Warum das US-Militär vernichtet werden muss | Von Dirk Ellerbrock

Warum das US-Militär vernichtet werden muss | Von Dirk Ellerbrock

Das US-Militär ist mehr als nur ein Verteidigungsinstrument. Es ist der bewaffnete Arm eines globalen Hegemonialsystems, das auf permanenter Konflikterhaltung basiert – nicht auf Frieden.

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Ein Meinungsbeitrag von Dirk Ellerbrock.

Eine strategische Notwendigkeit, kein Racheakt

Das US-Militär ist mehr als nur ein Verteidigungsinstrument. Es ist der bewaffnete Arm eines globalen Hegemonialsystems, das auf permanenter Konflikterhaltung basiert – nicht auf Frieden. Wer diesen Kriegszustand beenden will, muss die Fähigkeit des Systems, ihn aufrechtzuerhalten, zerschlagen. Das ist keine Frage von Hass, sondern von strategischer Logik.

These 1: Das US-Militärsystem ist auf ewige Konflikte ausgelegt

Die Vereinigten Staaten haben in den letzten Jahrzehnten keinen Krieg wirklich beendet – sie haben ihn lediglich in andere Formen überführt. Wie Sharmine Narwani, Redakteurin bei The Cradle, in einem Gespräch mit Danny Haiphong betont:

„Die Amerikaner können auf Sabotage zurückgreifen, auf Stellvertreterkriege, auf blanken Terrorismus. Das ist eine Fortsetzung des Krieges. […] Man kann den Krieg nicht beenden, wenn eine Partei ihre Niederlage niemals akzeptieren wird.“

Selbst wenn formelle Abkommen geschlossen werden – wie das iranische Memorandum of Understanding – bleiben sie wertlos, wenn eine Seite sie nach Belieben aufkündigt, sobald es ihren Interessen dient. Die USA haben das JCPOA 2018 einseitig verlassen, sie haben Afghanistan nicht befriedet, sondern die Region destabilisiert zurückgelassen. Das ist kein Versagen – es ist System.

Die Doktrin der USA, so Narwani, sei nicht auf Sieg, sondern auf Chaos ausgelegt – denn Chaos verhindert, dass Staaten Souveränität, wirtschaftliche Unabhängigkeit und militärische Stärke aufbauen können. Wer diesen Zustand beenden will, muss das Werkzeug zerstören, das ihn produziert.

These 2: Der Petrodollar als Achillesferse – und die Weigerung der USA, ihn aufzugeben

Die US-Militärmacht ruht auf einer wirtschaftlichen Basis: dem Dollar als globale Reservewährung. Ohne diese Sonderstellung könnte sich Washington seine weltweiten Interventionen schlicht nicht leisten. Narwani stellt klar:

„Der einfachste Weg, die Amerikaner zu besiegen, ist, dass der Dollar seine Stellung als globale Reservewährung verliert. […] Die USA sind ein völlig pleites Land (39 Billionen Dollar Staatsschulden). Nehmt ihm den Status als Reservewährung, dann bricht der Dollar zusammen.“

Die USA kämpfen nicht nur militärisch – sie kämpfen um die Aufrechterhaltung eines Finanzsystems, das ihnen erlaubt, Schulden zu machen, ohne zu zahlen. Das ist der Kern des Petrodollar-Systems: Öl wird in Dollar gehandelt, Staaten müssen Dollar halten, der Dollar bleibt stark, die USA finanzieren ihre Kriege.

Doch dieser Kreislauf ist verwundbar. Wenn die Straße von Hormus – durch die ein Großteil des globalen Ölhandels fließt – nicht mehr in Dollar abgerechnet wird, bricht das System zusammen. Narwani sieht genau hier die entscheidende Hebelwirkung: Iran kontrolliere faktisch die Wasserstraße und könne darüber die globale Energieversorgung beeinflussen.

Eine „Vernichtung“ des US-Militärs bedeutet in diesem Kontext nicht die physische Auslöschung von Soldaten, sondern die Zerstörung seiner wirtschaftlichen Einsatzfähigkeit. Das ist keine Rhetorik, sondern realpolitische Konsequenz.

These 3: Historisch zeigt sich: Nur militärischer Druck zwingt die USA zum Rückzug

Die USA reagieren nicht auf Diplomatie, sondern auf Schmerz. Narwani verweist auf historische Beispiele:

„Wenn keine amerikanischen Soldaten sterben, werden sie niemals aufhören.“

Beirut 1983: Nach dem Anschlag auf die US-Marinekaserne zogen die USA ab.

Somalia 1993: Nach dem „Black Hawk Down“-Vorfall beendeten sie die Mission.

Irak 2011: Nach jahrelangem Widerstand und steigenden Verlusten zogen sie sich zurück – zumindest teilweise.

Die Logik ist einfach: Die US-Öffentlichkeit toleriert keine langen, blutigen Kriege. Wer also die US-Militärpräsenz in einer Region beenden will, muss sie militärisch so treffen, dass der politische Preis untragbar wird. Narwani fordert daher:

„Ich möchte mehr proaktive Maßnahmen des Iran sehen. Ich möchte sehen, dass die Iraner eskalieren auf sehr, sehr kluge und kalkulierte Weise. Ich möchte sehen, dass sie die Amerikaner an verschiedenen Schauplätzen ausstechen.“

Das bedeutet: Zerstörung von Flugzeugträgern, Radarsystemen, Logistikbasen – nicht aus Blutdurst, sondern weil dies die einzige Sprache ist, die das Imperium versteht.

These 4: Der globale Süden hat ein rationales Interesse am Ende der US-Hegemonie

Die Forderung nach einer Vernichtung der US-Militärmacht ist kein iranischer Alleingang. Sie entspricht den Interessen vieler Staaten, die unter US-Sanktionen, Stützpunkten und Einmischung leiden. Narwani betont:

„Iran wird nicht mehr mit Sanktionen zu belegen sein. […] Dadurch werden die psychologischen Barrieren durchbrochen, die Länder des globalen Südens davon abhalten, das Imperium herauszufordern.“

Die multipolare Welt ist keine Utopie – sie entsteht bereits. China, Russland, Iran und andere BRICS-Staaten koordinieren zunehmend ihre maritime Sicherheit, wie die gemeinsamen Manöver in der Straße von Hormus zeigen. Indien, Pakistan und die Türkei suchen Alternativen zum Dollar. Selbst europäische Staaten sind unsicher, ob sie weiterhin im Schlepptau der USA bleiben wollen.

Ein Ende der US-Militärhegemonie würde nicht Chaos bringen, sondern Ordnung – eine, in der nicht ein einzelnes Land über Krieg und Frieden entscheidet. Das ist der eigentliche Kern der „Vernichtung“: die Entwaffnung einer globalen Interventionsmaschine, damit souveräne Staaten ihren eigenen Weg gehen können.

Fazit: „Vernichtung“ bedeutet Entmachtung, nicht Auslöschung

Der Titel mag provozieren – aber die Argumentation ist nüchtern:

  1. Das US-Militärsystem ist strukturell auf ewige Konflikte ausgelegt.
  2. Es wird wirtschaftlich durch den Petrodollar am Leben gehalten.
  3. Nur militärischer Druck hat historisch zu US-Rückzügen geführt.
  4. Die Weltmehrheit hat ein rationales Interesse an einem Ende dieser Hegemonie.

Narwanis Schluss ist konsequent:

„Die Amerikaner werden niemals bereit sein zu gehen. Die Israelis werden ihnen niemals erlauben, diese Region zu verlassen. Wir müssen diesen Krieg entschlossen beenden.“

„Vernichtung“ bedeutet nicht Völkermord, nicht die Tötung von Soldaten um ihrer selbst willen. Es bedeutet die Zerschlagung der Fähigkeit der USA, weltweit Kriege zu führen, zu finanzieren und aufrechtzuerhalten. Das ist eine strategische Notwendigkeit – für den Iran, für Westasien, für eine multipolare Welt.



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Bildquelle: andysavchenko / shutterstock

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Quelle:

Sharmine Narwani ist Redakteurin bei The Cradle. Die hier zitierten Aussagen stammen aus ihrem Gespräch mit Danny Haiphong vom 4. August 2026.
https://www.youtube.com/watch?v=kAGtDjzRdIk

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