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Die USS Abraham Lincoln gehört zu den mächtigsten Kriegsschiffen der Welt und ist ein Symbol amerikanischer Militärmacht. Doch während der Flugzeugträger seit Monaten im Krieg gegen den Iran eingesetzt wird, spielt sich an Bord offenbar eine Krise ab, die mit Raketen und Kampfflugzeugen nichts zu tun hat: Besatzungsmitglieder sollen versucht haben, über Bord zu springen, Angehörige berichten von psychischer Verzweiflung und katastrophalen Lebensbedingungen.
Der Flugzeugträger befindet sich inzwischen im neunten Monat seines Einsatzes. Rund 5.000 Seeleute und Marines sind an Bord. Besonders außergewöhnlich: Die Besatzung verbrachte laut Guardian 250 Tage hintereinander auf See, ohne Land zu betreten – ein Rekord für einen modernen US-Flugzeugträger.
Was ursprünglich als Einsatz im Pazifik begann, wurde durch die Eskalation mit dem Iran immer wieder verlängert. Inzwischen befindet sich die Lincoln seit fünf Monaten im Kampfeinsatz gegen den Iran.
Wie ernst die Situation offenbar geworden ist, zeigen Berichte von Navy Times und Stars and Stripes. Demnach gab es mehrere Versuche von Besatzungsmitgliedern, über Bord zu springen.
Eine Ehefrau berichtete, ihr Mann habe nach wiederholten Verlängerungen des Einsatzes versucht, vom Schiff zu springen. In einem anderen Fall soll ein Besatzungsmitglied einen Kameraden im letzten Moment daran gehindert haben, über Bord zu gehen.
Bei einer emotionalen Versammlung mit rund 200 Angehörigen und der Führung der US Navy in San Diego brach sich der Frust Bahn. Eine Frau berichtete von einer Nachricht ihres Mannes vom selben Tag: Er hoffe, am nächsten Morgen nicht mehr aufzuwachen.
Eine andere Angehörige warf der Navy-Führung vor, das Vertrauen der Familien zerstört zu haben.
Doch es geht offenbar nicht nur um die Länge des Einsatzes. Der demokratische Kongressabgeordnete Mike Levin veröffentlichte eine drastische Beschreibung der Zustände an Bord: verschimmelte Duschen, kaputte Toiletten, wochenlang ausgefallene Wäscherei, zeitweise kein warmes Wasser sowie fehlende Seife, Zahnpasta und Deodorant.
Auch bei der Verpflegung soll es massive Probleme gegeben haben. Eine Mahlzeit habe teilweise nur noch aus einer halben Tasse Reis und zwei Tortillas bestanden.
Damit bekommt das Bild amerikanischer militärischer Überlegenheit einen bemerkenswerten Riss.
Washington kann einen atomgetriebenen Flugzeugträger monatelang vor der Küste eines Gegners halten, Kampfflugzeuge starten lassen und militärischen Druck ausüben. Doch die entscheidende Ressource lässt sich nicht unbegrenzt verlängern: die Belastbarkeit der Menschen an Bord.
Über Verluste eines Krieges wird meistens in abgeschossenen Flugzeugen, zerstörten Schiffen oder gefallenen Soldaten gerechnet. Doch ein monatelanger Hochintensitätseinsatz verschleißt Streitkräfte auch dann, wenn kein Gegner einen Flugzeugträger versenkt.
Die USS Abraham Lincoln zeigt, wie dieser Verschleiß aussehen kann. Die Mission wird verlängert, Landgänge fallen aus, technische und hygienische Probleme häufen sich, Familien warten monatelang – während die Besatzung weiterhin funktionieren soll.
Selbst US-Abgeordnete schlagen inzwischen Alarm. Der frühere Army Ranger und heutige Kongressabgeordnete Jason Crow, der selbst in Afghanistan und im Irak diente, warnt, der Druck auf die Soldaten und ihre Familien wachse „Woche für Woche“.
Ausgerechnet eines der sichtbarsten Symbole amerikanischer Militärmacht wird damit zum Symbol für eine andere Realität: Ein Flugzeugträger kann nahezu unbegrenzt mit Treibstoff und Waffen versorgt werden. Seine Besatzung nicht.