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Pepe Escobar berichtet über weit fortgeschrittene Verhandlungen zwischen Iran und Oman. Teheran könnte die Kontrolle über den Schiffsverkehr übernehmen und Gebühren für Sicherheit, Verwaltung und Durchfahrt erheben. Gleichzeitig läuft am 16. August eine entscheidende diplomatische Frist ab.
In einem aktuellen Gespräch mit dem Format „Transition Protocol“ zeichnet der Journalist Pepe Escobar das Bild einer hektischen diplomatischen Offensive hinter den Kulissen. Im Zentrum stehen Iran, Pakistan, Oman, Saudi-Arabien und China – und die Frage, ob die Straße von Hormus künftig nach völlig neuen Regeln betrieben wird.
Escobar beruft sich dabei auf eigene Geheimdienst- und Diplomatenquellen. Seine Angaben sind bislang nicht offiziell bestätigt. Sollten sie zutreffen, wäre jedoch eine geopolitische Neuordnung im wichtigsten Energiekorridor der Welt im Gang.
Nach Escobars Darstellung verhandeln Iran und Oman derzeit unmittelbar über die künftige Kontrolle der Schifffahrt in der Straße von Hormus. Die Gespräche seien technisch, detailliert und bereits weit fortgeschritten.
Das diskutierte Modell sehe vor, dass Iran die Kontrolle über den einlaufenden Schiffsverkehr übernimmt. Oman solle den auslaufenden Verkehr koordinieren – allerdings unter iranischer Aufsicht.
Damit würden die beiden Anrainerstaaten der Meerenge praktisch selbst festlegen, wer die Passage kontrolliert, wie sie verwaltet wird und welche Bedingungen für die Durchfahrt gelten.
Escobar begründet dieses Modell mit der geografischen und völkerrechtlichen Situation der Meerenge. Der nördliche Teil der Straße von Hormus liegt in iranischen Hoheitsgewässern, der südliche Teil in omanischen Hoheitsgewässern.
Aus Sicht Teherans und Maskats handele es sich daher nicht um ein Gebiet, über dessen Verwaltung allein externe Mächte entscheiden könnten. Eine bilaterale Regelung zwischen Iran und Oman würde den USA und anderen westlichen Staaten anschließend als vollendete Tatsache präsentiert.
Escobar hält eine Einigung innerhalb weniger Tage für möglich. Er spricht von einer „sehr hohen“ Wahrscheinlichkeit, dass die Vereinbarung zustande kommt.
Von einem bereits abgeschlossenen Deal kann nach dem Wortlaut des Interviews allerdings noch nicht gesprochen werden. Die Richtung der Verhandlungen scheint dennoch eindeutig zu sein: Iran will aus der bisherigen militärischen Konfrontation eine dauerhafte politische und wirtschaftliche Kontrolle über die Meerenge ableiten.
Besonders weitreichend ist Escobars Aussage, dass die neue Regelung Gebühren enthalten soll. Genannt werden Verwaltungs-, Management- und Sicherheitsgebühren.
Wie hoch diese Abgaben ausfallen könnten, wer sie bezahlen müsste und ob sie für alle Schiffe gleichermaßen gelten würden, bleibt offen. Klar ist jedoch die strategische Bedeutung des Vorhabens.
Iran würde die Straße von Hormus damit nicht nur militärisch kontrollieren, sondern aus dieser Kontrolle ein dauerhaftes Einnahme- und Machtinstrument machen.
Schiffe, Reedereien und möglicherweise auch einzelne Staaten könnten künftig für die gesicherte Passage bezahlen müssen. Aus einer Meerenge, die jahrzehntelang unter dem faktischen Schutz der US-Marine stand, würde damit ein von Iran und Oman verwalteter Korridor werden.
Teheran hätte erreicht, was Washington mit militärischem Druck eigentlich verhindern wollte: die formelle Anerkennung der iranischen Schlüsselrolle in der Straße von Hormus.
Parallel zu den Verhandlungen mit Oman läuft eine zweite diplomatische Uhr. Am 16. August endet nach Escobars Darstellung die 60-tägige Frist, die nach einem zwischen Iran und den USA vereinbarten Memorandum of Understanding begonnen hatte.
Dieses Memorandum bezeichnet Escobar wiederholt ironisch als „tote Katze“, weil es in den vergangenen Wochen mehrfach für politisch tot erklärt worden sei, aber noch immer nicht vollständig verschwunden sei.
Das Abkommen sollte offenbar die Grundlage für weitere Gespräche zwischen Iran und den USA bilden. Dazu gehörten laut Escobar ein Ende der Kriegshandlungen, die Aufhebung von Sanktionen und die Freigabe eingefrorener iranischer Gelder.
Teheran stelle deshalb keine neuen Forderungen, wie es teilweise in US-Medien dargestellt werde. Iran verlange lediglich die Umsetzung jener Verpflichtungen, die bereits in dem Memorandum festgehalten worden seien.
Das Problem bestehe nach Escobars Darstellung darin, dass Washington das Abkommen zwar unterschrieben, die darin enthaltenen Verpflichtungen aber nie ernsthaft habe erfüllen wollen.
Eine Schlüsselrolle spielt dabei Pakistan. Der pakistanische Außenminister Ishaq Dar soll seinen iranischen Amtskollegen Abbas Araghtschi zu Gesprächen nach Islamabad eingeladen haben.
Noch bedeutender ist eine mögliche Reise des iranischen Parlamentspräsidenten Mohammad Bagher Ghalibaf nach Pakistan. Nach Angaben Escobars soll Ghalibaf am 14. August, dem pakistanischen Unabhängigkeitstag, als hochrangiger Gast in Islamabad eintreffen.
Ein solcher Besuch wäre ungewöhnlich, weil der pakistanische Unabhängigkeitstag normalerweise vor allem innenpolitisch und zeremoniell begangen wird.
Der Termin wäre jedoch bewusst gewählt. Ghalibaf könnte bis zum 16. August in Pakistan bleiben – genau bis zu jenem Tag, an dem die 60-Tage-Frist des iranisch-amerikanischen Memorandums ausläuft.
In Islamabad könnte dann entschieden werden, ob das Abkommen endgültig für gescheitert erklärt, verlängert oder in eine neue Verhandlungsrunde überführt wird.
Escobar hält es für möglich, dass die Gespräche ausgerechnet an jenem Tag neu beginnen, an dem die bisherige Frist endet.
Die wohl überraschendste Entwicklung betrifft Saudi-Arabien. Nach Angaben Escobars fand ein Dreiergespräch zwischen Irans Außenminister Araghtschi, dem pakistanischen Armeechef Asim Munir und dem saudischen Außenminister Faisal bin Farhan statt.
Das Gespräch sei von großer Bedeutung, weil Saudi-Arabien damit faktisch in die diplomatische Vermittlung zwischen Iran und den USA eingestiegen sei.
Riad habe erkannt, dass eine erneute amerikanische Eskalation gegen Iran vor allem die Golfstaaten treffen würde. Saudi-Arabien könne und wolle den wirtschaftlichen und militärischen Preis eines weiteren Krieges nicht bezahlen.
Im Interview wird zudem behauptet, der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman habe US-Präsident Donald Trump persönlich vor einer neuen Eskalation gewarnt.
Die Botschaft soll eindeutig gewesen sein: Sollte Washington erneut angreifen, werde es weitgehend allein handeln müssen. Saudi-Arabien sei nicht bereit, seine Infrastruktur, seine Luftwaffenstützpunkte und möglicherweise auch seinen Luftraum für ein neues militärisches Abenteuer zur Verfügung zu stellen.
Der Gesprächspartner Escobars behauptet sogar, Mohammed bin Salman habe Trump indirekt mitgeteilt, der saudische Luftraum könne für einen Angriff gesperrt werden.
Diese Darstellung ist nicht unabhängig bestätigt. Sollte sie stimmen, wäre sie jedoch ein bemerkenswerter Bruch mit der bisherigen regionalen Sicherheitsordnung.
Auch Pakistans Armeechef Asim Munir soll massiven Druck auf Trump ausgeübt haben. Im Interview wird behauptet, Munir habe dem US-Präsidenten erklärt: „Die Zeit der Eskalation ist vorbei.“
Trump messe Munir offenbar besonderes Gewicht bei, weil er ihn als glaubwürdigen Vermittler zwischen Washington und Teheran betrachte.
Pakistan ist dabei nicht nur Vermittler, sondern entwickelt sich immer stärker zum Zentrum einer neuen regionalen Achse: Iran, Pakistan, Saudi-Arabien, Oman und Katar koordinieren ihre Positionen, während China im Hintergrund politische Rückendeckung gibt.
Das gemeinsame Ziel scheint zu sein, einen neuen Krieg zu verhindern und gleichzeitig die regionale Ordnung nicht länger allein von Washington bestimmen zu lassen.
Escobar sieht China als den entscheidenden, aber unsichtbaren Akteur hinter der gesamten Entwicklung.
Ein Angriff auf Iran sei aus chinesischer Sicht immer auch ein Angriff auf chinesische Interessen. Dabei gehe es nicht nur um Energieimporte, sondern um die strategische Partnerschaft zwischen China und Iran, die Neue Seidenstraße, die BRICS-Strukturen und die wirtschaftliche Integration Eurasiens.
Peking werde eine militärische Niederlage Irans, einen Regimewechsel oder den Zerfall des Landes nicht zulassen, so Escobar.
China gehe dabei nicht mit öffentlichkeitswirksamen Drohungen vor, sondern mit diskreter diplomatischer, wirtschaftlicher und militärischer Unterstützung.
Pakistan spiele in diesem System die Rolle eines Verbindungsglieds zwischen China und Iran. Im Interview wird behauptet, chinesische militärische Technologie und elektronische Systeme seien über Pakistan nach Iran gelangt.
Konkret ist von der Integration chinesischer Satelliten- und elektronischer Kriegführungssysteme die Rede. Auch diese Angaben stammen aus anonymen Quellen und sind bisher nicht offiziell bestätigt.
Nach Darstellung der Gesprächspartner prüfen alle beteiligten Seiten inzwischen eine Lösung ohne weitere militärische Angriffe.
Iran, Pakistan, Saudi-Arabien, Katar, Oman und die USA stünden über verschiedene Kanäle miteinander in Verbindung. Die Wahrscheinlichkeit einer diplomatischen Lösung sei gestiegen.
Das wäre tatsächlich bemerkenswert. Denn die bisherige amerikanische Strategie beruhte auf der Annahme, Iran durch militärischen und wirtschaftlichen Druck zu Zugeständnissen zwingen zu können.
Nun könnte das Gegenteil eingetreten sein.
Iran hat die Straße von Hormus als strategisches Druckmittel genutzt. Die Golfstaaten fürchten um ihre Energieanlagen. Pakistan vermittelt. China stärkt Teheran im Hintergrund. Und Washington muss möglicherweise akzeptieren, dass es die Bedingungen nicht mehr allein diktieren kann.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr nur, ob die Straße von Hormus wieder vollständig geöffnet wird.
Entscheidend ist, unter wessen Bedingungen sie geöffnet wird.
Sollte sich das von Escobar beschriebene Modell durchsetzen, würde Iran als Gewinner aus der Konfrontation hervorgehen. Teheran hätte die Kontrolle über den einlaufenden Schiffsverkehr, könnte Sicherheits- und Verwaltungsgebühren erheben und würde als unverzichtbare Ordnungsmacht der Meerenge anerkannt.
Die USA hätten zwar möglicherweise eine militärische Eskalation vermieden, aber gleichzeitig einen strategischen Machtverlust erlitten.
Jahrzehntelang beanspruchte Washington, die freie Schifffahrt in der Golfregion garantieren zu müssen. Künftig könnten Iran und Oman diese Aufgabe selbst übernehmen – und sich dafür bezahlen lassen.
Trotz der dramatischen Aussagen des Interviews bleibt Vorsicht geboten. Weder die angebliche Einigung zwischen Iran und Oman noch die beschriebenen Telefonate und Drohungen sind bislang offiziell dokumentiert.
Auch die Reisen der iranischen Spitzenpolitiker nach Islamabad waren zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht bestätigt.
Die kommenden Tage dürften deshalb entscheidend sein.
Sollte Irans Außenminister tatsächlich nach Pakistan reisen und Ghalibaf am 14. August in Islamabad eintreffen, wäre dies ein deutliches Zeichen dafür, dass die Vermittlung in die entscheidende Phase geht.
Am 16. August könnte dann feststehen, ob das bisherige Memorandum endgültig gescheitert ist – oder ob es als Grundlage für eine neue regionale Ordnung wiederbelebt wird.
Fest steht bereits jetzt: Die Straße von Hormus ist längst nicht mehr nur eine Schifffahrtsroute. Sie ist zum Hebel geworden, mit dem Iran versucht, die politische, militärische und wirtschaftliche Machtbalance im gesamten Nahen Osten neu zu definieren.
Und sollte Teheran künftig tatsächlich Gebühren für die Passage verlangen können, wäre das die vielleicht deutlichste Botschaft dieses Krieges. Nicht Washington, sondern Iran bestimmt dann den Preis für die Sicherheit im Persischen Golf.