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Das US-Iran-Abkommen ist bereits unterzeichnet, doch viele zentrale Punkte bleiben ungeklärt. Im Kern steht die Frage, ob aus der aktuellen Feuerpause tatsächlich eine dauerhafte politische Lösung werden kann – oder ob der Deal nur eine fragile Zwischenlösung bleibt. Das berichtet Axios am Dienstag.
Erstens ist unklar, ob das Abkommen bereits vollumfänglich in Kraft ist. Zwar trat die 60-tägige Waffenruhe sofort in Kraft, die vollständige Umsetzung – insbesondere die Öffnung der Straße von Hormus – soll aber erst nach der offiziellen Unterzeichnung am Freitag in Genf beginnen.
Zweitens bleibt offen, wann und unter welchen Bedingungen die Straße von Hormus tatsächlich vollständig geöffnet wird. Während die USA eine weitgehende Wiederaufnahme des Schiffsverkehrs ohne Einschränkungen anstreben, deuten iranische Aussagen darauf hin, dass Teheran zumindest indirekte Kontrollmechanismen oder Gebühren beibehalten könnte. Auch die Reedereien zeigen sich bislang zurückhaltend.
Drittens ist umstritten, welche konkreten Vorteile der Iran aus dem Abkommen zieht. Neben einer Waffenruhe und einer Lockerung von Sanktionen zur Ölexportfähigkeit stehen mögliche Zugänge zu eingefrorenen Vermögenswerten im Raum. Die USA betonen jedoch ein „Pay-for-performance“-Modell, bei dem finanzielle Erleichterungen an die Einhaltung der Vereinbarungen geknüpft sind.
Viertens bleibt unklar, wie schnell und in welchem Umfang die wirtschaftlichen Sanktionen tatsächlich gelockert werden – und ob es bereits vorab stillschweigende Zugeständnisse gibt.
Fünftens ist offen, wie die nukleare Frage im Detail geregelt werden soll. Zwar ist sie als zentraler Streitpunkt anerkannt, konkrete Mechanismen zur Begrenzung oder Kontrolle des iranischen Programms sind jedoch bislang nicht abschließend definiert.
Sechstens stellt sich die Frage, welche Rolle regionale Akteure künftig spielen sollen, insbesondere im Hinblick auf die Sicherheit der Schifffahrtsrouten durch die Straße von Hormus.
Siebtens bleibt unklar, wie stabil die Waffenruhe ist und unter welchen Umständen sie erneut eskalieren könnte, falls die Verhandlungen scheitern.
Achtens steht schließlich im Raum, wie beide Seiten das Abkommen politisch interpretieren: Während Washington es als kontrollierten diplomatischen Fortschritt darstellt, präsentiert Teheran es als deutlich weitergehenden wirtschaftlichen Durchbruch.
Insgesamt zeigt sich: Der Deal markiert eher den Beginn eines komplexen Aushandlungsprozesses als dessen Abschluss – mit erheblichen Interpretationsspielräumen auf beiden Seiten.
In Israel stößt das Abkommen – wenige Monate vor einer Wahl – parteiübergreifend auf Kritik. Hintergrund ist unter anderem die Verpflichtung zu einer Waffenruhe im Libanon.
Verteidigungsminister Israel Katz erklärte, Israel werde sich nicht aus besetzten Gebieten im Süden Libanons zurückziehen und sich das Recht auf Reaktionen auf Angriffe der Hisbollah vorbehalten. Sollte Iran im Kontext des Konfliktes im Libanon Israel angreifen, werde Israel „mit voller Härte“ reagieren.
Das Memorandum of Understanding ist darauf ausgelegt, einen 60-tägigen Prozess für Atomverhandlungen einzuleiten. Die nuklearen Elemente des Abkommens hängen jedoch vollständig von einer deutlich technischeren und detaillierteren Endvereinbarung ab – ebenso wie der Großteil der von Iran erwarteten Sanktionserleichterungen.
US-Vertreter räumen ein, dass ein solches Abkommen äußerst schwierig zu erreichen sein wird, nicht zuletzt wegen des gegenseitigen Misstrauens und der bereits komplexen Verhandlungen über das vergleichsweise weniger detaillierte Rahmenabkommen.
US-Vertreter betonen, dass die in die Region verlegten Streitkräfte nicht abgezogen würden, solange kein Atomabkommen erzielt ist. Ein hochrangiger US-Regierungsvertreter erklärte, man werde innerhalb der nächsten zwei bis drei Wochen erkennen, ob die bisherigen Verständigungen tatsächlich in ein verbindliches Abkommen münden.
Mehr zum Thema – Die Politik der Fallen und die Dynamik der Eskalation in der Iran-Strategie der USA und Israels