Trumps Wirtschaftskrieg gegen den Iran wird die US-Wirtschaft zerstören – brisante Analyse von Prof. Michael Hudson

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In einem ausführlichen Gespräch analysiert der renommierte Ökonom Professor Michael Hudson die aktuelle Eskalation der US-Sanktionen und wirtschaftlichen Maßnahmen gegen den Iran unter Präsident Trump. Hudson argumentiert, dass Washingtons Versuch, Teheran finanziell zu strangulieren, langfristig das amerikanische Dominanzsystem selbst untergräbt und die westlichen Volkswirtschaften in eine schwere Krise treibt. Zeit, so Hudson, arbeite gegen die USA und ihre Verbündeten – und zugunsten Irans sowie Russlands.

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Zeit sei nicht nur auf der Seite des Iran, sondern auch auf der Russlands, betont Hudson gleich zu Beginn. Es gehe parallel um den Krieg Russlands gegen die Ukraine und die Kontrolle über Getreideexporte. Nicht Iran oder Russland profitierten primär von der Zeit, sondern die Vereinigten Staaten und ihre Alliierten gerieten unter massiven Druck. Hudson zieht historische Parallelen: Im Napoleonischen Krieg 1812 half der russische Winter den Verteidigern, Napoleons Truppen erfroren. Ein Jahrhundert später verzögerte sich der deutsche Angriff auf die Sowjetunion, weil man auf italienische Truppen aus Afrika warten musste; als die Wehrmacht Stalingrad und Leningrad erreichte, war erneut der Winter da und trug entscheidend zur Niederlage bei. Heute übernehme das Finanzsystem diese Rolle: Es arbeite gegen die USA.

Die Vereinigten Staaten befinden sich in einer absoluten Zwickmühle. Trotz der Tatsache, dass über ein Viertel des weltweiten Öls aus dem Persischen Golf nicht exportiert werde, sei es Washington gelungen, den Ölpreis künstlich niedrig zu halten – durch die Freigabe von Beständen der Strategic Petroleum Reserve und durch Abgaben anderer Länder. Diese Reserven würden jedoch systematisch geleert. In den USA entbrenne bereits eine Debatte darüber, ab welchem Punkt die Entleerung der unterirdischen Salzkavernen zu Einstürzen, Umweltverschmutzung oder verstopften Pipelines führe. Die Trump-Administration sei bereit, die Reserven über den kritischen Punkt hinaus zu pushen, nur um den Ölpreis und vor allem die Preise für Derivate – Diesel für Lkw, Flugzeugtreibstoff und Düngemittel – niedrig zu halten. Ziel sei es, die Wähler nicht zu verärgern und die Republikaner bei den bevorstehenden Midterm-Wahlen im November zu schützen. November sei nicht mehr fern; Washington befinde sich in einem Wettlauf gegen die Zeit.

Iran brauche nur abzuwarten, einen direkten Angriff abzuschrecken und die amerikanische sowie die europäische Wirtschaft sich selbst zerstören zu lassen. Die Krise entstehe nicht allein durch Öl, sondern auch durch die Nahrungsmittelknappheit. 27 Prozent des weltweiten Getreidehandels liefen über die Ostsee. Die Ukraine habe begonnen, russische Schiffe zu bombardieren, um Russland den Devisenerlös aus Getreideexporten (vor allem nach Indien und Ostasien) zu nehmen. Russland habe daraufhin ukrainische Schiffe angegriffen – sowohl solche, die Waffen nach Odessa brachten, als auch solche, die Getreide abtransportierten. Gerade jetzt sei Erntezeit. Die ukrainischen Lager seien voll, die Schiffe könnten nicht beladen werden. Normalerweise gehe der Großteil des ukrainischen Getreides nach Europa. Europa stehe daher vor scharf steigenden Lebensmittel- und Ölpreisen zugleich.

Die westlichen Volkswirtschaften seien so angespannt, dass sie keinen starken Anstieg der Ölpreise verkraften könnten. Ganze Industrien würden unrentabel, Lkw könnten Lieferungen nicht mehr kostendeckend durchführen, die Verteilung von Lebensmitteln in den USA würde teurer. Der Druck baue sich primär im Westen und in Teilen des globalen Südens auf. Genau das bestimme die militärische Dynamik: Jede Eskalation, die die wirtschaftlichen Gleichgewichte zerstöre, untergrabe den eigentlichen Zweck der Militärpolitik – die Kontrolle über andere Länder und deren Volkswirtschaften.

Seit 80 Jahren habe die USA die meisten Volkswirtschaften der Welt nicht durch Invasionen, sondern durch finanzielle Mittel kontrolliert. Der von Trump begonnene Wirtschaftskrieg gegen den Iran und die Unterstützung des NATO-Kriegs gegen Russland zerstörten jedoch genau diese finanziellen Kontrollinstrumente. Finanzminister Scott Bessent habe angekündigt, dem Iran jegliche üblichen Zahlungsmöglichkeiten zu blockieren. Wenn Iran kein Geld für sein Öl erhalte, lohne sich der Export nicht mehr. Doch das zwinge nicht nur Iran, sondern auch die Banken, die für iranisches Öl zahlten – chinesische, asiatische, japanische –, nach Wegen zu suchen, um dem Zugriff des US-Finanzministeriums zu entgehen. Die logische Folge: Abkehr vom Dollar.

Die Kontrolle über OPEC-Öl und insbesondere das Öl des Persischen Golfs sei eines der zentralen Instrumente der amerikanischen Finanzmacht gewesen. Der Ölhandel in Dollar und die Anlage der Erlöse in der US-Wirtschaft oder in US-Banken hätten das amerikanische System gestützt. Indem Washington den Ölhandel nun waffne und als Choke-Point einsetze, beraube es sich selbst genau dieses Instruments.

Der Gastgeber fasst die Logik zusammen und erhält Hudsons Zustimmung: Iran blockiere geduldig die Straße von Hormus, Russland blockiere den ukrainischen Getreideexport. Das treibe Energie- und Rohstoffpreise in Europa, den USA und Asien in die Höhe, erzeuge Inflation, dämpfe das Wachstum und erzwinge höhere Zinsen. Die westlichen Staaten seien bereits hoch verschuldet; die US-Anleiherenditen lägen auf dem höchsten Stand seit 2007, die japanischen auf dem höchsten seit Jahrzehnten. Die Schuldendienstkosten stiegen dramatisch. Das sei die Achillesferse der westlichen Ökonomien – ein Problem, vor dem Ökonomen wie Hudson seit Jahren warnten. In Japan drohe die Yen-Abwertung und der Zusammenbruch des Carry-Trades. Die bisherige „Bandage“ – Japan hinterlege US-Treasuries und erhalte dafür Dollars zur Stützung der eigenen Währung – sei noch nie richtig getestet worden.

Trump setze nach dem Scheitern kinetischer Optionen nun auf Wirtschaftskrieg, um Zugeständnisse von Iran zu erzwingen. Doch damit zeige er der Welt – wie schon Biden im Ukraine-Krieg und frühere Präsidenten gegenüber dem Iran –, dass der Dollar waffentauglich sei. Das treibe Länder aus dem amerikanischen Finanzsystem, das jahrzehntelang die Weltwirtschaft organisiert habe. Trump hole sich kurzfristigen Vorteil und schieße sich langfristig selbst ins Bein. Iran wiederum treibe durch höhere Energie- und Rohstoffpreise die Zinsen nach oben und trete den USA ebenfalls ins Bein.

Iran wisse, dass es die USA militärisch nicht besiegen könne. Es könne zwar US-Basen im Nahen Osten angreifen, aber nicht Amerika selbst. Die Antwort: Wenn Iran sein Öl nicht exportieren dürfe, dann solle niemand Öl exportieren. Damit werfe Teheran den Ball den anderen Ländern zu – Asien, dem globalen Süden und vor allem China. China habe sich besser abgesichert als andere: riesige Reserven, Kohle und enorme Investitionen in Solarenergie. Andere Länder fragten nun, wie man gemeinsam die USA stoppen und den Ölpreis wieder normalisieren könne. Die Antwort laute: Gegenmaßnahmen, finanzielle Sanktionen gegen die USA selbst und der Aufbau eines alternativen internationalen Bankensystems – nicht einer BRICS-Währung, sondern einer echten Alternative zum Internationalen Währungsfonds.

Die meisten Länder hielten ihre Dollarreserven relativ stabil und legten Überschüsse in Gold an. Die Europäische Union verfüge inzwischen über mehr Goldreserven als Dollarreserven. Länder könnten Gold halten oder gegenseitige Währungen – die Währung der Wahl sei der chinesische Yuan. Russland habe schlechte Erfahrungen mit indischen Rupien gemacht. China und Russland hätten bereits eigene Clearing-Systeme aufgebaut, die SWIFT umgingen. Amerika hatte jahrelang gedroht, ungehorsame Länder von SWIFT abzuschneiden; jetzt existierten Alternativen. Sogar Kryptowährungen seien ausprobiert worden – bis Bessent brüstete, die USA hätten eine Milliarde Dollar an iranischen Krypto-Beständen beschlagnahmt.

Notwendig sei ein internationales Zahlungssystem und ein Reservesystem. Wenn China anderen Ländern Kredite gebe, um teureres Öl und Getreide zu bezahlen, müsse es etwas wie eine internationale Bank schaffen – mehr als eine BRICS-Bank, weil die BRICS-Staaten zu große Disparitäten aufwiesen. Die Führung liege bei China, Russland und Iran (dem „RIC“). Ohne IWF, ohne Dollar, ohne SWIFT und ohne Euro spalte sich die Welt in separate Finanzsysteme. Länder, die aus dem Dollar ausstiegen, würden sagen: Trump hat zwei Krisen verursacht – höhere Kosten für Gas, Derivate, Düngemittel, Chemikalien und Lebensmittel. Wir müssen wählen: Subventionieren wir unsere Industrie und unsere Haushalte, damit sie im Winter nicht ohne Heizung und Nahrung bleiben, oder bedienen wir die Dollaranleihen und die Schulden bei internationalen Organisationen? Die eigenen Volkswirtschaften kämen zuerst. Seit 70 bis 80 Jahren hätten Länder das gewollt, aber kein Vehikel gehabt. Iran bringe das Öl ein, Russland Öl und Getreide, China die riesigen Reserven – und damit entstehe die Entdollarisierung und ein alternatives Geldsystem. Damit verschwänden die Instrumente, mit denen Amerika nach dem Zweiten Weltkrieg die Regeln der Weltwirtschaft in seinem Interesse umgeschrieben habe – entgegen dem ursprünglichen Design John Maynard Keynes’ im Interesse Englands.

Auf den Einwand, dass jedes alternative System – etwa der Yuan – später genauso waffenfähig werden könne wie der Dollar, antwortet Hudson: Es gebe eine bessere Alternative. Sie sei 1944 zwischen Großbritannien und den USA ausführlich diskutiert worden. Keynes als Vertreter des britischen Schatzamtes hatte nach den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs und der deutschen Reparationen gewarnt: Das amerikanische Modell (IWF-Kredite unter Austeritätsauflagen und Privatisierungszwang) diene nicht britischen Interessen. Großbritannien würde Defizite anhäufen, Amerika Überschüsse. Viele Länder des globalen Südens würden ihre Kriegswährungsreserven aufbrauchen und zu Schuldnern werden. Keynes’ Lösung war eine internationale Bank, die nur zwischenstaatliche Salden abwickle – den „Bancor“, eine Mischung aus Bank-Fiatgeld (heute elektronisch) und Gold. Das Ziel: verhindern, dass einzelne Länder so große Überschüsse anhäufen, dass die Gegenstücke – die Defizite anderer – diese zu Austerität und Depression zwingen. Genau das war nach 1918 geschehen: deutsche Austerität, französische Hyperinflation, britischer Generalstreik 1926. Unter Keynes’ System würden chronische, nicht zahlbare Schulden abgeschrieben – und damit auch die entsprechenden Guthaben der Überschussländer. Die USA lehnten das ab, weil sie das Überschussland waren.

China könne genau dieses Modell unterstützen und mitgestalten. Es könne klarstellen, dass es bei zu großen Überschüssen andere Länder nicht schädigen werde. Investitionen in Häfen, Eisenbahnen und Infrastruktur im Rahmen der Belt-and-Road-Initiative seien so gestaltet, dass sie die Produktivkraft und die Ertragskraft der Empfängerländer steigerten und es ihnen ermöglichten, die Kredite zurückzuzahlen – im Gegensatz zu den lateinamerikanischen Schuldenkrisen der 1970er Jahre, die zur Privatisierung und zum Ausverkauf führten. China habe keinen vergleichbaren Finanzsektor und könne das System geopolitisch und produktivitätsorientiert strukturieren, nicht rein profit- oder zinsorientiert.

Die Lösung liege nicht innerhalb des bestehenden Finanz- und Wirtschaftssystems. Es handele sich um einen globalen Bruch. An die Stelle des bisher als Zivilisationskonflikt verstandenen militärischen Konflikts trete ein Konflikt der Wirtschaftssysteme: ein Gläubiger- und finanzialisiertes Modell versus ein industrielles kapitalistisches oder sozialistisches Modell nach chinesischem und asiatischem Vorbild. Das ist die eigentliche Auseinandersetzung, vor der die Welt stehe.

Hudson schließt: Das Rad müsse nicht neu erfunden werden. Es sei bereits 1944 konstruiert und vom damaligen Machtzentrum USA abgelehnt worden. Das Nachkriegsordnungssystem, das seit 1945 die Welt beherrscht habe, ende jetzt.

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