Leipziger Drohnenaffäre: Eine Frage der Perspektive

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George Austerfield

Der deutschen Bevölkerung wird Angst eingeflößt, womit der Weg für mehr staatliche Kontrolle und Militarisierung geebnet wird.

Deutschland befindet sich derzeit gewissermaßen in einem Zustand der Panik. Dank einer Drohne, die ein Busfahrer am Flughafen Leipzig aus der Luft trat, konnte die Flughafensicherheit sie entdecken. Irgendwie bekamen die Medien Wind von der Nachricht, wie es die Medien gewöhnlich tun, und sie verbreitete sich landesweit über sämtliche Kanäle und Talkshows.

Ein Flugzeug der armen Ukrainer – wahrscheinlich nicht mit militärischer Ausrüstung beladen – wurde auf verabscheuungswürdig hinterhältige Weise angegriffen, und das auf deutschem Boden.

Da die offiziellen Ermittlungen noch laufen und noch kein abschließendes Ergebnis veröffentlicht wurde, können wir uns nur auf die Spekulationen der Medien konzentrieren, die wie Pilze nach dem Regen aus dem Boden schießen.

Der übliche Schuldige war schnell gefunden, versehen mit einem Feigenblatt des Zweifels: Russland.

Die Tatsache, dass die Drohne nicht von russischem Territorium aus geflogen sein konnte, wurde in den Diskussionen ignoriert, denn das würde Täter näher an der Heimat nahelegen.

Auch die Vorstellung, dass es sich um eine von den Ukrainern inszenierte False-Flag-Operation handeln könnte, wird weitgehend ignoriert.

Die Tatsache, dass Russland keinen solchen Aufwand betreiben müsste, um zu verhindern, dass gespendete Güter die Ukraine erreichen, scheint ebenfalls keine Rolle zu spielen. Zu warten, bis die Sachen entladen sind, und die Fracht anschließend nach dem üblichen Verfahren zu behandeln – also sie mit einer professionellen Drohne in die Luft zu sprengen –, erscheint zumindest einem interessierten Außenstehenden wesentlich einfacher und ist eine erprobte Methode.

Die eigentlichen Fragen müssen also gestellt werden und werden vermutlich auch gestellt, allerdings auf einer höheren und weniger öffentlichen Ebene.

Ich jedenfalls würde, wenn ich in der entsprechenden Position wäre, gerne verstehen, wie ein solches Fluggerät überhaupt dieses Flugzeug erreichen konnte. Der Flughafen Leipzig ist eines der großen Frachtdrehkreuze Deutschlands und eines der wichtigsten Zentren für den Versand von Gütern in die Ukraine. Wir haben also massive Sicherheitsprobleme.

Als Nächstes müsste die Frage auf der Liste stehen, wie Flughäfen gegen das Eindringen von Drohnen geschützt werden können – unabhängig von Motiv und Eigentümer. Hunderte solcher Vorfälle werden jedes Jahr gemeldet, wenn auch ohne daran befestigten Sprengstoff. Bis heute wurde keine funktionierende Strategie entwickelt, wie mit solchen Vorfällen umzugehen ist.

Die Tatsache, dass kleine Terrorzellen innerhalb Deutschlands in der Lage waren, Bahnverbindungen zu unterbrechen, indem sie elektronische Kabel und Leitungen entlang der Strecken sprengten, und durch einen Brand in Kabelschächten einen Stromausfall in Berlin verursachten, lässt einen fragen, wie es möglich sein soll, dass Russland mit all seinen verfügbaren Fähigkeiten daran gescheitert ist, dieses Flugzeug in die Luft zu sprengen – und darüber hinaus überhaupt ein derart amateurhaftes Gerät eingesetzt haben soll. Die offenbar angebrachte Sprengstoffladung hätte auf einer offenen Fläche nicht dieselbe verheerende Wirkung gehabt wie etwas, das in der Fracht versteckt gewesen wäre. Aber vergessen wir nicht: Der Busfahrer trat das Ding ins Aus, bevor es unangenehm werden konnte.

Jetzt fehlt nur noch, dass man eine russische Namenskarte oder einen russischen Pass findet, der unter der Drohne feststeckt. Das ist schon einmal passiert.

Am Ende des Tages ist derzeit also nichts sicher. Es bleiben lediglich die Möglichkeiten einer russischen Provokation, einer False-Flag-Operation der Ukrainer oder eines Angriffs durch irgendeine andere Terrorzelle. Da die Drohne gestoppt wurde, weiß man nicht mit Sicherheit, ob sie unter dem ukrainischen Flugzeug angehalten hätte oder noch weitergeflogen wäre.

Eines geschieht jetzt, wie zu erwarten war: der Ruf nach mehr Sicherheit und nach einer Ausweitung der Befugnisse der Nachrichtendienste. Deren Aktivitäten sind durch deutsches Recht streng eingeschränkt – eine Tatsache, die viele Politiker ändern wollen. Eine solche Situation ist, gelinde gesagt, hilfreich.

Das andere, was geschieht, ist die Erzeugung der nächsten Stufe der Angst, die der deutschen Bevölkerung ohnehin eingeflößt wird und die den Weg für mehr staatliche Kontrolle und Militarisierung ebnet.

Damit bietet sich noch eine weitere Möglichkeit an: eine hausgemachte Angelegenheit, um die Politik einiger Hardliner innerhalb Deutschlands voranzutreiben, das Narrativ zu formen und die öffentliche Unterstützung für die politischen Vorstellungen der kriegstreiberischen Clique in den Regierungskorridoren der Macht zu erhöhen – insbesondere angesichts der bevorstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt, wo, das sollte man nicht vergessen, eine Antikriegsposition und eine auf Diplomatie gegenüber Russland ausgerichtete Haltung einer politischen Partei zum Sieg verhelfen könnte, unter anderem gerade aufgrund dieser Position.

Könnte schon einmal passiert sein.

Könnte wieder passieren.

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