Altersvorsorgedepot: Deka greift mit Kampfpreis Neobroker an

Die Sparkassen-Fondstochter Deka bietet ein Altersvorsorgedepot zum Preis von 0,1 Prozent an. Das wird die gesamte Branche unter Druck setzen

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Die Sparkassen-Fondstochter Deka bietet ein Altersvorsorgedepot zum Preis von 0,1 Prozent an. Das wird die gesamte Branche unter Druck setzen

Die Sparkassen-Fondstochter Deka greift beim Altersvorsorgedepot (AVD) die Konkurrenz frontal an: Die Gesellschaft wird ein Altersvorsorgedepot zum Preis von 0,1 Prozent des Depotwertes pro Jahr anbieten und unterbietet damit langfristig sogar traditionell günstige Neobroker wie Scalable Capital und Smartbroker. Zu ähnlichen Kosten wie das AVD will Deka auch die Frühstart-Rente anbieten, die noch im Gesetzgebungsverfahren ist.

Deka setzt mit dem Kampfpreis aber nicht nur Neobroker unter Druck, bei denen vor allem noch Trade Republic auf sein Angebot warten lässt. Das Angebot dürfte auch die klassischen Filial- und Digitalbanken sowie Fondsgesellschaften zu günstigen Konditionen zwingen.

 „Wir sind sehr günstig und wettbewerbsfähig aufgestellt“, betonte Deka-Vertriebschef Dirk Peters bei der Vorstellung am Mittwoch in Frankfurt. Um das Angebot nutzen zu können, müssen Anleger allerdings Kunde einer Sparkasse sein oder werden.

50 Prozent Zulagen

Das Altersvorsorgedepot ist bereits Gesetz und soll am 1. Januar starten. Bei Einzahlungen von bis zu 360 Euro jährlich zahlt der Staat 180 Euro dazu, für weitere bis zu 1440 Euro Eigenbeitrag 25 Cent pro Euro. Bei maximaler Einzahlung von 1800 Euro pro Jahr gibt es also 540 Euro an Zulagen. 

Das Geld muss in mindestens zwei Fonds investiert werden, egal ob dies klassische Investmentfonds, passive oder aktive ETFs sind. Kosten von 0,1 Prozent wie bei Deka bedeuten, dass pro 1000 Euro Depotwert jährlich ein Euro für die Depot- und Zulagenverwaltung sowie die Produktkosten draufgeht.

Vier Varianten

Deka wird insgesamt vier unterschiedliche Varianten des AVD anbieten. Das günstige Standarddepot investiert in zwei passive ETFs, die Deka selbst verwaltet. Es handelt sich dabei um einen weltweit anlegenden Aktien-ETF sowie ein Produkt auf europäische Anleihen. 

Der Aktien-ETF bildet den eigens geschaffenen „MSCI World 400“-Index ab, der die 400 größten Werte des Industrieländerindex MSCI World abbildet. Weil der ETF weniger Aktien handeln muss als der Mutterindex mit mehr als 1200 Titeln, sind laut Deka die Handelskosten geringer. Dafür dürfte das Gewicht der im MSCI World dominanten Techwerte wie Nvidia und Microsoft noch etwas größer sein. 

In diesem Produkt wird das Geld zunächst komplett in Aktien investiert. Fünf Jahre vor dem geplanten Rentenbeginn wird die Hälfte in europäische Unternehmensanleihen umgeschichtet, zwei Jahre vor Auszahlungsbeginn wird der Aktienanteil um weitere 20 Prozentpunkte reduziert. In einer individuellen Variante des Standarddepots können Kunden den Aktienanteil in Eigenregie in der Sparkassen-App anpassen – und zwar zu gleichen Konditionen über die gesamte Laufzeit. Das ermöglicht es, früher in defensive Anleihen umzuschichten oder länger auf Aktien zu setzen.

Deka will außerdem ein Individualangebot machen, in dem das Depot aus bis zu drei aktiv verwalteten Fonds für Aktien, Anleihen und den Geldmarkt. Dieses Angebot soll es in einer chancenorientierten Variante mit hohem Aktienanteil sowie einer defensiven Variante mit weniger Aktien geben. Die Kosten für die Individuallösung betragen laut Deka je nach Vertragslaufzeit zwischen 1,0 und 1,5 Prozent pro Jahr. Von 1000 Euro Anlagesumme gehen also zehn bis 15 Euro drauf.

„Zusätzlicher Beitragszahler“

Den Markt für das Altersvorsorgedepot schätzt Deka-Chefvolkswirt Ulrich Kater auf  rund 47,5 Mio. Menschen in Deutschland. Würden alle den Maximalbeitrag einbezahlen, kämen im Jahr 118 Mrd. Euro an Sparleistung zusammen; aus Sparleistung, staatlichem Zuschuss und Steuerersparnis. 

Realistisch sei dieser Wert aber nicht, betont Kater. Realistisch sei, dass 35 Mrd. Euro jährlich ins AVD fließen, wovon wiederum ein Teil Umschichtungen aus Riester-Verträgen oder normalen Sparverträgen stamme. 

„Die Zusammensetzung des Sparens wird sich ändern“, sagt der Volkswirt. Der Anteil des Kapitalmarktes am Sparaufkommen werde aber steigen, und das helfe, die Probleme der gesetzlichen Rente abzufedern. „Der Kapitalmarkt wird ein zusätzlicher Beitragszahler.“

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