Übernahmespekulationen haben die Aktien des Spezialchemiekonzerns Evonik nach oben getrieben. Einem Medienbericht zufolge soll BASF an einem Kauf interessiert sein
Der Chemieriese BASF hat einem Insider zufolge ein Auge auf den Konkurrenten Evonik geworfen. Zwischen den beiden Konzernen gebe es Kontakte, sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Freitag Reuters. Die „Financial Times“ hatte zuvor berichtet, BASF arbeite an einer Übernahme Evoniks. Von den Konzernen war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten. Evonik-Aktien legten um mehr als acht Prozent zu, Anteilsscheine von BASF gaben nach.
BASF habe den Essenern und ihrem größten Anteilseigner, der Kohle-Stiftung RAG, jüngst einen entsprechenden Vorschlag unterbreitet, berichtete das Blatt unter Berufung auf Insider. BASF stehe mit Banken in Kontakt mit Blick auf eine mögliche Transaktion und arbeite weiter daran. Ein Evonik-Sprecher hatte den Bericht nicht kommentiert. Von BASF lag zunächst keine Stellungnahme vor. Die RAG-Stiftung war nicht für einen Kommentar zu erreichen.
Ankeraktionär von Evonik ist die Essener RAG-Stiftung, die rund 43 Prozent der Anteile hält. Sie will aber ihre Abhängigkeit von der Chemieindustrie verringern und hatte erklärt, den Anteil perspektivisch auf 25,1 Prozent abschmelzen zu wollen.
Evonik-Übernahme wäre teuer für BASF
Ein Zusammenschluss könnte eine Konsolidierung der zersplitterten europäischen Chemieindustrie anschieben. Zusammen kämen die Unternehmen auf einen Jahresumsatz von zuletzt rund 75 Mrd. Euro. Evonik verfügt über eine Marktkapitalisierung von rund 8,4 Mrd. Euro. Mit einer für eine Übernahme nötigen Prämie würde eine Transaktion für BASF also nicht billig.
Evonik befindet sich aktuell mitten im Umbau. Der Essener Konzern hatte bereits im Juni angekündigt, bis Ende 2029 rund 3200 Arbeitsplätze zu streichen, 2150 davon in Deutschland. Von den Töchtern Oxeno und Syneqt mit rund 4300 Beschäftigten will sich der Konzern trennen. Inklusive bereits umgesetzter Sparprogramme könnte die Belegschaft von Evonik damit um insgesamt rund 10.000 Menschen schrumpfen.
Interimschef Claus Rettig will den Konzern auf profitable Kerngeschäfte konzentrieren und mit den Einsparungen Raum für neue Investitionen schaffen. Zwar lasten hohe Energiekosten und Preisdruck aus Asien auf der Branche in Deutschland, doch hatte Evonik in den vergangenen Monaten von Lieferengpässen asiatischer Konkurrenten profitiert, die unter den Folgen des Iran-Kriegs leiden. Evonik hatte deshalb im August von einer „Sonderkonjunktur“ gesprochen, die Essener hatten ihre Jahresprognose angehoben. „Wir werden ein gutes Jahr haben“, hatte Rettig erst Anfang der Woche gesagt.
