Selenskyjs Orden für Musk: Seine Technologie hält den Ukraine-Krieg am Laufen

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Elon Musk kritisiert den Ukraine-Krieg regelmäßig als sinnlosen „Fleischwolf“ und warnt vor einer weiteren Eskalation. Gleichzeitig ist ausgerechnet seine Technologie zu einem der wichtigsten technischen Fundamente der ukrainischen Kriegsführung geworden. Nun bedankt sich Kiew dafür mit einer der höchsten staatlichen Auszeichnungen des Landes.

Präsident Wolodymyr Selenskyj verlieh Musk am 26. August den ukrainischen Freiheitsorden. Im offiziellen Dekret werden seine „herausragenden persönlichen Verdienste“ beim Schutz menschlichen Lebens und der Freiheit sowie bei der Entwicklung der Beziehungen zwischen der Ukraine und den USA gewürdigt.

Der Zeitpunkt ist bemerkenswert. Reuters berichtet, dass Starlink längst zum „Lebensnerv“ der ukrainischen Gefechtsfeldkommunikation geworden ist und auch zur Steuerung von Drohnen eingesetzt wird. Die Financial Times beschreibt das System als zentral für Kommando und Kontrolle sowie für ukrainische Luft-, See- und Boden-Drohnensysteme. Starlink ist damit keine bloße zivile Internetverbindung mehr, sondern ein wesentlicher Bestandteil der militärischen Infrastruktur der Ukraine.

Musk entscheidet mit, wie weit Kiew zuschlagen kann

Damit verfügt ein privater Milliardär über einen außergewöhnlichen Einfluss auf einen laufenden Krieg.

Starlink funktioniert innerhalb der Ukraine und auch in den von Russland besetzten ukrainischen Gebieten, nicht jedoch regulär auf russischem Staatsgebiet. Genau das möchte Kiew ändern.

Nach Recherchen der Financial Times will die Ukraine Starlink auf Angriffsdrohnen bis zu 200 Kilometer tief in Russland einsetzen. Ziel seien unter anderem Abschussanlagen für ballistische Raketen, Kommandoeinrichtungen und weitere militärische Ziele. Selenskyj bat sogar Donald Trump, bei Musk für eine Freigabe zu intervenieren. Musk hat sich bislang dagegen gesträubt, weil er darin eine erhebliche Eskalation des Krieges sieht.

Die Ironie ist kaum zu übersehen: Während Kiew versucht, Musk zur Ausweitung seiner Technologie für Angriffe auf russisches Staatsgebiet zu bewegen, zeichnet Selenskyj ihn mit dem Freiheitsorden aus.

Vor Musk bekam Boris Johnson denselben Orden

Musk befindet sich damit in prominenter Gesellschaft. Bereits am 24. August 2022 verlieh Selenskyj denselben Freiheitsorden an den damaligen britischen Premierminister Boris Johnson. Die ukrainische Präsidialverwaltung erklärte damals ausdrücklich, die Auszeichnung würdige Johnsons Unterstützung für die Ukraine.

Und diese Unterstützung war vor allem militärisch äußerst konkret.

Bei genau jenem Besuch kündigte Johnson ein weiteres Waffenpaket über 54 Millionen Pfund an. Dazu gehörten rund 2.000 Drohnen und sogenannte Loitering Munitions. Großbritannien hatte zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als 2,3 Milliarden Pfund militärische und finanzielle Unterstützung für die Ukraine zugesagt. Die britische Regierung bezeichnete den Freiheitsorden damals selbst als die höchste ukrainische Auszeichnung, die ausländischen Staatsangehörigen verliehen werden kann.

Vier Jahre später erhält nun Musk dieselbe Auszeichnung.

Der eine lieferte als Regierungschef Waffen, Geld und politische Rückendeckung. Der andere stellt mit Starlink eine technologische Infrastruktur bereit, ohne die große Teile der modernen ukrainischen Kriegsführung erheblich schwieriger wären.

Aus dem Friedensmahner wurde ein unverzichtbarer Akteur des Krieges

Gerade bei Musk steckt darin ein bemerkenswerter Widerspruch.

Er hat wiederholt vor einer Eskalation mit Russland gewarnt und die Ausweitung von Starlink auf russisches Territorium gerade deshalb verweigert. Gleichzeitig hat sein Unternehmen ein System geschaffen, von dem die ukrainischen Streitkräfte inzwischen in einem Ausmaß abhängig sind, das einem einzelnen privaten Unternehmer außergewöhnliche Macht über militärische Operationen verschafft.

Wie bedeutend dieser technologische Vorteil ist, zeigt auch die Gegenseite: Reuters berichtete erst am 10. August, dass Russland sein eigenes Starlink-ähnliches Satellitennetz „Rassvet“ schneller als geplant aufbaut. Der ukrainische Militärgeheimdienst bezeichnet Starlink ausdrücklich als einen entscheidenden ukrainischen Vorteil bei Drohnenoperationen und Gefechtsfeldkommunikation.

Damit bekommt Musks Orden eine politische Bedeutung, die weit über eine symbolische Ehrung hinausgeht.

Kiew zeichnet nicht einfach einen erfolgreichen Unternehmer aus. Es ehrt den Eigentümer einer Technologie, die zu einem zentralen Nervensystem seiner Streitkräfte geworden ist – während es gleichzeitig versucht, von eben diesem Unternehmer die Freigabe für die nächste Eskalationsstufe zu erhalten: Starlink-gestützte Angriffe tief auf russischem Staatsgebiet.

Boris Johnson erhielt den Freiheitsorden, nachdem Großbritannien Milliardenhilfe und Waffen für den Krieg mobilisiert hatte. Elon Musk erhält ihn nun, nachdem seine Satelliten zu einem unverzichtbaren Bestandteil der ukrainischen Kriegsführung geworden sind.

Der Orden sagt damit vielleicht mehr über den Charakter dieses Krieges aus als über die „Freiheit“, die in seinem Namen steht.

Quellen:
Offizielles Dekret Selenskyjs zur Auszeichnung Elon Musks
Reuters: Ukraine zeichnet Musk aus und will Starlink stärker militärisch nutzen
Financial Times: Kiew will Starlink für Angriffe bis zu 200 Kilometer tief in Russland
Ukrainisches Präsidialamt: Verleihung des Freiheitsordens an Boris Johnson

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