt, um auf eine erfolgreichere Strategie mit der Ukraine umzuschwenken. Der Tod kann sich als großer PR-Coup erweisen. Bingo. Ja. Rußland steckt in der Klemme.“
Natürlich ist es schockierend zu sehen, wie westliche Eliten durch unablässige PR-Arbeit manipuliert werden können. Doch Wolffs Kommentare sind mehr als bloße Klatschspalten-Trivialität. Sie spiegeln eine Massenpsychose wider, die um sich greift. Sie ist nicht rational, sondern wird von Interessen und geldmächtigen Zirkeln vorangetrieben, die ihre eigenen Zwecke verfolgen.
Man betrachte das Muster: Selenski will sich gegenüber Europa und Trump als „Sieger“ präsentieren. Europa drängt ihn, seine Raketen tief in das russische Hinterland zu feuern, um Rußland zu einem Waffenstillstand zu zwingen. Trump äußert beim G7 Zustimmung zu Angriffen auf russisches Territorium. Das erste Zahnrad greift mit Drohnenangriffen auf russische Raffinerien. Durch Trumps positive Worte beim G7 dreht sich das Zahnrad weiter, und die Eskalation hat nun das Niveau von Angriffen auf das zivile Leben in Rußland erreicht (den Verbraucher-Internethub Wildberries und Tötungen in Ferienlagern) — mit längerer Reichweite und größeren Gefechtköpfen.
Die Ukraine feuert synchron auf ein iranisches Schiff im Kaspischen Meer. Die IRGC droht mit Vergeltung. Die IRGC droht Großbritannien (und Zypern) wegen seiner schrittweise wachsenden Beteiligung am Krieg gegen Iran.
Europa behandelt Rußland als bluffe und dreht die Espirale von Raketenangriffen tief in russisches Territorium immer weiter. Rußland kann diese Angriffe jedoch nicht zulassen und deren Eskalation hinnehmen. Unterdessen gerät der Nahe Osten still und leise in Brand. Iran wird Trumps Nötigung nicht nachgeben; (China wird dem US-Sanktionsdruck ebensowenig nachgeben.)
Es gibt schlichtweg keine militärischen Lösungen für Trump. Das Beste, was er tun kann, ist, die Konflikte daran zu hindern, sich zu einem globalen Krieg zu verschmelzen.