Kolumne: Donald Trump und die Magie der Mid-Terms

Zwischenwahljahre in den USA sind speziell an der Börse. Doch alle Statistik hilft wenig, wenn der Präsident Donald Trump heißt und für Wählerstimmen sogar Bares auslobt.

Zwischenwahljahre in den USA sind speziell an der Börse. Doch alle Statistik hilft wenig, wenn der Präsident Donald Trump heißt und für Wählerstimmen sogar Bares auslobt.

Eigentlich ist der September kompliziert in Mid-Term-Jahren in den USA. Aber bei Donald Trump ist alles anders und Gesetze des Wählens und der Märkte werden da sogar mit in Aussicht gestellten Barzahlungen bei Wahlsieg infrage gestellt. Da hilft der nüchterne Blick aufs große Ganze.

Denn in den USA blicken Investoren jeden Monat auf frische Daten und überreißen dabei die Stimmung. Abgebildet über den bekannten Fear&Greed-Index sind die Börsianer Mitte September eher ängstlich bis sehr ängstlich gestimmt – ein Fear&Greed an der Schwelle zu großer Angst ist deutlich.

Die neue Fondsmanagerumfrage der Bank of America zeigt aber ungewöhnlich viel Zuversicht: „Die Cash-Quote ist auf extrem niedrige 3,5 Prozent gefallen, den sechstniedrigsten Wert seit Beginn der Erhebung 1998“, so die Experten vom Lynx-Broker. Zugleich erwarten 56 Prozent der Befragten ein Durchstarten der Weltwirtschaft. Noch vor vier Monaten waren es gut 30 Prozent.

Kein Wunder also, dass die globale Aktienallokation den höchsten Stand seit November 2021 erreicht hat. So viel Einigkeit ist an der Börse allerdings mit Vorsicht zu genießen. Wenn die Mehrheit bereits positioniert ist, fehlt später ein Teil der Käufer, die für weitere Kursgewinne sorgen könnten. Genau deshalb dürften die kommenden sieben Wochen wichtiger werden, als es die Nähe zu den Rekordständen vermuten lässt.

Bis Oktober bleibt das Umfeld anspruchsvoll

Dazu passt die Tatsache, dass wir uns im vierjährigen US-Präsidentschaftszyklus noch in einer saisonal schwachen Phase befinden. „August und September weisen in Zwischenwahljahren wie 2026 historisch negative Durchschnittsrenditen auf“, rechnet Andreas Lipkow von CMC Markets vor. Ein ähnliches Bild zeigt die Statistik für den DAX – aber auch dort eben nur statistisch auf lange Sicht.

Gleichzeitig halten sich viele Indizes weiterhin über ihrer 21-Tage-Linie, wie das Welt-Aktien-Klima zeigt. Das ist ein Zeichen von Stärke, erhöht nach der langen Aufwärtsbewegung aber auch die Wahrscheinlichkeit einer Konsolidierung. „Für Entwarnung ist es daher noch zu früh, zumal sich auch Volatilitätsbarometer wie VIX und VDAX-New mit Werten um 15 auf historisch niedrigen Niveaus bewegen“, erklärt Thomas Soltau vom Smartbroker.

Das spricht für eine ungewöhnlich entspannte Marktverfassung, macht Absicherungen über Puts aber vergleichsweise günstig. Wer kurzfristig Risiken reduzieren möchte, kann deshalb mit überschaubarem Kapitaleinsatz einen Teilschutz einziehen, statt größere Aktienpositionen vorschnell aufzulösen.  

Schwäche könnte zur Chance werden

Entscheidend ist aber der Blick über den September hinaus. Ab Oktober beginnt im Präsidentschaftszyklus historisch die stärkste siebenmonatige Phase. „Jeder einzelne Monat von Oktober im Zwischenwahljahr bis April im Vorwahljahr weist im Mittel eine positive Rendite auf. Zusammen kommen rund 17 Prozent zustande, die Gewinnquote liegt bei etwa 77 Prozent“, rechnen die Analysten um Andreas Lipkow vom Zertifikatehaus CMC Markets vor.

Eine Korrektur im August oder September wäre vor diesem Hintergrund daher eher eine interessante Gelegenheit. Auch das technische Fundament spricht gegen übertriebene Vorsicht. Nahezu alle wichtigen Indizes notieren weiterhin in Reichweite ihrer Rekordstände und oberhalb ihrer meist steigenden 200-Tage-Linien. Das durchschnittliche Polster beträgt gut neun Prozent.

Selbst eine deutlichere Korrektur würde damit nicht automatisch den mittelfristigen Aufwärtstrend infrage stellen. Fundamental erklärt Ann-Katrin Petersen von Blackrock, dass „die Zeichen der Kapitalmärkte weniger widersprüchlich sind, als sie auf den ersten Blick scheinen: Höhere Renditen – zuletzt ein größeres Diskussionsthema am Markt gemeinsam mit der Inflation – müssen für Aktien nicht zwangsläufig negativ sein. Sie spiegeln neben hartnäckigem Inflationsdruck einen strukturell höheren Kapitalbedarf“. Gemischte Signale eben im September – wie auch bei der Stimmung.

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