Wer früh für die Rente vorsorgt, macht sich das Leben später leichter. Dennoch starten viele ohne Plan. Wie viel Vermögen man in welchem Alter aufgebaut haben sollte
Sparen gehört zu den Lieblingsbeschäftigungen der Deutschen. Die Bruttosparquote der Bundesbürger ist im Vergleich zu Menschen in anderen EU-Staaten hoch: Während Sparer in Belgien, Spanien und Polen nicht einmal 13 Prozent ihrer Einkünfte zur Seite legen, kommen die Deutschen auf fast 20 Prozent. Im EU-Vergleich liegt die Bundesrepublik damit auf dem ersten Platz. Das zeigt eine Eurostat-Auswertung für das zweite Quartal 2025.
Leider bringt die Rekord-Sparquote mit Blick auf die immer größer werdende Rentenlücke wenig. Denn die Deutschen sparen buchstäblich am falschen Ende. Sie legen zwar Geld zurück, aber nicht langfristig an. Vergleichsweise niedrig verzinste Tagesgeldkonten sind hierzulande auch 2026 noch genauso beliebt wie Aktien und Fonds. Das zeigt eine Umfrage des Bundesverbands deutscher Banken. In einer Umfrage der Axa-Versicherung von August 2025 gab sogar mehr als ein Drittel der Befragten an, aktuell überhaupt nicht für die eigene Altersvorsorge zu sparen. Vor allem Frauen machen sich deswegen Sorgen um ihr Auskommen im Alter: Mehr als jede vierte Frau fürchtet, im Ruhestand in Armut zu geraten – bei den Männern ist es etwa jeder fünfte. Wie viel also sollte man mit 30, 40, 50 und 60 Jahren gespart haben, um heute und in Zukunft finanziell gut aufgestellt zu sein?
Junge haben nur 17.000 Euro Vermögen
Gerade junge Menschen tun sich schwer in der Vermögens- und Anlageplanung. Was ist ein normales Vermögen? Wie viel sollte oder könnte ich in einem bestimmten Alter besitzen? Was ist realistisch? Um ein Gefühl für die eigene Vermögensplanung zu entwickeln, lohnt sich ein Blick auf die durchschnittlichen Nettovermögen in Deutschland. Das ist das Geld, das in Spar- und Girokonten, Bausparvermögen, Fonds, Anleihen, Aktien, privaten Rentenversicherungen, Wertgegenständen und Immobilien steckt – abzüglich Hypotheken und Krediten.
Im Jahr 2023 lag das durchschnittliche Haushaltsnettovermögen von unter 35-Jährigen bei 17.000 Euro. Bei den 55- bis 64-Jährigen lag es mit 240.000 Euro deutlich höher. Das zeigt eine Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Dass sich das Vermögen der verschiedenen Altersgruppen so stark unterscheidet, liegt daran, dass die Älteren schlichtweg mehr Zeit hatten zu sparen. Zudem steigen auch die Gehälter meist mit der Erfahrung und dem Alter.
Experten empfehlen: ein Jahresgehalt mit 30 Jahren
Die Experten des Frankfurter Vermögensverwalters Fidelity raten Sparern, mit 30 Jahren bereits mindestens einen Betrag in Höhe eines Bruttojahreseinkommens zurückgelegt zu haben. Wer 50.000 Euro brutto verdient, sollte im Idealfall also auch über diese Summe netto verfügen können. 40-Jährige brauchen den Experten zufolge das Doppelte, 50-jährige das Vierfache, 60-jährige das Sechsfache eines Jahresgehalts. Geht man der Einfachheit halber davon aus, dass das Jahresgehalt die gesamte Zeit bei 50.000 Euro liegt, sollten Berufstätige mit 60 demnach 300.000 Euro angespart haben.
Für Menschen, die mehr verdienen, liegen die Sparziele je Lebensphase dementsprechend höher. Wer 100.000 Euro pro Jahr verdient, müsste den Experten zufolge mit 40 Jahren 200.000 Euro zurückgelegt haben. Mit 50 Jahren sollte das Vermögen 400.000 Euro und mit 60 Jahren 600.000 Euro betragen.
Altersvorsorge: Sparziele sind immer individuell
Die beiden Beispiele zeigen: Für die eigene Vermögensplanung sind pauschale Durchschnittswerte nur bedingt hilfreich. Jeder Mensch hat unterschiedlich hohe Lebenshaltungskosten und benötigt somit auch später unterschiedlich hohe Mittel, um seinen Lebensstandard zu halten.
Grundsätzlich können sich Sparer an der sogenannten „50:30:20“-Regel orientieren. Wer monatlich 50 Prozent seines Einkommens für Fixkosten wie Miete, Nebenkosten und Versicherungen aufwendet, 30 Prozent für Freizeit und Hobbys ausgibt und 20 Prozent spart, hat gute Chancen, im Alter finanziell gut über die Runden zu kommen.
Überhaupt sparen
Allerdings kann nicht jeder monatlich so viel zurücklegen. Vor allem jüngere Menschen zu Beginn ihres Berufslebens müssen häufig noch Studienkredite zurückzahlen oder sparen parallel für eine Immobilie. Die gute Nachricht: Auch kleine Sparbeträge bringen etwas.
Je länger das Geld arbeitet, desto größer ist die Chance, dass es sich vermehrt. Das liegt am Zinseszinseffekt: Die erwirtschafteten Zinsen bringen selbst wieder Zinsen, und das Ersparte wächst dadurch immer schneller. Mit ETF-Sparplänen etwa lässt sich schon mit kleinen Summen langfristig Geld anlegen. Das Wichtigste ist, überhaupt einen Plan zu haben und so früh wie möglich mit dem Sparen zu beginnen.
Transparenzhinweis: Dieser Text stammt aus dem Archiv und erschien erstmals im Februar 2026. Er wurde erneut geprüft und veröffentlicht.
