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Die nationale Reiseroute „Der Goldene Ring Russlands“ steht vor einer strukturellen Umgestaltung. Anlässlich ihres 60-jährigen Jubiläums im Jahr 2027 wird ihr Einzugsgebiet von 9 auf 49 Ortschaften erweitert. Und Auslöser dafür war ein vom Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung initiiertes Rebranding. Das von lokalen Künstlern entworfene Logo in Form einer goldenen Scheibe wurde kürzlich auf dem Forum „Reise!“ vorgestellt.
Als sich das für das Rebranding engagierte Team jedoch intensiv mit den Themen und Bedeutungen der Städte befasste, aus denen sich die Route des Goldenen Rings zusammensetzt, wurde allen klar, dass es nicht nur darum ging, das Logo zu ändern, sondern die gesamte nationale Route neu zu konzipieren. Maria Kiselewa, strategische Partnerin bei Trends Travel Consulting, berichtet:
„Der Markt begeht oft den Fehler, die Unternehmensidentität, also das Gesicht einer Marke, als rein grafisches Element zu betrachten. Dabei ist dies nur die Spitze des Eisbergs, unter der sich ein ganzes Universum an Begriffen verbirgt. Als das Ministerium für wirtschaftliche Entwicklung das Rebranding-Projekt für den Goldenen Ring initiierte, stand viel auf dem Spiel. Die Schaffung einer wettbewerbsfähigen Markenidentität für Landesregionen ist ohne eine vielschichtige Analyse generell unmöglich.
Wir gingen also einen unkonventionellen Weg, verzichteten auf kühles Design zugunsten kultureller Archäologie und zogen Anthropologen, Regionalforscher, Volkskundler und lokale Künstler hinzu.
Im Laufe unserer Expeditionen durch Zentralrussland wurde deutlich: Die territoriale Identität basiert hier auf Mythologie. Schließlich stießen wir auf den Archetyp des ‚magischen Tellers mit dem rollenden Apfel‚ – im Grunde eine uralte ‚Schnittstelle‚, die die Welt des Reisens eröffnet. Im Märchen rollte das Äpfelchen über den Teller und zeigte seiner Besitzerin ferne Städte, Meere und Berge, Menschen und Ereignisse in anderen Ländern – durch dieses magische Instrument eröffnete sich die ganze Welt.“
Wie Maria erzählt, dienten dem Team bei der Arbeit an neuen Interpretationen des Goldenen Rings die Werke von Wladimir Propp als Ausgangspunkt, der das Märchen als Spiegelbild alter Vorstellungen und sozialer Praktiken betrachtet. Indem nun Propps Wissenschaft mit den Herausforderungen des Tourismusmarktes verbunden wird, verwandelt sich der Goldene Ring von einem historischen Erbe in ein „lebendiges, immer wieder neu erzähltes Märchen und eine spannende Reise“.
Und dieses Märchen wird immer umfassender. So wurde in diesem Sommer bereits eine weitere alte russische Stadt – Twer – in den Goldenen Ring aufgenommen. Doch das ist noch nicht das Ende. Eine weitere Erweiterung ist geplant. Im Jahr 2027 werden die Nationalparks Pleschejewo-See und Meschera in den Goldenen Ring aufgenommen, womit die Route selbst auf 49 Städte anwachsen wird.
Der Goldene Ring Russlands ist eine touristische Route, die die alten Städte Nordostrusslands verbindet, in denen einzigartige Denkmäler der Architektur, Geschichte und Kultur erhalten geblieben sind. Viele dieser Städte sind Zentren des Volkshandwerks. Die Geschichte der Route begann im Jahr 1965, als der Kunsthistoriker und Journalist Juri Bytchkow im Auftrag der Redaktion der Zeitung Sowjetskaja Kultura eine Autoreise durch die Städte der Region Wladimir unternahm.
Auf eigene Initiative erweiterte er die Liste der Ortschaften und entwarf eine Rundreise mit einer Länge von etwa 500 Kilometern. Im Jahr 1967 erschien in der Zeitung eine Artikelserie über diese Reise, in der erstmals die Bezeichnung Goldener Ring verwendet wurde. Seitdem erfreut sich die Route großer Beliebtheit bei ausländischen und russischen Reisenden, und an ihren wichtigsten Stationen hat sich eine touristische Infrastruktur entwickelt.
Derzeit gehören neben Twer offiziell auch Sergijew Posad, Pereslawl-Salesskij, Rostow Welikij, Uglitsch, Jaroslawl, Kostroma, Iwanowo, Susdal und Wladimir zur Route. Häufig wird die Route um Gus-Chrustalnyj, Palech, Tutajew, Dmitrow, Gorochowez, Myschkin, Alexandrow, Rybinsk, Murom, Schuja, Bogoljubow, Kidekscha, Jurjew-Polskij, Pljos und andere Orte erweitert. Allerdings verfügen nur die neun Hauptstädte über die Zertifikate der Teilnehmer am nationalen Tourismusprojekt „Der Goldene Ring Russlands“.
Die Zahl der Touristen, die die Städte des Goldenen Rings besuchen, steigt stetig – sowohl russische Touristen, die diese Route für Kurzreisen und lange Flusskreuzfahrten wählen, als auch ausländische Besucher schätzen sie sehr.
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