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Anti Brumm ist eines der beliebtesten Mittel gegen Stech,ücken und Zecken. Erfunden hat es ein Schweizer Drogist – bei der Entwicklung spielte das US-Militär eine Rolle
Wenn ein Insektenschutzmittel es namentlich in die Reisehinweise des Auswärtigen Amtes schafft, dann ist der Hersteller vermutlich am Ziel angekommen. Der Marke Anti Brumm Forte ist das gelungen. Deren Wirkstoff, so heißt es in den entsprechenden Informationen des Amtes, sei „das Insektenabwehrmittel mit der am besten nachgewiesenen Wirksamkeit“. Bessere Werbung kann man in Deutschland für ein Mittel kaum machen.
Für die reisefreudigen Bundesbürger, die immer häufiger für Kurztrips oder längere Aufenthalte in tropische Länder aufbrechen, ist das Pumpspray mit dem Kinderbuchnamen ohnehin schon seit längerem zu einem Produkt geworden, an dem kaum jemand vorbeikommt. Aber auch beim ganz gewöhnlichen Urlaub in Oberbayern steckt es mittlerweile in jedem zweiten Wanderrucksack.
Wer sich vor Stechmücken oder Zecken schützen möchte, die Krankheiten übertragen können, der benutzt dafür in aller Regel ein sogenanntes Repellent, also ein Mittel, das auf den Körper oder die Kleidung aufgetragen wird und dafür sorgt, dass die Tiere sich dem Menschen gar nicht erst nähern. Jetzt in der Sommer-Reisesaison gehen diese Helfer massenhaft über den Ladentisch.
Entscheidend ist, was die Insekten wahrnehmen. Es ist der Körpergeruch, der die Mücken anlockt, und zwar unter Umständen auch dann, wenn der Mensch vorher geduscht hat. Stechmücken werden von einem bestimmten Mix aus Carbonsäuren angezogen, der zur Hautchemie des Menschen gehört. Doch dessen Geruch lässt sich überdecken – mit der richtigen Substanz.
Erfunden wurde das Ganze schon vor mehr als 60 Jahren, und zwar von einem Schweizer. Der Drogist Eduard Vogt aus Herrliberg im Kanton Zürich gründete 1957 eine Firma, die vor allem natürliche Körperpflegeprodukte verkaufte. Doch Vogt reiste gerne in ferne Länder und begann daher in seinem Labor nach einem Mittel zu forschen, mit dem sich Malaria-Mücken fernhalten lassen. Dem jungen Unternehmer kam zugute, dass die US-Armee inzwischen den Stoff Diethyltoluamid (DEET) zur zivilen Verwendung freigegeben hatte, eine chemische Substanz, die bereits in mehreren Kriegen von Soldaten genutzt worden war.
Vogt vermischte den Stoff mit ätherischen Ölen und nahm ihn 1972 – so berichtet es die „Neue Zürcher Zeitung“ – mit auf eine Safari-Reise in den Senegal. Als er sich mit der Lotion einrieb, blieben die Mücken auf Abstand und ließen den Drogisten in Ruhe. Die Mitreisenden waren beeindruckt, und angeblich entstand damals in der Runde der Afrika-Besucher auch der Name Anti Brumm.
Der Schweizer machte aus seiner Erfindung ein gut gehendes Unternehmen, das im Jahr 1982 vom Sohn des Erfinders übernommen wurde. Die Mixtur wurde verfeinert, es kamen neue Ausführungen hinzu. Varianten, die gegen Zecken optimiert wurden oder solche, die für empfindliche Haut besonders geeignet sind. In der Schweiz erarbeitete sich der Hersteller einen Marktanteil von 70 Prozent, und auch in Deutschland machte er dem Massenmarkthersteller Autan erfolgreich Konkurrenz. Bei den Sommerspielen 2016 in Rio wurde die Marke zum „offiziellen Mückenschutz der deutschen Olympiamannschaft“.
Anders als viele Konkurrenten wird Anti Brumm vorrangig in Apotheken vertrieben, was ihr die Aura des medizinisch erprobten Mittels gibt. Das schlägt sich allerdings auch im Preis nieder.
Im Jahr 2002 wurde die Eduard Vogt AG inklusive Anti Brumm von der Berner Pharmagruppe Galenica übernommen. Zu der gehört es nach wie vor, allerdings inzwischen als Teil von deren Tochter Verfora. Die exportiert das Mittel in Dutzende von Ländern, überall unter dem einprägsamen Schweizer Namen. In Deutschland läuft der Vertrieb über das Pullacher Unternehmen Hermes Arzneimittel.
Viel Werbung machen müssen die Anbieter von Anti Brumm nicht, das übernehmen die Tropeninstitute – und die Warenprüfer. Bei einem Test der Stiftung Warentest im April 2025 schnitt es von allen Mitteln am besten ab, allerdings war es auch mehr als doppelt so teuer wie die preisgünstigste Alternative. Vor allem die lange Wirkdauer von sieben Stunden und der Umstand, dass auch Gelbfieber übertragende Mücken abgehalten wurden, führten zu dem Testergebnis.
Ein Problem allerdings bleibt, und das hat mit dem Wirkstoff DEET zu tun: Die Substanz greift Kunststoffe an. Brillengestellte, Uhrenarmbänder oder bestimmte Kleidungsstücke können bei seinem Einsatz also beschädigt werden. Es ist ein wichtiger Nachteil, auf den auch das Auswärtige Amt hinweist.