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Der schwäbische Modekonzern Hugo Boss könnte vor einem Eigentümerwechsel stehen. Großaktionär Frasers hat ein Übernahmeangebot vorgelegt. Abgesprochen war das offenbar nicht
Der schwäbische Modekonzern Hugo Boss ist im Vorfeld eigenen Angaben zufolge nicht über das Übernahmeangebot seines Großaktionärs Frasers informiert worden. Die Offerte sei nicht mit dem Unternehmen abgestimmt, teilte Hugo Boss am späten Mittwochabend mit. Vorstand und Aufsichtsrat würden das Angebot nach Veröffentlichung der Unterlagen im besten Interesse der Gesellschaft eingehend prüfen und eine begründete Stellungnahme abgeben.
Der von dem britischen Milliardär Mike Ashley beherrschte Textilien-, Schuh- und Sporthändler hatte zuvor nach Börsenschluss mitgeteilt, den Aktionären von Hugo Boss 38 Euro je Aktie zu bieten. Das Angebot bewertet Hugo Boss mit 2,68 Mrd. Euro und unterliegt keiner Mindestannahmeschwelle.
Die im Nebenwerteindex MDax notierten Aktien von Hugo Boss waren zu 36,46 Euro aus dem Handel gegangen. Die Offerte biete damit einen Aufschlag von vier Prozent auf den Schlusskurs sowie auf den volumengewichteten Durchschnittskurs der vergangenen drei Monate, wie Hugo Boss weiter erklärte.
Frasers hat seinen Anteil an dem Metzinger Modekonzern in der Vergangenheit kontinuierlich ausgebaut und vor einem Jahr die Schwelle von 25 Prozent überschritten. Zudem zeigte sich der Großaktionär Ende November mit der Arbeit von Boss-Aufsichtsratschef Stephan Sturm unzufrieden und kündigte an, ihn nicht mehr zu unterstützen. Am Dienstag kam dann die Kehrtwende. Die Frasers Group teilte mit, dass sie ihre Position in Bezug auf Stephan Sturm, den ehemaligen Chef von Fresenius, neu bewertet habe. Nunmehr wolle die Gesellschaft Sturm in seiner Funktion als Vorsitzender des Aufsichtsrats von Hugo Boss unterstützen.
Der vor über 100 Jahren gegründete Textilkonzern steckt mitten in einer Neuausrichtung. Hugo Boss hatte im Dezember angekündigt, das Sortiment und den Vertrieb in den nächsten drei Jahren grundlegend umzubauen und dafür 2026 sinkende Umsätze und Gewinne in Kauf zu nehmen. Die neue Strategie mit dem Namen „Claim 5 Touchdown“ solle die Effizienz verbessern und den Weg für nachhaltiges, profitables Wachstum ebnen.
Die Frasers Group ist in Deutschland keine Unbekannte: Sie hatte in der Vergangenheit bereits die Fühler nach der Kette Sportscheck ausgestreckt, die dann aber an den italienischen Sportfachhändler Cisalfa ging. Erst Anfang März hatte Frasers den Einstieg beim Herzogenauracher Sportartikelhersteller Puma bekannt gegeben. Der Unternehmer Ashley hatte 1982 sein erstes Sportgeschäft im britischen Maidenhead eröffnet. Ende der 90er-Jahre waren es schon rund 100 Läden. Seitdem hat er sein Imperium über den Verkauf von Sportartikeln hinaus ausgebaut und setzt auf weltweit bekannte Luxus-Marken.