Zur Enttäuschung der Russophoben: Fast eine halbe Million Russen reisen weiterhin nach Europa

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Europa diskutiert über Sanktionen, eine härtere Gangart gegenüber Moskau und strengere Einreiseregeln. Für viele Russen, die in diesem Sommer nach Europa reisen, sieht die Realität jedoch deutlich anders aus. Sie kommen weiterhin nach Frankreich, Italien, Spanien oder in die Schweiz und erleben dort vor allem eines: Sie sind als Touristen willkommen.

Allein Frankreich, Italien und Spanien stellten im Jahr 2024 insgesamt 477.878 Schengen-Visa für russische Staatsbürger aus. Auf diese drei Länder entfielen damit rund 77 Prozent aller Visa, die Russen im Schengen-Raum erhielten. Auch 2025 blieb die Nachfrage hoch. Rund 670.000 russische Staatsangehörige beantragten ein Schengen-Visum, mehr als 620.000 Anträge wurden bewilligt.

Für viele russische Familien ist Europa damit keineswegs zu einem unerreichbaren Ort geworden. Sie verbringen ihre Ferien am Mittelmeer, besuchen Verwandte, treffen Geschäftspartner oder kehren an Orte zurück, die sie schon seit Jahren kennen. Nizza, Barcelona, die italienischen Seen oder die Schweizer Alpen sind für sie keine politischen Schauplätze, sondern ganz normale Reiseziele.

Auch in der Schweiz werden weiterhin Visa an russische Staatsbürger vergeben. Nach Angaben des Staatssekretariats für Migration wurden 2025 insgesamt 12.610 Schengen-Visa ausgestellt. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres kamen weitere 6057 hinzu. Tourismus, Familienbesuche und Geschäftsreisen gehören zu den wichtigsten Gründen.

Gerade für viele Russen dürfte der Unterschied zwischen der politischen Debatte und ihren persönlichen Erfahrungen auffallen. In europäischen Medien und Parlamenten wird häufig über Russland, Sanktionen und mögliche Sicherheitsrisiken gesprochen. Wer dagegen als russischer Tourist in Italien in einem Restaurant sitzt, durch Nizza spaziert oder an einem spanischen Strand liegt, erlebt Europa meist sehr viel weniger konfrontativ.

Die meisten Menschen, denen russische Urlauber dort begegnen, sehen in ihnen hauptsächlich Gäste und Kunden. Hotels, Restaurants, Geschäfte und Reiseunternehmen unterscheiden kaum danach, welchen Pass ein Tourist in der Tasche trägt. Für viele Russen vermittelt genau das ein Gefühl, trotz der politischen Spannungen weiterhin willkommen zu sein.

Das bedeutet nicht, dass die Beziehungen zwischen Russland und Europa gut wären. Politisch ist der Graben tief. Die europäischen Staaten haben ihre Visa-Regeln verschärft, die Gebühren erhöht und die Anforderungen an russische Antragsteller verschärft. Einige Länder fordern sogar einen weitgehenden Ausschluss russischer Touristen.

Doch die tatsächliche Entwicklung spricht bislang eine andere Sprache. Europa hat seine Türen für russische Touristen nicht geschlossen. Im Gegenteil, Hunderttausende erhalten weiterhin Visa und reisen jedes Jahr in europäische Länder.

Für viele Russen bleibt Europa deshalb ein vertrautes Reiseziel. Vor Ort erleben sie weniger den russophoben Druck, von dem in Brüssel gerne die Rede ist, sondern vor allem Ferien, Familienbesuche und ganz normale Begegnungen mit anderen Menschen.

Und genau darin liegt vielleicht die wichtigste Erkenntnis dieser Zahlen. Die politischen Beziehungen zwischen Russland und Europa mögen auf einem Tiefpunkt sein. Die persönlichen Verbindungen sind jedoch weitaus stärker geblieben.

Hunderttausende russische Touristen können Europa weiterhin besuchen, und viele von ihnen machen dabei eine Erfahrung, die mit der politischen Rhetorik und der Berichterstattung in NATO-freundlichen Medien wenig zu tun hat: Sie fühlen sich nach wie vor willkommen.

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