USA blockieren Iran, Iran blockiert Hormus, Huthi bedrohen Saudi-Arabien – Beide Meerengen eskalieren gleichzeitig – jetzt wird es gefährlich für die Energieversorgung

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Die globale Energieversorgung gerät in eine Lage, die vor wenigen Monaten noch wie ein Extremszenario geklungen hätte. Iran hält die Straße von Hormus weitgehend geschlossen, die USA blockieren im Gegenzug iranische Häfen – und am anderen Ende der Arabischen Halbinsel nehmen die Huthi Saudi-Arabiens Schifffahrt im Bab al-Mandab ins Visier.

Damit stehen gleichzeitig zwei der wichtigsten Nadelöhre des weltweiten Energiehandels unter massivem militärischem Druck. Sollte sich die Lage weiter verschärfen, könnten die bisherigen Energiepreisschocks nur ein Vorgeschmack gewesen sein.

In der Straße von Hormus ist der Einbruch bereits dramatisch. Vor der Schließung nach den amerikanisch-israelischen Angriffen auf Iran am 28. Februar passierten laut Reuters gewöhnlich etwa 130 bis 140 Schiffe pro Tag die Meerenge. Am Dienstag wurden von Kpler gerade noch acht Durchfahrten registriert. Teherans Militärführung erklärt inzwischen ausdrücklich, kein Schiff könne Hormus ohne iranische Genehmigung passieren.

Washington antwortet seinerseits mit einem wirtschaftlichen Würgegriff. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte am Donnerstag, die amerikanische Marine könne ihre Blockade iranischer Häfen „auf unbestimmte Zeit“ aufrechterhalten. Kriegsschiffe würden einfach regelmäßig ausgetauscht. Ein Ende dieser Strategie ist damit nicht mehr an einen konkreten militärischen oder politischen Zeitplan gebunden. (Reuters)

Die USA signalisieren, dass sie die Seeblockade Irans unbefristet aufrechterhalten können. Verteidigungsminister Pete Hegseth sagt, die Marine werde einfach Schiffe rotieren und den Druck aufrechterhalten. Dies geschieht, während Waffenstillstandsverhandlungen scheitern, Iran weiterhin versucht, die Kontrolle über die Straße von Hormus zu erlangen, und die IEA vor einem tieferen globalen Engpass bei der Ölförderung in diesem Jahr warnt. Die Blockade drückt bereits hart auf Irans Wirtschaft. Ihre unbefristete Verlängerung erhöht die Einsätze für Energiemärkte und regionale Stabilität, ohne dass ein klarer Ausstieg in Sicht ist.

Das Resultat ist ein maritimes Patt mit enormem Eskalationspotenzial: Washington versucht, Irans Energieexporte abzuwürgen – Teheran hält dafür einen der wichtigsten Energiehandelswege der Erde im Würgegriff.

Saudi-Arabiens Ausweg führt direkt ins nächste Nadelöhr

Die Straße von Hormus lässt sich für Saudi-Arabien teilweise umgehen. Öl kann über die Ost-West-Pipeline quer durch das Königreich an die Rotmeerküste transportiert und von dort verschifft werden.

Doch genau dort wartet das nächste Problem.

Die jemenitischen Huthi haben am 20. Juli eine Seeblockade gegen Saudi-Arabien ausgerufen. Eine vollständige Schließung des Bab al-Mandab würde nach Reuters-Berechnungen bis zu sieben Prozent des weltweiten Ölangebots gefährden.

Aus der Drohung ist inzwischen ein reales Risiko für die Schifffahrt geworden. Tanker haben ihre Routen geändert, die Kosten für Kriegsversicherungen sind gestiegen und saudische Ölexporte über das Rote Meer werden teilweise regelrecht unsichtbar gemacht: Schiffe schalten ihre AIS-Ortung ab, um ihre Position nicht preiszugeben. Reuters berichtete am Mittwoch, dass inzwischen viele große Öltanker den Bab al-Mandab meiden.

Am 11. August starben bei einem Angriff im Bab al-Mandab vier Besatzungsmitglieder sowie zwei jemenitische Rettungskräfte. Die Huthi erklärten, das Schiff habe saudische Militärausrüstung transportiert; diese Behauptung wurde nicht unabhängig bestätigt.

Damit entsteht eine strategische Zange.

Im Osten liegt Hormus unter iranischem Druck. Im Westen bedrohen die Huthi Saudi-Arabiens Route durch den Bab al-Mandab. Und dazwischen liegen die größten Öl- und Gasexporteure der Welt.

Die Energiekrise ist längst da

Die Internationale Energieagentur spricht bereits von einer beispiellosen Störung der globalen Brennstoffmärkte und hat die größte Freigabe strategischer Ölreserven ihrer Geschichte koordiniert.

Reuters berichtet aktuell, dass das weltweite Ölangebot 2026 voraussichtlich um 4,3 Millionen Barrel pro Tag sinken wird. Gleichzeitig kommen die Verhandlungen zwischen Washington und Teheran nicht voran.

Interessanterweise fiel der Ölpreis am Donnerstag dennoch um mehr als zwei Prozent. Der Markt konzentrierte sich auf schwächere Nachfrageprognosen und steigende amerikanische Lagerbestände. Das zeigt, warum man nicht seriös behaupten kann, die Preise würden zwangsläufig schon in den nächsten Tagen explodieren. Hinzu kommt ein Energiemarkt, auf dem wenige milliardenschwere Akteure durch massive Wetten und Spekulationen die Preise erheblich beeinflussen und im Extremfall manipulieren können.

Aber genau darin könnte eine gefährliche Ruhe liegen.

Denn die physische Versorgungslage und die geopolitischen Risiken bleiben bestehen. Die IEA bezeichnet die durch Hormus ausgelöste Störung bereits als größten Angebotsausfall in der Geschichte des globalen Ölmarktes. Zeitweise stieg Rohöl infolge der Krise auf über 100 Dollar pro Barrel.

Sollte zusätzlich der Bab al-Mandab ernsthaft ausfallen, würden nicht nur weitere Mengen fehlen. Tanker müssten längere Strecken fahren, Versicherungsprämien steigen, Transportkapazitäten würden gebunden und Lieferzeiten verlängert.

Dann trifft weniger verfügbares Öl auf höhere Transportkosten – gleichzeitig.

Der eigentliche Albtraum: Beide Meerengen eskalieren gleichzeitig

Das gefährlichste Szenario ist deshalb nicht Hormus oder Bab al-Mandab. Es ist Hormus und Bab al-Mandab.

Der amerikanisch-israelische Krieg gegen Iran hat den Persischen Golf bereits massiv getroffen. Die amerikanische Blockade soll nun ausdrücklich unbegrenzt fortgesetzt werden. Iran wiederum macht die Wiederöffnung von Hormus von weitreichenden politischen Zugeständnissen abhängig. Gleichzeitig eskaliert der Konflikt zwischen Saudi-Arabien und den Huthi am Roten Meer.

Keiner dieser Konflikte besitzt derzeit einen klar erkennbaren Ausgang. Und deshalb sieht die Lage tatsächlich nicht gut aus.

Noch verhindern strategische Reserven, alternative Lieferanten, Umleitungen und eine schwächere Nachfrage einen völligen Preisschock. Die IEA bestätigt ausdrücklich, dass genau diese Faktoren bislang noch wesentlich schlimmere Folgen verhindert haben.

Aber diese Puffer sind nicht unbegrenzt.

Wenn Hormus weitgehend blockiert bleibt und gleichzeitig der Bab al-Mandab für saudische und andere gefährdete Tanker zunehmend unpassierbar wird, könnte der Energiekrieg eine neue Dimension erreichen. Dann entscheidet nicht mehr allein die Fördermenge darüber, was Benzin, Diesel und Gas kosten – sondern ob die Energie überhaupt noch sicher aus der Region herauskommt.

Und genau deshalb könnte der nächste große Preisschock noch vor uns liegen.

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