Vier Jahre lang schwieg Andreas Schöfbeck weitgehend. Nun spricht der ehemalige Vorstand der BKK ProVita erstmals ausführlich darüber, was 2022 geschah, nachdem er mit einer Auswertung von Krankenkassendaten vor einer ungewöhnlich hohen Zahl möglicher Nebenwirkungen der Corona-Impfungen gewarnt hatte. Wenige Tage später wurde er fristlos entlassen.
Schöfbeck hatte Zugriff auf anonymisierte Abrechnungsdaten von knapp 11 Millionen BKK-Versicherten. Seine Auswertung ergab nach seinen Angaben, dass 2021 hochgerechnet 2,5 bis 3 Millionen Menschen beziehungsweise vier bis fünf Prozent der Geimpften wegen als Impfnebenwirkungen codierter Beschwerden ärztlich behandelt worden sein könnten.
Dabei betont Schöfbeck heute ausdrücklich: „Ich sage nicht, dass das alles Impfschäden sind – aber Impfschadensverdachtsfälle.“ Genau deshalb habe er eine gründliche Untersuchung der Daten gefordert.
Am 21. Februar 2022 wandte er sich mit einem Brandbrief unter anderem an das Paul-Ehrlich-Institut, den GKV-Spitzenverband, den BKK-Dachverband, die Bundesärztekammer, die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die STIKO.
Die Reaktion beschreibt er heute mit einem Satz: „Die haben das alle ignoriert.“ Erst nachdem die „Welt“ über seine Zahlen berichtet hatte, habe sich das Paul-Ehrlich-Institut gemeldet.
Besonders bemerkenswert: Schöfbeck sagt, der damalige BKK-Dachverband und der BKK-Landesverband Bayern hätten seine Analyse überprüft und seien zu keinem anderen Ergebnis gekommen. Später veröffentlichte Daten der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hätten für 2021 ebenfalls knapp 2,5 Millionen entsprechend behandelte Patienten ausgewiesen, so Schöfbeck. Die verschiedenen Datensätze sind allerdings nicht automatisch mit bestätigten Impfschäden gleichzusetzen.
Am 1. März 2022, nur wenige Tage nach seinem Brandbrief, wurde Schöfbeck fristlos entlassen. Er ist überzeugt, der ausschlaggebende Grund seien sein Brief und seine öffentlichen Interviews gewesen. Das ist seine Darstellung; die damalige Kritik an seiner Analyse lautete unter anderem, sie habe leichte und erwartbare Impfreaktionen nicht ausreichend von schweren gesundheitlichen Problemen unterschieden. Schöfbeck entgegnet, genau deshalb habe er eine weitergehende Untersuchung verlangt.
Heute sagt er, er würde es wieder tun. Für ihn sei es als Krankenkassenvorstand seine Pflicht gewesen, ein solches Signal nicht zu ignorieren.
Damit bleibt viereinhalb Jahre später vor allem eine Frage: Warum wurden Daten aus Millionen von Versicherten damals nicht zum Anlass genommen, die möglichen Nebenwirkungen umfassend und transparent zu untersuchen, statt den Mann ins Zentrum der Debatte zu stellen, der auf sie aufmerksam machte?
Das komplette Interview hier zum nachlesen.


