Bahnsanierung legt Strecke Hannover – Berlin für 14 Monate lahm

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Bis Dezember 2027 saniert die Deutsche Bahn die Strecke zwischen der niedersächsischen Landeshauptstadt Hannover und der Bundeshauptstadt Berlin. Es handelt sich um eine der wichtigsten Bahnstrecken Deutschlands. Zehntausende Menschen sind täglich in Fernverkehrszügen auf der bedeutenden Ost-West-Achse unterwegs.

Bereits seit Längerem bekannt ist, dass die 227 Kilometer umfassende Strecke zwischen dem Bahnhof Lehrte (bei Hannover) und der deutschen Hauptstadt saniert werden muss. Die Bahn erneuert Weichen, Gleise, Lärmschutzwände und Oberleitungen. Dadurch soll der Zugverkehr auf längere Sicht pünktlicher und zuverlässiger werden.

Ab Anfang Oktober 2026 kommt es daher zu einer Vollsperrung des Korridors. Die reguläre Fahrzeit erhöht sich dadurch um rund 80 Minuten, weil die Bahn Fernzüge über Braunschweig und Magdeburg umleitet.

Noch ungewiss ist, ob Fernverkehrszüge weiterhin in Wolfsburg und Stendal halten werden. Die Bahn prüft derzeit die Optionen. Jeden Tag sollen in einem Zweistundenzeitraum jeweils drei Fernzüge pro Richtung fahren, dazu weitere Einzelverbindungen zwischen Hannover und Berlin.

Eigentlich sollte mit dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2026 wenigstens ein Teil der Fernzüge zwischen Berlin und Hannover eingleisig wieder die direkte Verbindung nutzen können. Doch die Deutsche Bahn hatte diese Woche eine Hiobsbotschaft für die Bahnreisenden zu verkünden: Die Elektrifizierung der Lehrter Stammbahn zieht sich länger hin als geplant, sie wird erst im Dezember 2027 fertig.

Die Stammbahn wird folglich im Dezember 2026 nicht als Umleitungsstrecke zur Verfügung stehen. Damit fallen während der Bauzeit sowohl die Schnellfahrstrecke als auch die parallel verlaufende Lehrter Stammbahn als Schienenverbindungen aus.

Dementsprechend umfasst die Vollsperrung der Lehrter Stammbahn nicht – wie geplant – insgesamt etwas mehr als vier Monate (von Anfang Oktober 2026 bis Mitte Dezember 2026 und dann noch mal von Mitte Oktober 2027 bis Mitte Dezember 2027), sondern ganze 14 Monate.

Für den Güterverkehr sind nach Auskunft der Deutschen Bahn die Aussichten während der Korridorsanierung etwas günstiger: Neben der Umleitung über Braunschweig und Magdeburg will das Unternehmen ab Ende Januar 2027 Güterzügen eine zweite Umleitungsstrecke über Halle – Eichenberg zur Verfügung stellen. Derzeit befindet sich diese Strecke noch im Ausbau.

Dennoch gibt es Kritik. Wie die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ) berichtet, lehnt der Verband der privaten Güterbahnen die Sanierungsplanungen der DB InfraGo (das ist die Infrastrukturgesellschaft der Deutschen Bahn) rundweg ab. Der Vorwurf: Das Vorhaben sei unverantwortlich und mit dem Güterverkehr nicht vorschriftsmäßig konsultiert worden.

Der Verbandsgeschäftsführer Peter Westenberger forderte: „Die Vollsperrung muss ganz oder teilweise verschoben werden, wenn es der DB nicht gelingt, das dritte Gleis parallel zur Schnellfahrstrecke als Umleiterstrecke zur Verfügung zu stellen.“

Hart wird die Sanierung wohl auch die Pendler im Nahverkehr treffen. Denn durch die Sanierung verlieren zahlreiche Orte in Brandenburg und Sachsen-Anhalt vorläufig ihren Bahnanschluss. Dadurch erhöht sich die Fahrzeit zum jeweiligen Ziel zum Teil erheblich, weil Busse im Ersatzverkehr meist langsamer als Regionalzüge fahren. Die Fahrtzeiten können sich dann bis auf das Dreieinhalbfache erhöhen.

Die Berliner Zeitung zitiert Brandenburgs Infrastrukturminister Robert Crumbach (SPD), der die Kommunikationsführung der DB InfraGO AG für inakzeptabel erklärt: „Eine derart massive Bauverzögerung und die damit verbundenen Sperrungen fallen nicht über Nacht vom Himmel. Dass diese gravierenden Änderungen erst jetzt auf den Tisch gelegt werden, zeugt von einem mangelhaften Projekt- und Kommunikationsmanagement.“ Die notwendigen Informationen müssten verlässlicher und früher fließen.

Die Betroffenen können nicht einmal darauf hoffen, dass nach der Generalsanierung die Vollsperrungen auf längere Zeit vorbei sind. Denn die Schwäbische Zeitung verweist auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen Bundestagsfraktion. Demnach verzichtet die Deutsche Bahn bei der jetzigen Sanierung auf den Einbau des modernen Zugbeeinflussungssystem ETCS (European Train Control System). Diese Nachrüstung könnte – wie bei der Zugstrecke zwischen Berlin und Hamburg – in den 2030er Jahren kommen.

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