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Ein Meinungsbeitrag von Michael Hollister.
TICKER
IRGC feuert auf drei Tanker in der Straße von Hormus – Katarischer LNG-Tanker droht zu explodieren
In der Nacht vom 06. auf den 07. Juli feuerten IRGC-Einheiten auf mindestens drei Handelsschiffe, die die Straße von Hormus auf der omanischen K&
Ein Meinungsbeitrag von Michael Hollister.
TICKER
IRGC feuert auf drei Tanker in der Straße von Hormus – Katarischer LNG-Tanker droht zu explodieren
In der Nacht vom 06. auf den 07. Juli feuerten IRGC-Einheiten auf mindestens drei Handelsschiffe, die die Straße von Hormus auf der omanischen Küstenroute durchquerten. Der katarische LNG-Tanker Al Rekayyat wurde an Backbord getroffen, der Brand im Maschinenraum löste einen Mayday-Ruf aus – laut Reuters bestand Explosionsgefahr, die Besatzung blieb unverletzt. Der saudische Rohöl-Supertanker Wedyan wurde von einer iranischen Rakete getroffen und beschädigt. Ein dritter Tanker erlitt leichte Strukturschäden durch eine Drohne unbekannter Herkunft. Irans halboffizielle Nachrichtenagentur Fars meldete, der katarische Tanker sei beschossen worden, nachdem er „wiederholte Warnungen ignoriert“ habe. Die IRGC hatte am 06. Juli über iranische Medien angekündigt, Patrouillenboote gegen die omanische Route einzusetzen. Die britische Sicherheitsbehörde UKMTO hob die Bedrohungsstufe für den Transit auf „severe“ – die höchste Stufe seit dem 15. Juni. Alle drei Schiffe befuhren die von Oman und der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation vorgeschlagene Küstenroute, die Iran als „inakzeptabel und gefährlich“ ablehnt.
USA starten Vergeltungsschläge und widerrufen Öl-Verkaufserlaubnis
CENTCOM erklärte am Abend des 07. Juli, man habe „eine Serie mächtiger Schläge“ gegen Ziele in Iran eingeleitet – darunter Raketen-, Drohnen- und Hafenanlagen. Die Schläge sollten „schwere Kosten für Angriffe auf zivile Handelsschifffahrt in einer internationalen Wasserstraße“ auferlegen. Irans Handeln sei „eine klare Verletzung des Waffenstillstands“. Parallel widerrief das US-Finanzministerium die General License X, die Iran im Rahmen des Islamabad-Memorandums den Ölverkauf erlaubt hatte. Ein US-Beamter erklärte, das MoU sei „vollständig leistungsbasiert – Iran profitiert nur bei gutem Verhalten“. Irans Außenamtssprecher Baghaei erklärte, die Vorwürfe seien „inakzeptabel“. Araghchi warnte, Iran werde keine Verhandlungen wiederaufnehmen, solange die USA mit Drohungen operierten. Der Risikoberater Brett Erickson bewertete den Widerruf der Ölerlaubnis als „vollständige Zerstörung des Memorandums“ – die Ölkonzession sei die einzige substanzielle Gegenleistung gewesen, die Iran für die Öffnung der Meerenge erhalten habe.
Katar und Saudi-Arabien verurteilen Iran gemeinsam – Doha bestellt Diplomaten ein
Katar verurteilte den Angriff auf die Al Rekayyat als „schwere und ausdrückliche Verletzung des Völkerrechts“ und bestellte Irans stellvertretenden Botschafter ein. Außenamtssprecher al-Ansari forderte Iran auf, „sofort alle Praktiken einzustellen, die die Sicherheit der Region beeinträchtigen“. Saudi-Arabiens Außenministerium verurteilte die Angriffe auf die Wedyan und die Al Rekayyat gemeinsam als „Anschlag auf die Sicherheit der internationalen Schifffahrt und der globalen Energieversorgung“ und machte Iran „vollständig verantwortlich“. Iran wies die katarischen Vorwürfe als „fragwürdig und dem Prinzip guter Nachbarschaft widersprechend“ zurück. Dass Iran seine beiden wichtigsten Vermittler – Katar und Saudi-Arabien, das erst vier Tage zuvor eine Überraschungsdelegation zur Beisetzung Chameneis entsandt hatte – direkt beschoss, wirft die Frage auf, ob die Angriffe von der zivilen Führung autorisiert waren oder ob die IRGC-Linie unter Vahidi erneut eigenständig handelte.
Beisetzung Chamenei: Teheran, Qom, Nadschaf – Mojtaba weiterhin abwesend
Die Beisetzungszeremonien für den am 28. Februar getöteten Ali Chamenei erreichten in dieser Woche ihren Höhepunkt. Am 06. Juli zog die Hauptprozession durch Teheran zum Azadi-Platz – rote Fahnen, Rufe nach Vergeltung, Schilder mit „We Will Kill Trump“. Erstmals seit Kriegsbeginn erschienen drei Söhne Chameneis öffentlich; Mojtaba Chamenei, der neue Oberste Führer, blieb erneut abwesend. Am 07. Juli wurde der Leichnam nach Qom überführt, wo Ayatollah Javadi Amoli das Gebet in der Jamkaran-Moschee leitete – Luftbilder zeigten eine Stadt, deren Straßen von Trauernden gefüllt waren. Am Abend des 07. Juli wurde der Leichnam nach Nadschaf geflogen, wo Iraks Premierminister al-Zaidi ihn empfing. Präsident Pezeshkian reiste persönlich nach Nadschaf. Prozessionen in Nadschaf und Kerbela am 08. Juli, Beisetzung am 09. Juli am Imam-Reza-Schrein in Maschhad. Mojtaba Chamenei hat seit dem 28. Februar weder öffentlich gesprochen noch eine Audiobotschaft veröffentlicht.
NATO-Gipfel Ankara: Trump lobt Türkei, kritisiert europäische Verbündete
Der NATO-Gipfel in Ankara am 07./08. Juli wurde zum Schauplatz einer Neugewichtung innerhalb des Bündnisses. Trump erklärte bei seinem Bilateralen mit Erdogan, die Türkei sei „a great ally“ und „instrumental“ im Iran-Krieg gewesen, und fügte hinzu: „Es ist nicht einmal ein Krieg, es ist eine militärische Operation, eine Denuklearisierung.“ Gleichzeitig erklärte er, er sei „sehr enttäuscht von der NATO“ – warum die USA Hunderte Milliarden ausgäben und die Verbündeten „nicht für uns da“ seien. Er verwies darauf, dass europäische Staaten sich nicht am Iran-Krieg beteiligt hätten, und sagte, er wolle nicht ihr Geld, sondern ihre „Loyalität“. Trump kündigte die Aufhebung der Türkei-Sanktionen an, die nach dem Kauf des russischen S-400-Systems verhängt worden waren. NATO-Generalsekretär Rutte verkündete Rüstungsinvestitionen in Höhe von „Milliarden“ – darunter 40 Milliarden Dollar für Counter-Drone-Fähigkeiten, 26 Milliarden für Luftverteidigung und 1,6 Milliarden für Schlagfähigkeiten.
F-35 für die Türkei – Netanjahu warnt, Trump erwägt Verkauf, Hegseth reist nach Israel
Die F-35-Frage wurde zur Bruchlinie zwischen Washington, Ankara und Jerusalem. Trump erklärte am 07. Juli neben Erdogan, er werde einen Verkauf „certainly consider“. Erdogan sagte, Trump habe „fünf Jets versprochen“ und halte „immer seine Versprechen“. Netanjahu hatte am 06. Juli auf Fox News gewarnt: Die Türkei sei „a regime infected by the Muslim Brotherhood“ und Erdogan „not exactly a model ally“. Ein Verkauf würde „das Machtgleichgewicht im Nahen Osten zerstören, das letztlich durch Israels Luftüberlegenheit garantiert wird“. Likud-Minister Amichai Chikli ging weiter und nannte Erdogan „eine groteske Mischung aus Hitler und Sinwar“. US-Verteidigungsminister Hegseth, der mit Trump in Ankara war, plante am 08. Juli einen Besuch in Israel – laut CNN und Axios unter anderem, um israelische Bedenken wegen des F-35-Geschäfts zu adressieren. Laut Forbes hat Russland unterdessen die erste Charge von bis zu 20 Su-35 für Iran fertiggestellt – eine Lieferung könnte Ende 2026 oder 2027 erfolgen.
Libanon: israelischer Drohnenangriff tötet vier Zivilisten bei Nabathieh
Am 06. Juli tötete ein israelischer Drohnenangriff auf ein Fahrzeug in Nabatieh al-Fawqa vier Menschen – eine Schulleiterin, ihre Mutter, eine ausländische Hausangestellte und einen syrischen Arbeiter. Die vier kehrten laut der staatlichen Nachrichtenagentur NNA von einer Kontrolle ihres Familienhauses zurück. Die IDF erklärte, man habe ein Fahrzeug mit „vier Verdächtigen“ identifiziert, die sich der Sicherheitszone genähert hätten und eine „Bedrohung für IDF-Soldaten“ dargestellt hätten. Weitere israelische Schläge im Südlibanon folgten am 07. Juli. Parallel erklärte Irans Parlamentssprecher Ghalibaf nach einem Treffen mit hochrangigen Hisbollah-Vertretern, Libanon sei eine „definitive und fundamentale rote Linie“ in den Verhandlungen mit den USA. Der israelische Sondergesandte Leiter erklärte, er wisse nicht, ob der von Vance angekündigte Deeskalationsmechanismus zwischen CENTCOM und IRGC tatsächlich funktioniere.
Hamas löst Regierung in Gaza auf – kein Wort über Entwaffnung
Am 06. Juli erklärte Hamas die Auflösung des Notfall-Regierungskomitees, das den Gazastreifen seit fast zwei Jahrzehnten verwaltet hatte. Mohammed al-Farra, Leiter des Komitees, trat zurück; Hamas erklärte sich bereit, die Verwaltung an das Nationale Komitee für die Verwaltung Gazas (NCAG) zu übergeben – eine technokratische Kommission unter Ali Shaath, die im Januar unter der UN-Sicherheitsratsresolution 2803 eingerichtet wurde. Der Schritt wurde mit Vermittlern in Ägypten, Katar und der Türkei koordiniert. Hamas-Sprecher Qassem nannte ihn „einen positiven Schritt auf dem Weg zur Umsetzung des Waffenstillstandsabkommens“. Das Board of Peace unter Präsident Trump erklärte, man werde die Entwicklung „an Taten, nicht an Versprechen“ messen. Israel bezeichnete den Schritt als „Spin ohne Bedeutung“, da alle Hamas-Mitarbeiter auf ihren Posten blieben. Das NCAG hat seinen Sitz in Kairo – Israel hat den Zugang zum Gazastreifen bisher blockiert. Von Entwaffnung war in der Erklärung nicht die Rede.
Jemen: Houthis starten Offensive bei Hodeidah – iranisches Flugzeug landet in Sanaa
Am 04./05. Juli starteten die Houthis eine Offensive südlich von Hodeidah – die schwersten Kämpfe seit dem UN-Waffenstillstand von 2022. Im Bezirk Hays griffen Houthi-Einheiten mit Scharfschützen, Drohnen und Mörsern Regierungspositionen an. 16 Regierungssoldaten wurden getötet, 22 verwundet. Jemens Staatsminister al-Qudaimi erklärte, bei einem Gegenangriff seien über 50 Houthis getötet worden. Am 06. Juli wurde ein Frachtschiff 30 Seemeilen südwestlich von Hodeidah von Schnellbooten beschossen – die Besatzung blieb unverletzt. Die saudisch geführte Koalition erklärte, sie werde mit „beispielloser Entschlossenheit und Kraft“ auf jede Bedrohung reagieren, und nannte vier potenzielle Ziele: die Häfen von Hodeidah, Ras Isa und as-Salif sowie den Flughafen Sanaa. Hintergrund: Ein iranisches Zivilflugzeug war zuvor in Sanaa gelandet – das erste Mal seit rund einem Jahrzehnt. Jemens Präsidialrat verurteilte die Landung als Souveränitätsverletzung.
Ölmarkt: Brent auf Vorkriegsniveau – Aramco senkt Preise auf Rekordtief
Brent notierte am 07. Juli bei rund 72 Dollar, WTI bei etwa 69 – beide auf dem Niveau vom 27. Februar, dem Tag vor Kriegsbeginn. Saudi Aramco senkte den Preis für Arab Light für asiatische Käufer um 11 Dollar pro Barrel auf einen Abschlag von 1,50 Dollar unter dem regionalen Benchmark – die größte monatliche Senkung seit Beginn der Reuters-Aufzeichnungen. Die letzten beiden Male, die Aramco einen Abschlag anbot, waren die Ölpreiskriege 2020 und 2015. OPEC+ genehmigte eine Quotenerhöhung um 188.000 Barrel pro Tag ab August – die fünfte Erhöhung in Folge. Die UAE, die während des Krieges aus der OPEC ausgetreten waren, steigerten ihre Produktion auf ein Rekordniveau über 3,8 Millionen Barrel pro Tag. Die Tanker-Angriffe vom 07. Juli trieben Brent kurzfristig um mehr als zwei Prozent nach oben. Analysten von Mizuho warnten, es sehe „zunehmend so aus, als bereiteten sich die Golfproduzenten auf einen Preiskrieg vor“.
ROSATOM kündigt Rückkehr nach Buschehr ab Mitte Juli an
Russlands staatliche Nukleargesellschaft Rosatom plant, ihre Mitarbeiter ab Mitte Juli zum iranischen Kernkraftwerk Buschehr zurückzuschicken. Das erklärte Rosatom-Chef Alexei Lichatschow am 06. Juli laut Interfax. Rosatom hatte nach Kriegsbeginn 813 Mitarbeiter evakuiert; 20 blieben vor Ort. Block 1 läuft laut Lichatschow weiterhin mit voller Kapazität. Die Lieferung von Reaktorausrüstung für Block 2 ist für 2027 geplant. Die Rückkehr ist an die Bedingung geknüpft, dass die Sicherheitslage stabil bleibt – angesichts der Vergeltungsschläge vom 07. Juli eine Bedingung, deren Erfüllung nicht gesichert ist.
UK bestellt iranischen Diplomaten ein – Messerangriff auf Journalisten „im Auftrag Irans“
Großbritannien bestellte am 07. Juli Irans Chargé d’Affaires in London ein, nachdem zwei rumänische Staatsbürger wegen des Messerangriffs auf den iranisch-britischen Journalisten Pouria Zeraati verurteilt worden waren. Zeraati, Moderator bei Iran International, war im März 2024 vor seinem Haus in Wimbledon dreimal ins Bein gestochen worden. Nandito Badea (21) erhielt acht Jahre, George Stana (25) zwölf Jahre Haft. Richterin Cheema-Grubb urteilte, der Angriff sei „im Interesse und im Auftrag des iranischen Staats“ ausgeführt worden. Das britische Außenministerium erklärte, dies folge einem „langjährigen Muster feindlicher Aktivitäten iranischer Geheimdienste auf britischem Boden“. Irans Botschaft in London wies die Vorwürfe als „unbegründet, politisch motiviert und feindselig“ zurück.
Trump am NATO-Gipfel: „Wir machen einen Deal oder beenden die Sache“
Präsident Trump sendete vom NATO-Gipfel in Ankara eine doppelte Botschaft. Einerseits nannte er den Iran-Konflikt „nicht einmal einen Krieg“ und erklärte, Iran habe „so ziemlich allem zugestimmt, was wir brauchen“. Auf Fox News hatte er bereits am 06. Juli gesagt, man habe „Zugeständnisse bekommen“, die Iran nun einhalten müsse. Andererseits liefen gleichzeitig die Vergeltungsschläge auf iranisches Territorium und die Rücknahme der Ölverkaufserlaubnis. Auf die Frage nach der F-35-Frage verwies Trump an Vizepräsident Vance. Zu Iran erklärte er in Ankara: „Wir werden einen Deal machen oder die Sache beenden.“ Die Formulierung ist identisch mit der Sprache, die er vor Beginn der Militäroperation im Februar verwendet hatte.
ANALYSE
I. Der Hormus-Bruch – Iran beschießt seine eigenen Vermittler
Die Tanker-Angriffe vom 07. Juli sind kein gewöhnlicher Zwischenfall. Sie treffen Katar – den Staat, der seit Monaten die indirekten Gespräche zwischen Washington und Teheran vermittelt, dessen Emir am 01. Juli Witkoff und Kushner empfing, dessen Außenamtssprecher am 02. Juli „positive Fortschritte“ verkündete. Und sie treffen Saudi-Arabien – den Staat, der vier Tage zuvor seinen stellvertretenden Außenminister überraschend zur Beisetzung Chameneis nach Teheran geschickt hatte, in einer Geste, die über die Zeremonie hinauswies. Die Antwort beider Staaten ist entsprechend: Katar bestellt den iranischen Diplomaten ein, Saudi-Arabien verurteilt die Angriffe in einer gemeinsamen Erklärung. Iran weist alles zurück. Die zentrale Frage ist, wer die Angriffe autorisiert hat. Alle drei Schiffe befuhren die omanische Küstenroute, die Iran seit Kriegsbeginn als illegitim betrachtet. Die IRGC hatte am Vorabend angekündigt, Patrouillenboote gegen genau diese Route einzusetzen. Das Muster passt zur Vahidi-Linie – die Verknüpfung von Hormus-Kontrolle mit Verhandlungsdruck, auch gegen den Willen der zivilen Führung. Ob Pezeshkian oder Araghchi die Schläge autorisiert haben, ist nicht nur eine inneriranische Frage – es ist die Frage, ob Washington mit jemandem verhandelt, der die Autorität hat, zu liefern, was er vereinbart. Die Antwort der USA ist unmittelbar und doppelt: Militärschläge und der Widerruf der Ölverkaufserlaubnis, die als einziges substanzielles Zugeständnis an Iran galt. Wenn die General License X fällt, fällt das Kernstück dessen, was Iran am Verhandlungstisch gewonnen hatte.
II. Die Beisetzung – wer trauert und wer herrscht
Vier Monate nach dem Angriff, der Ali Chamenei tötete, zieht sein Leichnam durch fünf Städte in zwei Ländern – die größte staatliche Trauerinszenierung der iranischen Geschichte. Die theologische Choreografie ist durchdacht: Teheran für die Masse, Qom für die geistliche Autorität, Nadschaf und Kerbela für die transnationale schiitische Erzählung, Maschhad für die persönliche Verbindung. Drei Söhne Chameneis erschienen erstmals seit dem 28. Februar bei der Teheraner Prozession. Mojtaba, der Nachfolger, war nicht darunter. Er hat seit Kriegsbeginn nicht öffentlich gesprochen, keine Audiobotschaft veröffentlicht, keine Erklärung zur Beisetzung seines eigenen Vaters abgegeben. NBC berichtete im letzten Update von schweren Verbrennungen und Beinoperationen; sein Schwiegervater sagte, er habe seit Kriegsbeginn keinen Kontakt. Gleichzeitig erschien Vahidi erneut prominent – der Mann, der laut Wall Street Journal und ISW/CTP die zivile Führung in Verhandlungsfragen „regelmäßig überstimmt“ und de facto den iranischen Kurs bestimmt. Die Beisetzung zeigt Teheran, das nach außen Stärke projiziert, während nach innen die Abwesenheit des nominellen Staatsoberhaupts die Machtfrage nicht offen lässt, sondern beantwortet: Solange Mojtaba unsichtbar bleibt, ist die Frage, wer Iran regiert, eine Frage an die IRGC – nicht an den Obersten Führer.
III. Ankara als Spiegelbild – wie der NATO-Gipfel die Machtachsen verschiebt
Der NATO-Gipfel in Ankara zeigt eine Neuordnung, die über den Iran-Konflikt hinausweist. Trump belohnt die Türkei: Sanktionen aufgehoben, F-35-Verkauf in Aussicht gestellt, Erdogan als „great ally“ im Iran-Krieg gelobt. Europa wird abgestraft: „sehr enttäuscht“, nicht loyal genug, nicht beteiligt. Israel warnt vergeblich vor dem F-35-Deal – Netanjahu nennt Erdogan ein Sicherheitsrisiko, Likud-Minister ziehen Nazi-Vergleiche, doch Trump signalisiert den Verkauf trotzdem. Die Verschiebung ist strukturell: Die Türkei, die unter Obama und Biden für den S-400-Kauf sanktioniert wurde, wird unter Trump zum bevorzugten Partner. Israel, das seit Jahrzehnten das regionale Monopol auf den F-35 hält, sieht dieses Monopol erstmals ernsthaft bedroht – nicht durch einen Feind, sondern durch einen amerikanischen Verbündeten. Dass Hegseth am 08. Juli nach Israel reist, um die Bedenken zu adressieren, unterstreicht den Befund: Jerusalem reagiert, es agiert nicht. Für den Iran-Konflikt bedeutet die Ankara-Achse, dass die Türkei sich als Vermittler und Profiteur gleichzeitig positioniert – und dass Washingtons Definition von Loyalität sich nicht nach Bündnisverträgen richtet, sondern nach Nützlichkeit im Einzelfall.
IV. Gaza: Hamas gibt die Regierung ab – aber nicht die Waffen
Die Auflösung des Hamas-Regierungskomitees am 06. Juli ist ein Signal an Washington, kein Machtverzicht. Hamas löst die Verwaltung auf, nicht die militärische Struktur. Die Erklärung erwähnt weder Entwaffnung noch die Übergabe von Tunneln, Waffenlagern oder Karten. Der NCAG-Chef Shaath erklärt sich bereit – unter der Bedingung einer „einzigen bewaffneten Kraft unter einer einzigen Autorität“, was die Frage der Entwaffnung zurück an Israel und die USA spielt, ohne sie zu beantworten. Der Zeitpunkt ist kein Zufall: Hamas handelt, während Trump mit dem Iran-Konflikt, dem NATO-Gipfel und den Midterms beschäftigt ist. Der Schritt soll zeigen, dass Hamas den US-Plan nicht blockiert – und gleichzeitig den Druck auf Israel erhöhen, das NCAG in den Gazastreifen einreisen zu lassen. Dass Israel am selben Tag 13 neue Siedlungen im Westjordanland genehmigte und Smotrich Pläne für drei Siedlungen im Norden Gazas vorlegte, zeigt die gegenläufige Bewegung: Hamas zieht sich symbolisch zurück, Israel dehnt sich faktisch aus. Die Phase-2-Verhandlungen – Entwaffnung, Truppenabzug, Wiederaufbau – stehen seit Monaten still.
V. Die 60-Tage-Frist und die doppelte Botschaft
Das Islamabad-Memorandum wurde am 17. Juni unterzeichnet. Die 60-Tage-Frist läuft Mitte August ab – mitten in der heißen Phase der US-Zwischenwahlkämpfe, in denen die Republikaner eine hauchdünne Mehrheit im Repräsentantenhaus verteidigen. Drei Wochen nach der Unterzeichnung ist der Befund: Die Doha-Runde endete am 02. Juli ohne Substanz – „positive Fortschritte“ bei der Umsetzungsmechanik, nicht bei den Kernfragen Nuklearprogramm, Sanktionen, Libanon, Hormus-Verwaltung. Die Beisetzung unterbricht die Gespräche bis mindestens 10. Juli. Am 07. Juli beschießt Iran drei Tanker, die USA schlagen zurück und widerrufen die Ölerlaubnis – und Trump erklärt in Ankara, Iran habe „so ziemlich allem zugestimmt“ und die Verhandlungen liefen gut. Beide Botschaften können stimmen – aber nur, solange sich niemand entscheiden muss. Trumps Formulierung in Ankara – „Wir machen einen Deal oder beenden die Sache“ – ist die gleiche Sprache, die er vor dem 28. Februar verwendet hat. Was die Hormus-Angriffe und die US-Vergeltung einpreisen, ist nicht das Ende des Memorandums, sondern seine Belastungsprobe: Die Frage, ob ein Rahmenabkommen halten kann, wenn beide Seiten gleichzeitig schießen und verhandeln – und wenn die Frist in einer amerikanischen Wahlsaison abläuft.
STRATEGISCHE EINORDNUNG
Die Woche vom 05. bis 08. Juli markiert den schwersten Bruch seit Unterzeichnung des Islamabad-Memorandums. Die Tanker-Angriffe auf Katar und Saudi-Arabien – Irans eigene Vermittler – und die US-Vergeltung mit Rücknahme der Ölerlaubnis haben die Substanz des Abkommens beschädigt, ohne es formal zu beenden. Die Beisetzung Chameneis projiziert Stärke nach außen und offenbart nach innen eine Führungskrise, in der der nominelle Oberste Führer unsichtbar bleibt, während der IRGC-Kommandeur die Fakten schafft. In Ankara verschiebt Trump die Bündnisachsen zugunsten der Türkei und auf Kosten Europas und Israels. In Gaza gibt Hamas die Verwaltung ab, nicht die Waffen – und Israel expandiert in die Gegenrichtung. Die 60-Tage-Frist des Memorandums wird zur Zielgeraden einer Verhandlung, die gleichzeitig verhandelt und beschossen wird.
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Michael Hollisterwar sechs Jahre Bundeswehrsoldat (SFOR, KFOR) und blickt hinter die Kulissen militärischer Strategien. Nach 14 Jahren im IT-Security-Bereich analysiert er primärquellenbasiert europäische Militarisierung, westliche Interventionspolitik und geopolitische Machtverschiebungen. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit liegt auf dem asiatischen Raum, insbesondere Südostasien, wo er strategische Abhängigkeiten, Einflusszonen und Sicherheitsarchitekturen untersucht. Hollister verbindet operative Innensicht mit kompromissloser Systemkritik – jenseits des Meinungsjournalismus. Seine Arbeiten erscheinen zweisprachig auf www.michael-hollister.com sowie in kritischen Medien im deutsch- und englischsprachigen Raum.
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Michael Hollister – Alle Rechte vorbehalten. Die Weitergabe, Veröffentlichung oder Nutzung dieses Textes bedarf der ausdrücklichen schriftlichen Genehmigung des Autors. Bei Interesse an einer Weiterverwendung kontaktieren Sie bitte den Autor über www.michael-hollister.com.
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Wir danken dem Autor für das Recht zur Veröffentlichung dieses Beitrags.
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Bild: Karte von der Straße von Hormus
Bildquelle: AustralianCamera / shutterstock