Der legendäre Investor gibt nun doch schon den Verwaltungsratsvorsitz von Berkshire Hathaway ab. Nachfolger wird sein Sohn, flankiert von Buffetts Tochter. Der Schritt kommt überraschend
Es ist wieder einmal einer dieser typischen Buffett-Sätze, voller Selbstironie, aber auch voller Lebensfreude: Er habe nun jüngst seinen 96. Geburtstag gefeiert, schreibt der legendäre Investor an einem aktuellen Brief an seine Aktionäre. Am 30. August war das, da sei er umringt gewesen von seiner Familie und Freunden, und auch sein Urenkel sei dabei gewesen: „Er ist gerade ein Jahr alt geworden und bewegt sich etwas schneller als ich dieser Tage.“ Als er das erkannte, wurde ihm offenbar klar: Die Zeit ist reif, um die Übergabe an die nächste Generation nun endgültig zu vollziehen.
Warren Buffett, der legendäre Investor tritt mit sofortiger Wirkung auch als Verwaltungsratsvorsitzender der Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway ab, so teilen er und das Unternehmen in einer offiziellen Meldung mit. Er werde weiter einen Direktorenposten im Verwaltungsrat bekleiden, den Vorsitz aber übernehme sein Sohn Howard Buffett.
Warren Buffett hatte Berkshire über 60 Jahre lang geleitet, seit 1965. „Und ich habe noch immer den besten Job der Welt“, betont er in seinem Brief an die Aktionäre, „das können nicht viele Menschen von sich sagen.“ Den Vorstandsvorsitz übergab der Starinvestor bereits zum Ende 2025 an seinen designierten Nachfolger Greg Abel, der seit Januar der operative Chef (CEO) des Unternehmens ist. Buffett selbst betonte aber bisher stets, dass er noch als Berater und Mitglied des Verwaltungsrats im Unternehmen beteiligt bleiben wolle. Auch wenn nun andere die Entscheidungen träfen, die im Kopf bereits sehr viel schneller seien als er. Er werde jedenfalls noch regelmäßig im Büro herumlungern und seine Meinung einbringen.
Einer der Gründe ist Greg Abel
Ein Grund für Buffetts kompletten Rückzug von allen Leitungsposten, den er überraschend verkündet, ist Greg Abel. Seine eigenen Erwartungen an seinen Nachfolger seien „himmelhoch“ gewesen, „aber er hat sie sogar noch übertroffen“, schreibt Buffet. Er habe Entscheidungen für das Unternehmen gefällt, die Berkshire für eine ganze Weile gut aufstellen würden – „und über keine davon musste ich auch nur zweimal nachdenken“.
Zu Greg Abels Amtshandlungen gehörten bisher die Übernahme eines US-Hausbau-Unternehmens, ein Aktienrückkauf im großen Stil, der die gigantischen Barmittel von Berkshire abschmolz und dem Wunsch vieler Aktionäre entsprach – und überdies den Kurs stützte. Er versorgte außerdem den Google-Alphabet-Konzern mit frischem Kapital und will mehr in Japan investieren.
Die Aktionäre sind nicht ganz überzeugt
Buffett tritt also ab und verteilt große Vorschusslorbeeren an seinen Nachfolger, von dem zumindest noch nicht alle Investoren restlos überzeugt sind: Als 2025 der Rücktritt Buffetts vom Vorstandsposten feststand, gab die Aktie deutlich nach und verlor rund 20 Prozent. Seit seinem offiziellen Amtsantritt hat Greg Abel erst die Hälfte des Rückgangs wieder wettgemacht. Der Kurs der Aktie bewegt sich aber seitdem eher seitwärts, unter großen Schwankungen. Der große Aufwärtstrend der vergangenen fünf Jahre davor ist vorerst gebrochen. Der scheidende Altmeister Buffett aber bekräftigt: „Das Unternehmen ist in exzellenten Händen und ich freue mich darauf, ein Aktionär zu bleiben, an Eurer Seite.“
Sein Sohn Howard habe auch eine sehr lange Lehrlingszeit hinter sich, witzelt der Altmeister. Er sei schließlich bereits seit 33 Jahren einer der Direktoren von Berkshire. Er werde dafür sorgen, dass der Geist der Firma, ihre Unternehmenskultur und ihre Werte erhalten blieben, gibt der Vater ihm mit auf den Weg. Buffett und Berkshire, diese beiden Namen standen für extrem langfristiges Investment. Für die Suche und das Festhalten an Substanzunternehmen, die der Starinvestor kaufte, wenn sie an der Börse stark unterbewertet waren. Und es entsprach bisher der erklärten Firmenkultur, dass jene Unternehmen, die sich Berkshire komplett einverleibte, auch danach noch eigenständig weiterarbeiten konnten, ohne dass das Konglomerat ihnen zu sehr hineinregierte.
„Wir sind dankbar für die Sorge, die Disziplin und das tiefe Verständnis von Berkshire, das Howard in seine neue Rolle einbringt“, so kommentiert Greg Abel offiziell den Wechsel vom Vater zum Sohn. Warren Buffet selbst schließt seinen Brief an die Aktionäre mit diesen Sätzen: „Euch als Vorsitzender zu dienen, war lebenslänglich mein Privileg. Aber Vater Zeit gewinnt immer.“ Berkshire sei nun an einem Punkt, an dem er so zuversichtlich sei wie nie zuvor, dass das Unternehmen in eine gute Zukunft steuere.
