Rath checkt ein: Park Hyatt Zürich im Test: Dieser Hotelchef erfindet das Luxushotel neu

Ein Haus im Aufbruch: Der neue Chef lässt die Zimmer und öffentlichen Bereiche renovieren – und sorgt dafür, dass Luxus im Park Hyatt Zürich nicht allein auf Marmor und üppigen Zimmerfluchten beruht

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Ein Haus im Aufbruch: Der neue Chef lässt die Zimmer und öffentlichen Bereiche renovieren – und sorgt dafür, dass Luxus im Park Hyatt Zürich nicht allein auf Marmor und üppigen Zimmerfluchten beruht

Eine Seezunge habe ich hier wirklich nicht erwartet. 

Ich sitze in der Lobby des „Park Hyatt Zürich“ und werfe einen Blick auf die Karte. In vielen Luxushotels sind dort die üblichen Klassiker aufgelistet, vom Club-Sandwich bis zur California Roll. Gerichte, die von Singapur über San Francisco bis Stuttgart funktionieren, nur eben niemanden überraschen. Hier in Zürich bestelle ich stattdessen die Seezunge. Sie kommt auf den Punkt gegart, begleitet von ausgezeichnetem Chimichurri, einer frischen Zitronensauce und angebratenem Gemüse. Ein kulinarisches Detail, das im Kleinen vorausschickt, was in diesem Hotel gerade geschieht: Das Park Hyatt Zürich erfindet sich neu!

Neuer Chef, neue Handschrift

Verantwortlich dafür ist Generalmanager Marc Epper, den ich aus seiner Zeit bei Mandarin Oriental kenne, zuletzt in deren Münchner Nobelhotel. Epper ist erst seit kurzer Zeit in Zürich, und trotzdem prägt er das Haus bereits wahrnehmbar. Rund 25 Zimmer sind bereits renoviert, die Lobby ist umgestaltet und weitere öffentliche Bereiche sollen folgen. Auch das Restaurant steht auf der To-do-Liste. Fast überall sieht man nun warme Hölzer, andere hochwertige Materialien und ein aufgefrischtes Design. Die hohen Räume wirken großzügig. Aus den oberen Etagen bietet sich ein Blick über die Altstadt mit ihren Kirchtürmen und der verwinkelten Dachlandschaft.

Dass Epper auch vermeintliche Kleinigkeiten wichtig sind, merke ich bereits bei der Ankunft. Auf meinem Zimmer wartet ein aus Schokolade gefertigter Löwenkopf – eine augenzwinkernde Referenz an die Stadt oder mein Sternzeichen –, dazu Blumen und eine handgeschriebene Karte. „Wir werden nicht das lauteste Hotel von Zürich sein“, erzählt Epper mir später. „Wir möchten ein Haus sein, das durch Herzlichkeit, persönliche Begegnungen und die spürbare Freude unserer Mitarbeitenden in Erinnerung bleibt.“

Internationales Flair im Finanzzentrum

Das „Park Hyatt“ gehört zu den Luxushotels, bei denen der Standort zum Teil des Geschäftsmodells gewortden ist. Zwischen Bahnhofstraße, Zürichsee und dem Bankenviertel gelegen, heißt es gleichermaßen internationale Geschäftsreisende, Banker und Unternehmer sowie anspruchsvolle Urlauber willkommen. Als Teil der „Hyatt“-Gruppe besitzt das Haus zudem die Infrastruktur und Reichweite eines gewichtigen Hospitality-Konzerns.

Vor diesem Hintergrund finde ich den aktuellen Wandel unter Eppers Regie besonders interessant. Ein international standardisiertes Luxushotel muss nämlich verlässlich funktionieren – und gleichzeitig genügend Eigenständigkeit entwickeln, um in einer Stadt wie Zürich relevant zu bleiben. Große Zimmer, teure Einrichtung und eine prominente Adresse? Das alles lässt sich planen und einkaufen. Bei der gewinnenden Persönlichkeit wird es schwieriger.

Der Doorman als Botschafter

Wie so oft in unserer Branche entsteht sie durch Menschen, und das erlebe ich bereits nach dem Halt vor dem Portal. Der Doorman kommt mir mit sichtbarer Freude entgegen und heißt mich willkommen. Und zwar mit authentischer Herzlichkeit. Das klingt selbstverständlich, ist es jedoch auch in der Spitzenhotellerie keineswegs. Gerade die Vorfahrten großer Schweizer Stadthotels sind häufig eine logistische Herausforderung aus Taxis, Lieferanten und Gästen auf engstem Raum. Da braucht es souveräne Mitarbeiter, die aus dem Chaos ein freundliches Entrée machen.

Das Erlebnis „Hotel“ beginnt schon vor dem Einchecken, wenn sich die Autotür öffnet. Im „Park Hyatt“ funktioniert das bemerkenswert gut. Dass bei der Abreise noch immer ein alter Kaffeebecher in der Ablage steht und die leere Wasserflasche nicht ersetzt worden ist, registriere ich trotzdem. Doch diese Kleinigkeit wiegt nicht schwer, so ich an anderer Stelle so positiv überrascht worden bin.

Goldene Regel: Bar voll, Hotel beliebt

Ein anschauliches Beispiel ist die Bar, denn die ist abends voll besetzt. Das klingt banal, gehört für mich jedoch zu den wichtigsten Qualitätsmerkmalen eines guten und beliebten Stadthotels. Eine Hotelbar, in der ausschließlich Gäste des Hauses sitzen, bleibt Teil des Beherbergungsbetriebs. Eine Bar, die auch von Einheimischen frequentiert wird, wird zu einem „third place“ des lokalen Gesellschaftslebens.

Für ein internationales Luxushotel ist diese lokale Verankerung wertvoll. Sie schafft Atmosphäre, macht das Haus lebendiger und gibt ihm jene Selbstverständlichkeit, die kein Inneneinrichter inszenieren könnte. Auch deshalb passt meine Seezunge so gut ins Bild. Statt die Lobby als Snack-Lounge zu behandeln, wird dort im Park Hyatt Zürich ernsthaft gekocht. Qualität folgt dem Gast, nicht den starren Mustern traditioneller Hotelkonzepte.

Renovieren allein reicht nicht

Das Haus befindet sich in einer interessanten Phase. Der Umbau ist noch nicht abgeschlossen und daher erlebe ich kein fertiges Produkt, sondern bin Zeuge einer Transformation. Marc Epper muss dabei die schwierige Balance zwischen der Professionalität einer internationalen Marke und einem griffigen Profil für den Zürcher Hotelmarkt finden. Die modernisierten Zimmer und Restaurants sind dabei die sichtbarste Seite der Investition, und auch das Fine Dining im Restaurant „Parkhuus“ soll ein zeitgemäßes, stärker von der Schweiz geprägtes Menü erhalten. Noch wichtiger ist der menschliche Faktor im Hotelalltag: Wie aufmerksam sind die Mitarbeiter? Wie persönlich fühlt sich deren Begrüßung an? Wie schnell erkennt ein Team die Wünsche eines Gastes?

In diesem letzten Punkt verbirgt sich die entscheidende Frage moderner Luxushotellerie. Und ich bin gespannt, wie gut das Park Hyatt Zürich sie beantworten kann. Die Voraussetzungen sind bemerkenswert: eine ausgezeichnete Lage, die internationale Kraft der Hyatt-Gruppe, ein etabliertes Haus und ein neuer General Manager mit klar erkennbarem Gestaltungswillen.

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