Newsletter Subscribe
Enter your email address below and subscribe to our newsletter

Die Energiekrise, die der amerikanisch-israelische Angriff auf Iran ausgelöst hat, lässt einige Länder der Welt ihre Haltung gegenüber der Atomenergie ändern. Vietnam will offenbar zu einem AKW-Projekt zurückkehren, das es zunächst gemeinsam mit Russland entwickelt hatte, dann aber auf die lange Bank geschoben hat. Es handelt sich um den Bau eines ersten Atommeilers im südostasiatischen Staat mithilfe des russischen Staatskonzerns Rosatom.
Das Parlament in Hanoi gab am Montag grünes Licht für das Projekt, das seit fast einem Jahrzehnt auf Eis lag. Seinen ersten Vertrag über die Kooperation mit Russland im Bereich der Atomenergie hatte Vietnam noch im Jahr 2010 unterzeichnet. Im Jahr 2016 lehnte die vietnamesische Nationalversammlung jedoch den Bau der Kernkraftwerke Ninh Thuan 1 und Ninh Thuan 2, an denen sich Rosatom beteiligen sollte, aus Geldmangel ab.
Seitdem machte sich der Energiemangel im südostasiatischen Land zunehmend bemerkbar. In den letzten Jahren kam es zu massiven Stromausfällen, die der einheimischen Industrie und der Bevölkerung zusetzten. Stromausfälle gab es sogar in der Hauptstadt. Im Januar 2025 bekräftigte der russische Regierungschef Michail Mischustin bei seinem Besuch in Hanoi die Bereitschaft Moskaus, dem befreundeten Staat bei der Entwicklung der Atombranche zu helfen. Im März 2026 wurde dann ein aktualisiertes Abkommen über den Bau des AKW Ninh Thuan 1 unterzeichnet.
Wie das Nachrichtenportal Nikkei Asia schreibt, setzt sich Vietnam sehr ehrgeizige wirtschaftliche Ziele. So will die Landesführung ab dem Jahr 2026 ein jährliches Wachstum von mindestens zehn Prozent erreichen und wirbt aktiv für Investitionen in Industrie, Künstliche Intelligenz, Halbleiterproduktion, Rechenzentren und andere Branchen, die enorm viel Strom verbrauchen.
Unter diesen Umständen wendet sich Hanoi nun konsequenterweise an Moskau, da Rosatom einer der weltweit führenden Kernkraftwerksbauer ist und bereits mehrere Projekte in Asien, Afrika und im Nahen Osten umsetzt. Das erste Kernkraftwerk in Vietnam soll voraussichtlich zwischen 2030 und 2035 in Betrieb genommen werden. Laut Dmitri Raspopin, Rosatom-Vertreter in Vietnam, ist die Lebensdauer des AKW auf ungefähr 100 Jahre ausgelegt.
Den Strom sollen die Reaktoren des Typs WWER-1200 der Generation 3+ erzeugen, die sich schon in Russland und Weißrussland gut bewährt haben und momentan von Rosatom in Ägypten, Ungarn, China und Bangladesch errichtet werden. Diese Reaktoren verfügen über mehrere aktive und passive Sicherheitssysteme und können Erdbeben, Wirbelstürmen und Tsunamis standhalten.
Mehr zum Thema – Patruschew zu Besuch in Vietnam: Maritime Kooperation im Mittelpunkt der Gespräche